B2B 05.05.2016

EMC: "Dell wird uns bekannter machen"

Michael Dell garantiert Glamour-Faktor © Bild: EMC

Vor der geplanten Mega-Fusion zwischen dem Speicher-Hersteller EMC und Dell sind noch einige Fragen offen. Die Europa-Verantwortlichen rechnen mit mehr Breitenwirksamkeit.

Auch am dritten Tag der EMC World in Las Vegas war neben einigen Produktankündigungen die 67 Milliarden Dollar schwere Fusion zwischen Dell und EMC Gesprächsthema Nummer eins. Während hinter vorgehaltener Hand offenbar einige Kunden Verunsicherung durchblicken ließen, ob Computerpionier Michael Dell in Zukunft das Highend-Enterprise-Geschäft von EMC erfolgreich fortführen und Akzente in punkto Innovation und Service setzen kann, sorgte er gleichzeitig bei sämtlichen Auftritten für Celebrity-artige Szenen.

Ein bisschen Glamour für EMC

Die Strahlkraft von Michael Dell ist definitiv unumstritten. Kunden, Firmenpartner, EMC-Mitarbeiter und selbst Journalisten standen sich bei jeder Gelegenheit um Selfies und Schnappschüsse an. Seine markigen Sprüche in Richtung Konkurrent HP lassen vermuten, dass der Ton im bislang eher nüchtern kommunizierten Enterprise-Geschäft in Zukunft rauer und emotionaler werden könnte.

Wenig überraschend wurden die Europa-Verantwortlichen von EMC auf der Hauskonferenz nicht müde zu betonen, dass die auf den ersten Blick ungewöhnliche Fusion wichtige positive Impulse liefern werde. Der für Europa, Naher Osten und Afrika zuständige EMEA-Chef Adrian McDonald wies darauf hin, dass das in der Region umgesetzte EMC-Geschäftsvolumen von 5 Milliarden Dollar durch die Dell-Fusion schlagartig auf über 20 Milliarden Dollar anwachsen werde.

Mehr Bekanntheit am deutschen Markt

Während EMC seit jeher mit seinen Storage-, Cloud- und anderen Netzwerkprodukten im oberen Enterprise-Segment reüssierte, könnte das mit starken Vertriebsstrukturen und hohem Bekanntheitsgrad ausgestattete Dell die Enterprise-Tür zu kleineren und mittleren Unternehmen öffnen.

"93 Prozent der deutschen Wirtschaft ist Mid-Market. Während EMC auf breiter Basis immer noch nicht so gut bekannt ist, kennt Dell nicht zuletzt durch die in vielen Firmen verwendete Hardware jeder. Das wird uns bekannter machen und unsere Verkaufszahlen ankurbeln", ist der deutsche EMC-Country-Manager Dinko Eror überzeugt.

Was Großkunden betrifft, rechnet Eror damit, dass das Thema Industrie 4.0 bzw. das Internet der Dinge gerade im deutschen Markt große Wachstums-Chancen für die neue Dell-EMC-Sparte biete. Aber auch im öffentlichen Bereich, der seit jeher stark auf Dell-Computer setze, werde man sich in Zukunft leichter tun - da eben die Marke Dell über die verkauften Laptops, PCs und Server bereits ein Begriff sei, sagte Eror zur futurezone.

Zukunft von VMware ungewiss

Während die Restrukturierungsprozesse im Hintergrund gerade erst ausgearbeitet werden, ist die Zukunft von manchen Konzern-Teilen immer noch ungewiss. Eines der bisherigen Aushängeschilder und ein kräftiger Umsatztreiber - die zu 80 Prozent im Besitz von EMC befindliche Tochter VMware - war auf der großen Bühne der Konferenz praktisch nicht präsent.

Anders als in den Jahren zuvor hielt VMware-Chef Pat Gelsinger keine Keynote. Über die Zukunft des Virtualisierungsunternehmens wurde auf der mehrtägigen Konferenz de facto nicht gesprochen. Bis heute ist unklar, ob EMC im Zuge der Fusion seinen Anteil am Unternehmen verkauft oder einen anderen Weg findet, die Geschäftsfelder neu zu organisieren. Schon vor der Fusion wurden immer wieder Stimmen laut, die einen komplett getrennten Weg der beiden Firmen vorschlugen.

Disclaimer: Die Reisekosten zur EMC World wurden von EMC übernommen.

( futurezone ) Erstellt am 05.05.2016