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B2B
07/01/2020

Werbeboykott trifft Facebook härter als Cambridge Analytica

Mehr als 120 Unternehmen wollen im Juli keine Werbung auf Facebook schalten, darunter viele deutsche Firmen.

von Barbara Wimmer

Facebook steht neben Vorwürfen zu Datenschutzverstößen seit Längerem in der Kritik, nicht ausreichend gegen Hasskommentare und Falschmeldungen vorzugehen. Das könnte den US-Konzern jetzt so richtig teuer zu stehen kommen: Aus Protest haben sich über 120 Unternehmen einem Aufruf zum Werbeboykott angeschlossen. Den Anfang machten Coca Cola, Starbucks, Unilever oder Levi’s. Nun machen auch viele deutsche Firmen mit: Die Liste reicht von VW, Henkel bis hin zu SAP, Fritz Kola und Vaude. Für letztere Firma gehören Facebook und Instagram zu den wichtigsten Werbeplattformen, auf die circa 25 Prozent des Media-Budgets entfallen. In Österreich macht der "Verein Neustart" mit, wie er auf Twitter bekannt gibt.

Kampagne in den USA gestartet

Die Konzerne schalten den ganzen Monat lang keine Werbung auf Facebook, um damit die Kampagne #StopHateForProfit zu unterstützen. Diese wurde nach dem gewaltsamen Tod des US-amerikanischen Bürgers George Floyd im Mai ins Leben gerufen. Alle Unternehmen seien dazu aufgerufen, sich solidarisch den Werten „Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit“ zu bekennen, heißt es auf der Webseite der Initiatoren. Mark Zuckerberg hatte sich nach dem Tod des Afroamerikaners geweigert, kontroverse Beiträge mit umstrittenen Aussagen des US-Präsidenten Donald Trump auf Facebook zu entfernen, oder zumindest entsprechend zu kennzeichnen. Sogar einige Facebook-Mitarbeiter übten deshalb scharfe Kritik am Konzern. Nun machen zahlreiche Unternehmen beim Werbeboykott gegen Facebook mit.

VW: "Umfeld nicht akzeptabel"

Auch VW, der weltgrößte Autokonzern und seine Marken setzen zentral geschaltete Anzeigen auf Facebook aus. Man stehe für ein "offenes und gleichberechtigtes Miteinander", heißt es seitens des Autokonzerns. "Ein Umfeld von Falschmeldungen oder Hassbotschaften ist für uns nicht akzeptabel.“

Dieser Werbeboykott könnte den US-Konzern jetzt tatsächlich empfindlich treffen. Facebook verdient sein Geld nämlich hauptsächlich mit Werbung. Im Jahr 2019 mache der Online-Gigant 70 Milliarden Dollar Umsatz mit seinem Werbegeschäft, das sind umgerechnet rund 98 Prozent. Wenn jetzt viele große Firmen ihre Werbegelder abziehen, kann das den Konzern auf jeden Fall mehr treffen als die 500 Euro, die an Max Schrems zu zahlen wären, wie das Wiener Landesgericht am Dienstag entschied.

Aktie brach ein

Auch die Facebook-Aktie brach wegen des Werbeboykotts um acht Prozent ein. Damit war der Konzern kurze Zeit um  56 Milliarden Dollar weniger wert als am Tag davor, doch viele nutzten die Chance, billig Aktien nachzukaufen, und damit stieg der Wert bereits wieder. Allerdings traf der Werbeboykott  den Konzern deutlich stärker als nach dem Datenschutzskandal rund um Cambridge Analytica.

Facebook nimmt die ganze Angelegenheit deshalb sehr ernst und ist auch im Anbetracht des bevorstehenden US-Wahlkampfs durchaus nervös. Am Mittwoch hat der Konzern deshalb ein Netzwerk rechtsextremer Gruppen von seinen Seiten verbannt, die Hass und Gewalt propagiert hatten. 220 Konten seien geschlossen worden, 106 Onlinegruppen entfernt. Facebook hat zudem angekündigt, künftig „glaubwürdigere und informativere Nachrichten“ vorreihen zu wollen und somit stärker gegen falsche Informationen vorzugehen.

FILE PHOTO: Facebook Chairman and CEO Zuckerberg testifies at a House Financial Services Committee hearing in Washington

Zuckerberg will Schadensbegrenzung

Inzwischen hat sich Zuckerberg persönlich eingeschaltet, um das Schlimmste zu verhindern. Er will sich mit den Initiatoren der Kampagne persönlich treffen, die ihm zehn Forderungen präsentieren wollen. Unter anderem sollen Menschen, die Opfer schwerwiegender Belästigungen auf Facebook geworden sind, mit einem Mitarbeiter sprechen können. Auch von Entschädigungszahlungen ist die Rede. Bisher hat Facebook aber lediglich eine Überprüfung seiner internen Hatespeech-Kontrolle in Aussicht gestellt.

Timo Krause, Country Director von Facebook im deutschsprachigen Raum, sagt zum Boykott: „Wir stehen mit Werbetreibenden weltweit in kontinuierlichem Austausch und verstehen, dass sie ihre Botschaften und Inhalte in einem sicheren Umfeld sehen möchten - das wollen wir auch. Wir akzeptieren keine Hassrede auf unseren Plattformen und entfernen diese, sobald wir darauf aufmerksam werden. Unser Ansatz gegen Hassrede und andere unerwünschte Inhalte entwickelt sich stetig weiter und wir investieren jährlich mehrere Milliarden US-Dollar in die Sicherheit unserer Plattformen.“

Experten rechnen nicht damit, dass der Werbeboykott dem Unternehmen langfristig schaden wird. Viele, kleine Firmen können es sich nicht leisten, ganz auf Facebook-Werbung zu verzichten und die „Großen“ werden am Ende auch wieder zurückkehren. Der Boykott kommt vielen von ihnen wegen Corona-Krise auch gelegen.

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