Digital Life
03/05/2019

Anonym suchen per Proxy: Was der neue Startpage-Dienst taugt

Die Suchmaschine Startpage bietet seit einigen Monaten die Möglichkeit, Seiten über einen Proxy-Server anzusurfen. Wir testen.

Das Angebot an Suchmaschinen, die sich Privatsphäre und Datenschutz auf die Fahnen geschrieben haben, ist in den vergangenen Jahren gewachsen. Anbieter wie DuckDuckGo, MetaGer, SearX oder Swisscows überbieten sich gegenseitig mit vollmundigen Ankündigungen zum Ausmaß ihrer Datenschutzvorkehrungen. Am Ende müssen die Nutzer entscheiden, ob sie den Versprechungen glauben. Was alle Angebote eint, ist, dass der Schutz der Privatsphäre endet, sobald einer der Links in den Suchergebnissen angeklickt wird.

Für die niederländische Suchmaschine Startpage gilt das seit Ende 2018 nicht mehr. Ein optionaler Proxy-Dienst soll dafür sorgen, dass Nutzer nicht nur anonym suchen, sondern auch die gefundenen Seiten ansurfen können, ohne dass ihre Daten abgesaugt werden. Das ganze funktioniert, indem beim Klicken auf einen Link ein Server zwischengeschaltet wird. Die Seite, die angesurft wird, sieht nur Informationen über diesen Proxy-Server, Informationen über den tatsächlichen Nutzer und sein System bleiben unsichtbar. Wir haben den Dienst angetestet.

Einfach nutzbar

Die Nutzung des neuen Proxy-Dienstes ist sehr einfach, der Nutzer muss keinerlei Einstellungen anpassen. Startpage zeigt standardmäßig neben jedem Suchergebnis einen "Anonyme Ansicht"-Link. Wer eine Webseite mit Proxy-Tarnung ansurfen will, braucht lediglich auf diesen Link statt auf das Suchergebnis selbst zu klicken. Dann wird die entsprechende Seite in einem neuen Tab im Proxy-Modus angezeigt. Das ist an sich äußerst praktisch und selbst für unbedarfte Nutzer problemlos möglich.

Für den ständigen Gebrauch im Alltag ist der Proxy-Dienst aber nicht gedacht. Das zeigt sich an den deutlich längeren Ladezeiten, die Nutzer in Kauf nehmen müssen. Das Aufrufen einer Seite in der "Anonymen Ansicht" dauert teilweise über 20 Sekunden. Das schnellste Ergebnis im Rahmen unseres Tests lag bei etwa sechs Sekunden. Das ist, vor allem mit der überaus schnellen Leitung, die in unseren Redaktionsräumen zur Verfügung steht, eine Ewigkeit. In der mobilen Version unter Android und Firefox liegen die Ladezeiten gerade bei schlechtem Empfang teilweise noch deutlich höher.

Nicht für jede Seite

Dazu kommt, dass einige Seiten über den Proxy nicht korrekt dargestellt werden. In unserem Test wurde etwa die Log-in-Seite von Facebook falsch angezeigt. Die Seiten der Tageszeitung "Der Standard" und des Onlinemediums "Quartz" waren überhaupt nicht benutzbar, weil sie Fehlermeldungen ausgespuckt haben oder die Inhalte nicht sichtbar waren. Dasselbe Problem gibt es mit einigen Seiten, die erweiterte Funktionen aufweisen. So sind beispielsweise diverse Anbieter von Geschwindigkeitstestplattformen wie speedtest.net nicht nutzbar.

Um Fehler handelt es sich bei den nicht funktionierenden Aufrufen nicht. Der Proxy-Server von Startpage leitet die Anfragen der Nutzer an die Zielseiten nämlich nicht bloß weiter, sondern editiert sie. So werden verräterische Header, die Informationen über Systemsprache, Betriebssystem oder andere Hard- und Softwareinformationen so weit möglich vom Proxyserver mit anonymen Standarddaten ersetzt. Das gilt auch für JavaScript-Aufrufe. Damit will Startpage gewährleisten, dass möglichst viele Tracking-Methoden ins Leere laufen. Das Absenden ausgefüllter Textfelder ist im Proxy-Modus nicht möglich. Deshalb funktioniert auch die Anmeldung auf Plattformen, die Nutzerkonten verwenden, nicht.

Diese Anpassungen erklären auch die längeren Ladezeiten. Seiten, die solche Informationen benötigen, funktionieren deshalb beim Proxy-Zugriff unter Umständen nicht. Im Test hat das Aufrufen von alltäglich genutzten Seiten bis auf wenige Ausnahmen gut funktioniert. Jeder Aufruf im Proxy-Modus findet im privaten Modus des verwendeten Browsers statt. Damit soll verhindert werden, dass Cookies im Browser platziert werden, die den Nutzer über Sitzungen hinweg identifizierbar machen.

Fazit

Die Idee, Links über einen Proxy-Server anzusurfen, ist gut. Diese Funktion so umzusetzen, dass jeder sie mit einem Klick nutzen kann, ist noch besser. Die längeren Ladezeiten nehmen wir gerne in Kauf, wenn wir dafür Seiten, denen wir nicht mit unseren Daten trauen, mit einer zusätzlichen Schutzschicht ansurfen können. Das ist auch der Zweck des ganzen Angebots: Wer ein Suchergebnis findet, das nicht vertrauenswürdig ist, kann dieses so ansurfen und seine Privatsphäre wahren.

Eine Nutzung als Proxyserver für sämtliche Webseitenaufrufe ist möglich, aber nicht intendiert. Hier wäre der ständige Umweg über die Startpage-Suche wohl schlicht zu mühsam. Ob Nutzer dem Anonymisierungsdienst trauen ist, wie bei allen derartigen Angeboten, am Ende die Gretchenfrage. Für Startpage spricht in diesem Zusammenhang, dass es sich um ein europäisches Unternehmen handelt, das in der Vergangenheit schon von Datenschutz-Granden wir Edward Snowden, Max Schrems oder Epicenter Works empfohlen wurde. Skandale gab es bisher nicht und auf Wunsch werden ausschließlich europäische Server zur Abwicklung von Nutzeranfragen genutzt. Wer bereits einen VPN-Dienst nutzt, der keinen eigenen Proxy-Dienst unterstützt, kann unter Umständen trotzdem vom Startpage-Dienst profitieren, da das Fingerprinting anhand von Systemparametern nochmals erschwert wird.