© Miguel Dieterich

Mobilfunk
03/31/2012

"Wir sind nicht in der Lage, Geld zu verdienen"

Orange-Chef Michael Krammer kritisiert die europäische Wirtschaftspolitik, denn obwohl die Kundenanzahl steigt, das Mobilfunkvolumen wächst, sinken die Umsätze. „US-Konzerne können europäische Vorzeige-Unternehmen aus der Handkasse kaufen“.

Rein statistisch gesehen besitzt jeder Österreicher zwei SIM-Karten – in seinem Handy, in seinem Datenstick, in seinem Tablet – 13,058 Millionen Stück wurden bis dato ausgegeben. Wie viele wirklich aktiv sind, lässt sich aus der Statistik nicht herausrechnen, allerdings kann man davon ausgehen, dass es viele „SIM-Leichen“ gibt. Dennoch zählt Österreich seit vielen Jahren schon zu den mobilen Vorzeige-Ländern. Im Jahr 2006 hat ein österreichischer Kunde im Schnitt 145 Mobilfunk-Einheiten (1 Gesprächsminute, 1 Megabyte,  1 SMS) verschickt. Fünf Jahre später sind es 457 Mobilfunk-Einheiten.

22 Milliarden Gesprächsminuten
2006 wurden in Österreich 13,7 Milliarden Minuten telefoniert und zwei Milliarden SMS verschickt. Fünf Jahre später waren es bereits 22,2 Millilarden Minuten und 7,2 Milliarden verschickte Text-Nachrichten. Den größten Zuwachs gab es freilich beim Datenvolumen, da 2006 die Ära der Smartphones noch nicht angebrochen war. 2006 wurden von den Kunden 309 Terabyte an Daten verbraucht, 2011 waren es bereits 42.200 Terabyte. Selbst beim totgesagten MMS kam es im vergangenen Jahr zu einem kleinen "Revival" - wurden 2006 knapp 27 Millionen MMS verschickt, waren es 2011 etwas mehr als 41 Millionen. "Seit 2006 heißt das: Plus 41 Prozent bei den Kunden, plus 61,7 Prozent bei den Gesprächsminuten, plus 225 Prozent bei den SMS und plus 13.500 Prozent beim Datenvolumen", sagt Orange-Chef Michael Krammer, "aber minus 20,1 Prozent beim Umsatz. Das sagt doch viel über die Branche aus."

Sinkende Umsätze
"Der Umsatz pro SIM-Karte ist rapide gesunken", sagt Krammer. Von 33 Euro auf 19 Euro im Monat. „,Vergleichen Sie das mit Ihrer Strom-, Ihrer Wasser-Rechnung. Unsere Branche ist nicht mehr in der Lage, Geld zu verdienen, weil wir überreguliert sind", kritisiert Krammer die EU, allen voran Kommissarin Neelie Kroes. Der mobile Vorreiter-Kontinent Europa habe seine Bedeutung verloren. Die Netzwerk-Technologien und Ausstattungen kommen aus Asien und die Innovationen aus den USA. „Europas Vorzeige-Unternehmen können von Apple aus der Handkasse gekauft werden", meint Krammer. Die France Telecom sei 30 Milliarden wert, die Deutsche Telekom etwa 39 Milliarden. Apple hatte bis vergangene Woche einen Geldpolster in der Höhe von 100 Milliarden, ehe sich Firmenleitung dazu entschied, erstmals seit 1995 wieder Dividende auszuschütten. Krammer: „In Europa wird einfach schlechte Wirtschaftspolitik gemacht."

Orange-Drei
Krammer nahm auch zum Verkauf von Orange an Drei Stellung. Dass der Deal platzen könnte, glaubt der Orange-Chef nicht. Aber für den unwahrscheinlich Fall, würde es einen Plan B geben. Wie der aussieht, wollte Krammer nicht verraten.

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