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03.05.2018

Telegram sagt öffentliches ICO ab, weil es schon genug Geld hat

© Bild: REUTERS / ILYA NAYMUSHIN

Dem Messenger-Dienst haben weniger als 200 Privatinvestoren gereicht, um 1,7 Milliarden US-Dollar aufzustellen.

Wer sich gefreut hat bald ein paar Gram-Coins erwerben zu können, wird vermutlich enttäuscht werden. Der Messenger-Dienst Telegram wird sein angekündigtes, öffentliches ICO nicht starten, berichtet das Wall Street Journal.

Telegram hat zuvor in zwei Runden sein ICO nur für private, ausgewählte Investoren geöffnet. Dadurch wurden insgesamt 1,7 Milliarden US-Dollar lukriert, was es zum bisher größten ICO aller Zeiten macht. Bei ICOs (Initial Coin Offerings) werden Tokens bzw. Coins gegen echtes Geld ausgegeben, mit denen später gehandelt werden kann. Viele Kryptowährungen, Start-ups und auch einige Betrüger versuchen so im Zuge des Bitcoin- und Blockchain-Hypes schnell an Geld zu kommen.

Laut dem Wall Street Journal kamen die 1,7 Milliarden US-Dollar von weniger als 200 Personen, die besonders hohe Einkommen haben oder bereits Millionäre sind. Da Telegram genügend Geld habe, könne jetzt das Telegram Open Network entwickelt und aufgebaut werden, ohne, dass das ICO öffentlich gemacht wird, wie es ursprünglich geplant war. Mit dem Telegram Open Network soll ua. eine Plattform für Online-Bezahlungen aufgebaut werden. Die Investoren erhalten Grams, mit denen sie später per Telegram Messenger für Waren und Dienstleistungen bezahlen können.

Strengere Auflagen

Analysten vermuten, dass der bisherige Geldsegen nicht der einzige Grund für Telegrams Rückzieher sein könnte. Schließlich käme es recht selten vor, dass ein Unternehmen sage, es habe genug Geld. Telegram habe zwar Probleme in Russland und Iran, weil sie sich weigern den Behörden Zugang zu den Nachrichten ihrer User zu geben, genieße aber ua. gerade deshalb einen guten Ruf. Zudem habe es 200 Millionen User. Eine öffentliche ICO-Runde hätte das Potenzial gehabt, weitere Milliardeneinnahmen zu generieren.

Die Analysten gehen davon aus, dass Telegram fürchtet, aufgrund der strenger werdenden Regeln für ICOs Probleme in anderen Ländern zu kriegen. Ob die ursprünglich geplante, dritte private ICO-Runde stattfinden wird, ist nicht bekannt. Mit dieser hätten weitere 850 Millionen US-Dollar gesammelt werden sollen. Das ICO wäre dann über 2 Milliarden US-Dollar schwer gewesen, bevor es öffentlich gemacht worden wäre.