Digital Life
05.03.2015

Bankidee: User leihen sich Minikredite

"Crowd-Lending", simple Buchhaltung für den Haushalt und Kontoplanung: s-Lab-User entwickelten im Rahmen eines Workshops einmal mehr eigene Bank-Ideen.

Die Erste-Bank-Filiale in der Lerchenfelderstraße in Wien war vor kurzem wieder Schauplatz für einen Co-Creation-Workshop, in dem Konzepte für zukünftige Banklösungen erarbeitet wurden. Insgesamt 16 s-Lab-User, Bankkunden und Mitarbeiter nutzten den Abend, um aus vielen Ideen schließlich drei Konzepte zu entwickeln. Großes Interesse weckte etwa die Idee einer Freundes-Plattform, über die User unbürokratisch einen kleinen Kredit bekommen können.

Co-Creation Workshop

1/10

Co-Creation Workshop s Lab

Co-Creation Workshop s Lab

Co-Creation Workshop s Lab

Co-Creation Workshop s Lab

Co-Creation Workshop s Lab

Co-Creation Workshop s Lab

Co-Creation Workshop s Lab

Co-Creation Workshop s Lab

Co-Creation Workshop s Lab

Co-Creation Workshop s Lab

"Friend lend"

Die Idee, die schließlich auf den Namen "Friend lend" getauft wurde, greift die Idee von Crowdfunding auf, indem eine Gruppe von Leuten - im Normallfall Bekannte und Freunde - für das Leihen von kleineren Geldbeträgen gewonnen werden kann. Anders als beim Crowdfunding soll das Geld beim "Crowd Lending" wieder zurückgezahlt werden. Alternativ kann das Geborgte - im Gespräch waren Gesamtbeträge bis zu 2000 Euro - auch durch Gegenleistungen abgearbeitet werden.

Der Vorteil aus Usersicht liegt auf der Hand: Wenn eine Anschaffung ansteht, muss man dafür nicht bei der Bank einen Kredit aufnehmen, der mit Zinsen und einer Bonitätsprüfung verbunden ist, sondern kann seinen Freundeskreis aktivieren. Was die Bank von so einer Plattform hat, die etwa von ihr gehostet werden könnte, war nach dem mehrstündigen Workshop noch nicht ganz klar. Sie könnte etwa den fehlenden Betrag aufstocken, mit Beratung glänzen bzw. Kunden an sich binden, die bei einem späteren größeren Kredit auf die etablierten Dienste des Finanzinstituts zugreifen, lauteten einige Ideen der User.

Was passiert, wenn...?

Neben den Vorteilen wurden aber auch mögliche Hürden für eine derartige Lösung diskutiert. "Nach welcher Reihenfolge bekommen die Geldgeber ihre Beträge zurück, wenn der Mini-Kreditnehmer nicht alles sofort zurückzahlen könne? Was passiert, wenn derjenige nicht zurückzahlt?", lauteten einige Einwände. Aber auch die Antwort eines Users ließ nicht lange auf sich warten: "Die Lernkurve ist ja wie im echten Leben schnell. Bekomm ich mein Geld von meinem Kumpel nicht zurück, leih ich ihm zukünftig nichts mehr."

Analog zu anderen Plattformen könne die "Kreditwürdigkeit" auch über Bewertungen der User abgeprüft werden. Ein User, der etwa unregelmäßige Einkünfte hat, aber immer zuverlässig zurückzahlt, könnte folglich mit guten Bewertungen glänzen und so leichter erneut kleinere Geldbeträge ausleihen. Verspielt ein User das Vertrauen seiner Community, würde sich das wohl oder übel auch in den Bewertungen widerspiegeln. Bei diesem System müsse man allerdings aufpassen, dass es nicht zu Cybermobbing komme, meinten wiederum andere User.

Lob für User-Ideen

"Es ist immer wieder faszinierend, wie konkret die ausgearbeiteten Ideen sind. Manche von ihnen kann man auch relativ leicht in der einen oder anderen Form in die Praxis umsetzen", sagt Cornelia Schöberl-Floimayr, Leiterin vom Customer Experience Management bei Erste Bank. Derartige Workshops seien enorm wertvoll, um der Kundensicht mehr Gewicht zu verleihen und Ideen von Usern in tatsächliche Services oder Produkte zu gießen. "Dass unser neues Online-Banking George heute so aussieht, wie es ist, hat wesentlich mit derartigen Workshops und unseren Kunden zu tun, die schon in der Betaphase in das Projekt eingebunden waren", erklärt Schöberl-Floimayr.

"Elisabetta"

Neben dem Crowd-Verleih von Minibeträgen wurden auch eine Haushalts- und eine Finanzplanungs-Lösung diskutiert. Bei "Elisabetta", so das von den Workshop-Teilnehmern bezeichnete Service, das die Erste-Online-Banking-Plattform "George" ergänzen soll, geht es darum, gemeinsame Ausgaben und Konten besser zu überblicken. Die Lösung ist für WGs, aber auch Paare und Familien gedacht, die sich viele Kosten von der Wohnung bis zum Einkauf teilen, und diese schließlich mühsam am Ende des Monats auseinanderdividieren müssen.

Die Idee geht in die Richtung einer bereits bestehenden Erste- und Sparkassen-App namens Fairsplit, soll diese aber weiterentwickeln und um neue Funktionen erweitern. Vorstellbar ist laut den Usern auch, dass "Elisabetta" als einfache Buchhaltungssoftware für Privatpersonen in die Banking-Plattform George integriert werden könnte. Die Idee kam folglich auch bei den anwesenden Erste-Verantwortlichen gut an. Ob und wieviel User für eine derartige Erweiterung bereit wären zu zahlen, bleibt hingegen die spannende Frage.

"Mini-Konten"

Die Überlegungen hinter dem Konzept "Mini-Konten" drehten sich darum, wie verschiedene Finanz-Leben - etwa Ein- und Ausgaben bestimmter Tätigkeiten, die nichts miteinander zu tun haben, virtuell im eigenen Konto abgebildet werden können. Auch bei diesem Konzept wurde deutlich, dass viele User sich eine bessere Übersichtlichkeit und Planbarkeit ihrer Finanzen wünschen, was über das bloße Anzeigen des Kontostands hinausgeht.

"Wie viel Geld muss ich bei einem Auftrag als DJ einnehmen, damit sich das Ganze trotz Fahrkosten, Equipment ausleihen und Unterkunft rentiert? Wieviel Geld muss ich bis Tag x sparen, dass auch nach dem Urlaub auf dem Konto ein Plus übrig bleibt?", lauteten Fragen, die User über das Finanztool beantwortet haben möchten.

Positives Feedback

Dass Kunden, aber auch User, die nicht einmal Kunden bei den besagten Banken sind, sich freiwillig mehrere Stunden Zeit nehmen, um über Bankideen der Zukunft zu sinnieren, mag bei Außenstehenden für Verwunderung sorgen. Die positiven Rückmeldungen der Workshop-Teilnehmer deuten jedoch darauf hin, dass das Bedürfnis, bei der Entwicklung von Services und Produkten mitreden zu wollen, groß ist.

"Wer weiß, ob es in 20 Jahren noch eine Bankfiliale geben wird? In Wahrheit sind Google und Apple die Konkurrenz und umso wichtiger ist es, dass Banken die wahren Bedürfnisse ihrer Kunden verstehen und ihre User mit solchen Labs und Workshops abholen", meint etwa Andreas, der selbst Innovationsmanagement studiert hat, aber gar nichts mit der Finanzbranche zu tun hat.

Dass die Bank sich mitunter bei den User-Ideen bedient und daraus eigene Geschäftsideen und Produkte entwickelt, stört auch Gisela nicht: "Ich finde es gut, wenn eine Bank, bevor sie Services entwickelt, User fragt, was überhaupt die Probleme und Lösungen sind, die sie interessieren. Kreative Workshops sind immer eine gute Idee, das machen Google und Microsoft ja auch."

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation mit Erste Bank und Sparkassen.