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Österreich
01/26/2012

Internethandel: Angebot kleiner als Nachfrage

Immer mehr Einzelhändler verkaufen ihre Waren auch online und immer mehr Konsumenten kaufen im Internet ein. Doch das Angebot österreichischer Onlineshops hinkt der Nachfrage auf Kundenseite hinter, so das Ergebnis einer aktuellen Studie der WKÖ. Zudem sehen sich die heimischen Anbieter aufgrund ungleicher Urheberrechtsabgaben in der EU gegenüber dem Ausland benachteiligt.

von Claudia Zettel

In Österreich gibt es derzeit 39.000 Einzelhandelsunternehmen, 5700 (15 Prozent) davon verkaufen ihre Waren inzwischen auch im Internet. Dem gegenüber stehen 2,5 Millionen Österreicher zwischen 16 und 74 Jahren, die online shoppen, wie aus einer aktuellen Studie im Auftrag der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) hervorgeht. Die Konsumenten geben pro Jahr insgesamt 4,5 Milliarden Euro im Internet aus, pro Person im Schnitt etwa 1800 Euro. Etwa die Hälfte dieser Ausgaben fließt an ausländische Händler. Die Wirtschaftskammer sieht hier Handlungsbedarf, denn das Angebot österreichischer Einzelhändler bleibt bis dato deutlich hinter der Nachfrage zurück.

“Wir werden daher verstärkt Maßnahmen zur Aufklärung bei den Händlern ergreifen, etwa durch Informationsveranstaltungen in den Bundesländern”, so Bettina Lorentschitsch, Obfrau der Bundessparte Handel bei der WKÖ, am Mittwochabend bei der Präsentation der Studie in Wien.

Ungleichheit bei Urheberrechtsabgaben
Gleichzeitig übt die Wirtschaftskammer Kritik am Gesetzgeber, der österreichische Händler aufgrund “unangemessen hoher Urheberrechtsabgaben” gegenüber ausländischen Online-Anbietern benachteilige. “Es ist wichtig, dass es gleiche Chancen für in- wie ausländische Händler gibt. Ausländische Anbieter sollten beim Verkauf an österreichische Kunden Abgaben in selber Höhe abführen müssen wie inländische”, sagt Lorentschitsch. Denn gerade im grenzüberschreitenden Online-Handel seien gleiche Wettbewerbsbedingungen und die Einhaltung rechtlicher Rahmenbedingungen durch alle Anbieter von größter Bedeutung. Das betreffe die Urheberrechtsabgaben ebenso wie den derzeit unterschiedlichen Grad des Vollzugs von EU-Vorgaben bei umweltrechtlichen Verpflichtungen, etwa im Verpackungsbereich.”Österreichische Händler sind massiv benachteiligt”, kritisiert Lorentschitsch.

Die Wirtschaftskammer fordert langfristig EU-weit gleiche Rahmenbedingungen. Derzeit bestehe das Problem, dass es zwar einen gemeinsamen Markt, aber auf nationaler Ebene unterschiedliche Vorschriften zu Abgaben gibt. Dass heimische Händler sich oft den Vorwurf gefallen lassen müssen, teurer zu sein als die ausländische Konkurrenz, sei zum Teil auch auf diese Problematik zurückzuführen, heißt es seitens der WKÖ.

Internet vor allem Informationsmedium
Der Anteil der Konsumenten, die im Netz Produkte kaufen, wächst zwar stetig, doch laut der Studie ist das Internet nach wie vor in erster Linie ein Informationsmedium. 59 Prozent nutzen das Web, um sich vor einem Kauf zu informieren, 39 Prozent kaufen dann tatsächlich auch über das Internet ein. Generell nutzen die Kunden hauptsächlich die Unternehmens-Webseiten, um sich über Waren zu informieren. Eine Ausnahme bilden dabei die Bereiche Computer-Hardware und Computer-Software: Hier greifen die Konsumenten zunächst auf Preisvergleichsportale zurück. Ähnlich sieht die Situation dann bei der tatsächlichen Kaufentscheidung aus.

Wenig überraschend liegt der höchste Anteil der Internetkäufer in der jungen Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen. Außerdem sind Konsumenten, die online shoppen tendenziell formell höher gebildet. “Davon abgesehen gibt es aber keinen typischen Internetkäufer mehr”, sagt Ernst Gittenberger, Projektleiter KMU Forschung Austria. Das Thema ziehe sich mittlerweile quer durch alle sozialen Schichten und demografischen Gruppen.

Bücher stärkste Produktgruppe
Im Schnitt bestellen die österreichischen Onlineshopper 15 mal pro Jahr etwas im Internet. Dazu zählen aber nicht in erster Linie große Käufe, sondern vor allem kleinere Investitionen, etwa in Musik. Nach Anzahl der verkauften Produkte sind Bücher insgesamt die am häufigsten im Internet-Einzelhandel gekaufte Ware. Im Erhebungszeitraum 2010/2011 haben 57 Prozent der österreichischen Internetkäufer (23 Prozent der Bevölkerung) innerhalb von zwölf Monaten Bücher online bestellt.

Zweitstärkste Produktgruppe nach Häufigkeit der getätigten Einkäufe ist der Bereich Bekleidung/Textilien. Nach Umsatz betrachtet macht dieser bereich mit etwa 840 Millionen Euro den größten Anteil aus. Vor vier Jahren, im Vergleichszeitraum 2006/2007, lag noch die Produktgruppe Elektrogeräte an erster Stelle. Insgesamt haben sich die jährlichen Ausgaben im Internet-Einzelhandel seither verdreifacht.

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