B2B
02.05.2018

Datenfirma Cambridge Analytica gibt nach Facebook-Skandal auf

Alle Büros werden geschlossen. Eine Neupositionierung - auch mit neuem Namen - sei angesichts des jetzigen Klimas sinnlos.

Cambridge Analytica, die Datenfirma, die Facebook den größten Skandal seiner Geschichte bescherte, stellt all ihre Geschäfte ein. Das berichtet das Wall Street Journal mit Hinweis auf informierte Personen aus dem Unternehmen. Zuvor hatte auch das US-Portal Gizmodo davon berichtet, dass alle US-Büros der Firma Mittwochfrüh geschlossen wurden. Mitarbeiter seien angehalten worden, ihre Schlüssel und Zugangscodes unverzüglich abzugeben.

"Neupositionierung sinnlos"

In einem Telefonbriefing habe der Chef des Mutterkonzerns SCL, Julian Wheatland, der auch Geschäftsführer von Cambridge Analytica werden hätte sollen, mitgeteilt, dass sämtliche Neupositionierungen der Datenfirma sinnlos seien. Als Gründe für die Schließung aller Büros nannte Wheatland die Ermittlungen gegen das Unternehmen, den Verlust der Reputation sowie bereits abgesprungene Kunden. Angesichts dieser Ausgangslage sei die Auflösung von Cambridge Analytica und in Folge auch des Konzerns die einzige mögliche Konsequenz.

Auch Mutter gibt auf

So wie Cambridge Analytica habe auch die Dachgesellschaft SCL Group Insolvenz beantragt und den Betrieb eingestellt, teilten die Unternehmen mit. Auslöser sei, dass Kunden abgesprungen seien und zugleich die Anwaltskosten im Zuge der Ermittlungen zum Datenskandal in die Höhe gingen, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf informierte Personen. Die Firma selbst sprach von einer "prekären finanziellen Lage".

Datenskandal

Beim Facebook-Skandal geht es um das Abschöpfen der Daten von rund 87 Millionen Facebook-Nutzern durch die Datenanalysefirma, die dann unerlaubt für den Wahlkampf des heutigen US-Präsidenten Donald Trump genutzt worden sein sollen. Zudem könnten auch für eine Pro-Brexit-Kampagne Kundendaten von britischen Bürgern in großem Umfang missbraucht worden sein.

Cambridge Analytica hatte von einem Cambridge-Professor Daten von Millionen Facebook-Nutzern erhalten, die er über eine Umfragen-App gesammelt hatte. Dabei hatten nur einige hunderttausend Nutzer an der Umfrage teilgenommen. Der Rest waren einige Informationen über ihre Facebook-Freunde, zu denen die App nach damaliger Funktionsweise des Online-Netzwerks auch Zugang hatte.

Köpferollen

Facebook machte diese Schnittstellen bereits 2014 dicht und betont, dass die Weitergabe der Daten durch den Professor ein "Vertrauensbruch" gewesen sei. Dennoch stürzte der Fall auch Facebook in eine Krise und brachte das weltgrößte Online-Netzwerk unter anderem dazu, dem Zugang von Software-Entwicklern zu Nutzerinformationen einzuschränken.

Cambridge Analytica beurlaubte im Zuge des Skandals den Firmenchef Alexander Nix, nachdem er vor der versteckten Kamera eines Journalisten mit Methoden wie Erpressung geprahlt hatte. Nix sagte später zu seiner Verteidigung, er habe nur bei der Unterhaltung mitgespielt.

"Im Rahmen der Gesetze"

Die Firma hatte im Wahlkampf für die US-Präsidentenwahl für das Team von Donald Trump gearbeitet, behauptet aber, dabei seien keine Daten von Facebook verwendet worden. Manager von Cambridge Analytica ließen aber immer wieder durchblicken, dass ihre Hilfe bei der gezielten Ansprache von Wählern im Internet zur Wahl Trumps zum US-Präsidenten beigetragen habe.

Am Mittwoch bekräftigte Cambridge Analytica, dass das Unternehmen im Rahmen der Gesetze gehandelt habe und die Vorwürfe falsch seien. Das habe auch eine unabhängig Untersuchung bestätigt.