B2B
19.12.2018

Wie das Taxi-Geschäft in Zukunft aussehen wird

Das Hamburger Unternehmen mytaxi hat das Taxi-Gewerbe digitalisiert und erklärt, wie es gegen Konkurrenten wie Uber bestehen will.

„Autonome Fahrzeuge werden kommen. Bis sie aber in Städten als Taxis eingesetzt werden können, wird noch einiges an Zeit vergehen“, sagt mytaxi-CEO Eckart Diepenhorst im Gespräch mit der futurezone. Technische Perfektion und regulatorische Rahmenbedingungen seien noch lange nicht so weit. Das Hamburger Unternehmen, das mehrheitlich zum Fahrzeugkonzern Daimler gehört, bereite sich und seine Fahrer jedenfalls bereits lose darauf vor.

„Auch wenn selbstfahrende Taxis irgendwann Personen von A nach B bringen, wird das nicht gänzlich ohne Menschen funktionieren“, erklärt der mytaxi-Chef. Gerade wenn es darum gehe, Fahrgästen ins Fahrzeug zu helfen oder ihnen beim Tragen des Gepäcks zu helfen, werden Menschen zur Stelle sein müssen. In ferner Zukunft werden daraus sogar neue Geschäftsmodelle entwickelt werden, kann sich Diepenhorst vorstellen.

In naher Zukunft geht es beim Taxigeschäft aber zunächst darum, die bestehenden Flotten effizienter einzusetzen. „Wir sprechen derzeit von einem Auslastungsgrad von gerade mal 30 Prozent, da ist also noch einiges an zusätzlichem Potenzial“, erklärt Johannes Mewes, Mitgründer und Produktverantwortlicher bei mytaxi. „Für uns liegt die Herausforderung darin vorherzusagen, wo und wann welcher Bedarf an Taxifahrten zu erwarten ist.“

Konkurrenz zu Funkzentralen

Erreichen will das mytaxi mit umfangreichen Datenanalysen, maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz. „Aus unseren aufgezeichneten Daten der vergangenen Jahre kennen wir das Mobilitätsverhalten in den einzelnen Städten bereits recht gut“, sagt Mewes zur futurezone. Wenn nun noch zusätzlich beispielsweise Echtzeit-Verkehrsdaten und detaillierte Informationen zu Events und Wetterprognosen entsprechend berücksichtigt werden, hofft man darauf, künftig die erwartete Nachfrage nach Taxifahrten recht genau vorhersagen zu können. Diese Nachfrage will mytaxi mit bereits vorhandenen Taxiflotten bedienen, sagt mytaxi-CEO Diepenhorst: „Anders als die Mitbewerber bringen wir keine zusätzlichen Fahrzeuge in die Stadt.“

Taxi als Lieferdienst

Wenn es um eine effizientere Auslastung von Fahrzeugen geht, kann man sich bei mytaxi auch eine Art Mischform aus Taxi und Öffi-Bussen vorstellen. Es sei etwa höchst ineffizient, wenn Verkehrsbetriebe zu schwächeren Zeiten am Stadtrand Busse einsetzen, die dann nur mit einem oder zwei Fahrgästen unterwegs sind. „Auf solchen Strecken könnte man etwa kleinere Busse einsetzen, die entlang der Nachfragekette fahren“, sagt Alexander Mönch, bei mytaxi zuständig für Österreich und Deutschland. „Es würden einfach Fahrgäste eingesammelt, die zur selben Zeit in dieselbe Richtung wollen.“ Für die mytaxi-App gibt es bereits eine solche Funktion, mit der sich Fahrgäste in ausgewählten Testregionen ein Taxi teilen können.

Bei der Auslastung stellt sich auch die Frage, ob Taxis, die ohnehin in den Städten unterwegs sind, künftig nicht auch gleichzeitig Pakete oder Essen ausliefern könnten. „Derzeit haben wir diesbezüglich keine konkreten Pläne. Vor allem weil das zur Zeit aus regulatorischer Sicht nicht so einfach ist“, sagt CEO Diepenhorst. Aber bevor das Taxi leer fahre, wäre es natürlich nachhaltiger beziehungsweise auch wirtschaftlich sinnvoller, solche Leerfahrten mit ähnlichen Dienstleistungen zu verschränken.

Technologisch gesehen, sei hier noch vieles mehr möglich, erklärt der mytaxi-Mitgründer: So könnte man etwa in Zukunft gleich Zusatzleistungen zu seiner Taxifahrt mitbestellen, beispielsweise einen Kaffee oder eine Flasche Wasser. Auch die Musikwünsche für die Taxifahrt könnten künftig auch angegeben werden. "Fährt man mit dem Taxi zu einem Konzert, könnte die Musikauswahl im Fahrzeug automatisch entsprechend gestaltet werden", sagt Mewes. Weiters sei es möglich, dass Stadtrundfahrten mittels Taxi durchgeführt werden, wobei die Taxi-App gleichzeitig als Audio-Guide dienen könnte.

Gesetzesnovelle in Aussicht

Im Hinblick auf die internationale Konkurrenz wie dem US-Fahrdienstvermittler Uber, der in Wien als Mietwagenservice tätig ist und bereits mehrmals zu Strafzahlungen verurteilt wurde, wünscht sich mytaxi einen fairen Umgang. "Konkurrenz am Markt wird von allen Beteiligten als positiv wahrgenommen. Nur, dieser Wettbewerb muss unter fairen Bedingungen ausgetragen werden", sagt Lamboj. "Wir sind froh, dass sich eine Gesetzesänderung in diese Richtung nun abzeichnet."

Dass über eine Überarbeitung des Gelegenheitsverkehrsgesetzes mit allen Stakeholdern gesprochen wird, bestätigt auch das zuständige Verkehrsministerium bmvit gegenüber der futurezone. Konkret finden Gespräche zwischen WKO, Mietwagenunternehmen, Taxiunternehmen und dem Ministerium statt. Konkretes können man zu diesem Zeitpunkt nicht nennen. Es gehe in erster Linie darum, faire Wettbewerbsbedingungen für alle Beteiligten zu schaffen, heißt es aus dem bmvit.

Laut Lamboj würde eine solche Gesetzesnovelle bedeuten, dass Taxi- und Mietwagengewerbe miteinander verschmelzen. Den Mietwagenservice, auf dessen rechtlicher Basis Uber tätig ist, würde es in Zukunft nicht mehr geben. Personen von A nach B zu befördern, würde dann für alle Marktteilnehmer unter das Taxigewerbe fallen, sagt Lamboj: "Damit wäre wieder Chancengleichheit hergestellt."

Die Geschichte von mytaxi

Alles hat Ende 2008 an einem regnerischen Abend in einer Kneipe begonnen: Ein paar Freunde hatten sich ein Taxi gerufen. Draußen auf das Auto warten und dabei nass werden, wollte niemand; ebenso wenig drinnen warten und für die Wartezeit des Taxis zusätzlich zahlen. "Es müsste doch möglich sein, am Smartphone eine Benachrichtigung zu bekommen, wenn das Taxi vor der Tür ankommt", lautete die Idee, die an diesem Abend geboren wurde, erklärt Johannes Mewes, einer der Mitgründer von mytaxi im Gespräch mit der futurezone.

Aus diesem Gedanken ist in den vergangenen elf Jahren ein Unternehmen entstanden, das rund 500 Mitarbeitern beschäftigt, in mehr als 100 Städten in 9 Ländern aktiv ist und mittlerweile mehrheitlich zum Fahrzeugkonzern Daimler gehört.

Die Strategie scheint dem Hamburger Unternehmen recht zu geben: In Wien gibt es mittlerweile mehr als tausend Taxifahrer, die sich Fahrten per mytaxi-App vermitteln lassen und die Wachstumskurve zeigt steil nach oben. "Internationale erwarten wir eine Steigerung von 50 Prozent von 2017 auf 2018, für Wien sogar ein Wachstum von 100 Prozent." Diesen Schwung will mytaxi mitnehmen und kommendes Jahr den Dienst auch in Salzburg anbieten. Weitere österreichische Städte seien ebenso bereits angedacht.