B2B
15.03.2016

HoT-Chef Krammer: "Finger weg von Preisregulierungen"

"Behörden machen nun mal keinen Markt." So kommentiert HoT-Chef Krammer den Abschlussbericht zur Drei-Orange-Fusion. Auch Drei-Chef Trionow relativiert die Tariferhöhungen.

Die Abschlussberichte österreichischer Behörden zur Übernahme von Orange durch Drei blieb auch von den involvierten Mobilfunk-Verantwortlichen nicht unkommentiert. Der frühere Orange-Chef, der für Hofer das HoT-Angebot managt, widerspricht im futurezone-Gespräch der Ansicht von BWB-Direktor Thanner: "Wie man am aktuellen Index mit seinen sinkenden Preisen sieht, haben die erteilten Auflagen gewirkt. Das zeigt ja auch der Erfolg von HoT im Markt. Wir haben die Chance jedenfalls nutzen können."

Dass der Markterfolg von virtuellen Anbietern (MVNOs) nicht von heute auf morgen kommen würde, sei von Anfang an klar gewesen. "Behörden machen nun mal keinen Markt, sie können nur die Voraussetzungen schaffen. Damit Wettbewerb entsteht, braucht es natürlich entsprechende Unternehmer, die mit innovativen Konzepten in den Markt gehen. Bessere Auflagen als die ohnehin erteilten fallen mir zumindest keine ein, wenn man so einen Merger grundsätzlich erlaubt", sagt Krammer.

Drei verweist auf Preissenkungen

Auch bei Drei-Chef Jan Trionow interpretiert man die präsentierten Berichte eher als Beweis dafür, dass der Wettbewerb funktioniere. "Die von BWB und RTR zitierten Untersuchungen zeigen, dass die Preise zwar 2013 und 2014 gestiegen, 2015 aber wieder deutlich gefallen sind. Dank des intensivierten Wettbewerbs befinden sich die Tarife heute wieder rund 10 Prozent unter dem Niveau von 2011", teilte Trionow der futurezone mit.

Er verwies zudem darauf, dass erst der Merger Drei die zuletzt getätigten signifikanten Investitionen in das eigene Mobilfunknetz - Stichwort LTE - ermöglicht habe. Dass die Auflagen, welche die Etablierung von virtuellen Anbietern im Drei-Netz vorsah, nicht rascher gewirkt hätten, sei darauf zurückzuführen gewesen, dass der MVNO-Markt in Österreich überhaupt nicht entwickelt war. "Jeder virtuelle Anbieter braucht eine Vorlaufzeit, kann also nicht von heute auf morgen starten", erklärte Trionow.

Krammer gegen Preisregulierung

Die von der RTR angeführte Preissenkung bei der Rufnummernmitnahme geht HoT-Chef Krammer nicht weit genug: "Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Die Mitnahme sollte aber gratis sein, denn die vor zehn bis zwölf Jahren getätigten Investitionen in die dafür notwendige Technik haben die Mobilfunker längst abgeschrieben." Wichtiger als dieser Umstand sei für virtuelle Anbieter aber, dass die Rahmenbedingungen auch in Zukunft angepasst werden.

Als völlig verfehlt bezeichnete Krammer die Preis-Regulierungspolitik der EU-Kommission beim EU-Roaming: "Wenn Behörden glauben, anstatt Rahmenbedingungen zu schaffen, Endkundenpreise regulieren zu müssen, ist das einfach nur fürchterlich. Das würde bei Mineralwasser ja auch nicht funktionieren - bzw. wenn, dann halt über andere Gebühren beim Essen wieder reingeholt werden."

Die Unsicherheit für kleinere Anbieter bestehe derzeit darin, dass die EU zwar die Endkundenpreise reguliert habe, anders als früher bisher aber keine Vorgaben für die Einkaufspreise gemacht habe - also den Preis, den Anbieter wie HoT an Roaming-Partner im Ausland zu zahlen haben. "Damit sind wir schon mitten in der Regulierungsspirale. Dabei profitiert der durchschnittliche Privatkunde von den Roaming-Nachlässen kaum. Der kann sich im Urlaub nicht einmal ein Achtel Wein mehr darum kaufen", ist Krammer im futurezone-Interview überzeugt.