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Digital Life
06/25/2019

Crypto Stamp: Bis zu 10.000 Euro für Blockchain-Briefmarke der Post

Die Blockchain-Briefmarke der Österreichischen Post wird mittlerweile online zu horrenden Preisen angeboten.

von Michael Leitner

Die Blockchain-Briefmarke der Österreichischen Post hat sich binnen kurzer Zeit zu einem begehrten Sammlerobjekt entwickelt. Einzelne Varianten der „Crypto stamp“ genannten Sonderbriefmarke werden online für bis zu 10.000 Euro gehandelt – deutlich höher als der Ausgabepreis von 6,90 Euro. Die Briefmarke mit Regenbogen-Einhorn-Motiv und QR-Code kam erst vor knapp zwei Wochen auf den Markt.

Die Post bewarb sie als „die erste Blockchain-Briefmarke der Welt“, womit man auch international für Aufsehen sorgte. Denn der auf der Briefmarke aufgedruckte QR-Code führt zu einem Wallet auf der Ethereum-Blockchain, das die digitale Version der Briefmarke enthält. Um diese „Collectibles“ ist nun ein wahrer Hype entstanden: Es gibt fünf verschiedene Varianten (Rot, Gelb, Blau, Grün, Schwarz), die unterschiedlich selten sind. Lediglich 1500 der 150.000 Briefmarken-Wallets enthalten die rote Variante, während die schwarze Variante mit 78.500 Stück am Häufigsten zu finden ist.

Für die rote Briefmarke werden von Sammlern Preise von mehreren hundert bis zu 10.000 Euro verlangt, während die anderen Varianten oftmals bereits ab 30 Euro erhältlich sind. Da man beim Kauf nicht sieht, welche Farbvariante enthalten ist, erinnert das Konzept stark an Panini-Sticker und Sammelkartenspiele, wie Magic The Gathering.

Experte: "Schwarze Schafe"

Doch sind die hohen Preise gerechtfertigt? Laut Helmut Kogler, Präsident des Verbandes Österreichischer Philatelistenvereine (VÖPH), wird der Preis wieder fallen. „Ich würde das auf gar keinen Fall zahlen, weder vier- noch dreistellige Beiträge“, warnt Kogler gegenüber der futurezone. „Das wird spätestens in ein paar Monaten wieder im dreistelligen Bereich landen und einige werden sich dann ärgern.“ Er habe bereits vor der Ankündigung der Briefmarke die Post gewarnt, dass das ungewöhnliche Sammelkonzept für hohe Preise sorgen könnte. „Es gibt leider in unserem Bereich ein paar schwarze Schafe, die versuchen, kurzfristig schnelles Geld zu machen. Das wird aber auch wieder abflauen.“

„Wir haben das natürlich mit großer Spannung beobachtet, können es aber auch nicht beeinflussen“, so David Weichselbaum, Pressesprecher der Österreichischen Post, gegenüber der futurezone. „Es gab auf diesem Bereich bislang keine Erfahrungswerte.“ Neben Sammlern sei die Briefmarke vor allem bei Nutzern von Kryptowährungen und Philatelie-Neulingen beliebt. „Es haben Leute diese Marke gekauft, die bislang noch nie etwas mit Philatelie zu tun hatten“, sagt Kogler, der sich über das starke Interesse am Briefmarkensammeln freut. Vor allem junge Zielgruppen habe man erfolgreich erschlossen, was auch der Plan der Post war.

Wo man sie noch bekommt

Doch die Briefmarke dürfte nicht nur bei Briefmarken-Liebhabern gelandet sein. Jene, die bereits Erfahrungen mit Kryptowährungen haben, betrachten offenbar die Briefmarke als ein ähnliches Spekulationsobjekt wie Kryptowährungen und kaufen diese in großen Stückzahlen. In einzelnen Fachforen gaben Nutzer an, 100 Stück auf einmal bestellt zu haben. Auch in einer Filiale in Graz gab eine Mitarbeiterin an, dass Kunden sich für weitere Lieferungen vormerken ließen und dabei Wünsche nach 100 Stück oder mehr abgaben.

Mittlerweile ist die Briefmarke online nicht mehr verfügbar, in Filialen gibt es nur mehr Restbestände.  „Es ist noch nicht ausverkauft, aber es neigt sich dem Ende zu“, so Weichselbaum. Eine genaue Zahl konnte er nicht nennen, da man die Restbestände in den Filialen noch erhebe. Es seien aber bereits deutlich mehr als drei Viertel der Auflage verkauft. Ob die Crypto stamp noch einmal im Online-Shop angeboten werde, sei noch unklar. Zunächst wolle man die Bestellungen der Filialen bedienen. Wer also noch eine Blockchain-Briefmarke ergattern möchte, sollte sich an die Filiale seines Vertrauens wenden und dort nach Möglichkeit eine Vorbestellung abgeben.

Ein Nachdruck wird ausgeschlossen, es bleibt bei der limitierten Auflage von 150.000 Stück. Ob man nochmals eine Blockchain-Briefmarke produzieren werde, sei noch nicht entschieden. „Das muss man sich noch anschauen, aber die weltweit erste Blockchain-Briefmarke gibt es nur einmal.“