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Digital Life

Kaffeefahrt ins Darknet: „Wie der VIP-Bereich einer Party“

Bei einer Kaffeefahrt steht am Ende der organisierten Reise normalerweise eine Verkaufsveranstaltung. Heizdecken sollte es jedoch bei dieser Kaffeefahrt keine geben, versprachen Catrin Schröder-Jaross und Isabelle Ewald, die beiden Organisatorinnen einer ganz besonderen Kaffeefahrt, bereits im Vorfeld. Sie nahmen auf der „Remote Chaos Experience“ (RC3) Interessierte bei ihrem Vortrag mit ins Darknet.

Die digitale Unterwelt sei voller Mythen und Stereotype, erklärte Ewald zu Beginn. „Auch wir hatten anfangs ein etwas verquertes Bild“, so Ewald. Gemeinsam mit Schröder-Jaross ist sie normalerweise für den Podcast „Mind The Tech“ verantwortlich, der sich mit Cybercrime und dem Tatort Internet beschäftigt.

Geschichte voller Missverständnisse

„Das Darknet ist eine Geschichte voller Missverständnisse und es geht uns auch darum, diese aufzulösen“, sagt Ewald. Sie vergleicht das Internet gerne mit der Disco, bei der die Tanzfläche das WWW sei, das Deep Web die private Ära eines Clubs, und das Darknet „ein VIP-Bereich, mit ganz eigenen Regeln.“

Bereits 1971 habe es erste Drogenverkäufe im Darknet gegeben, die über Newsgroups koordiniert worden seien, erzählen die beiden Podcasterinnen. „Doch das Darknet ist weit mehr, als nur Drogenverkäufe. Drogenshops liegen nur im einstelligen Prozentbereich“, sagt Schröder-Jaross. „Drogen, Waffen, Pornos, gefälschte Pässe. All diese Themen rangieren nicht einmal unter den Top 3 der Themen, um die es im Darknet wirklich geht“, so Schröder-Jaross.

An erster Stelle liegt hingegen Filesharing. Dahinter folgen geleakte Daten (die es zu kaufen gibt), Finanzbetrug und der Konsum von Nachrichtenmedien. „Ja, wir finden auch Kriminelle im Darknet. Aber man trifft dort auch Journalisten und Whistleblower, denn nicht überall gibt es freie Meinungsäußerung und diese wird dort gefördert“, so Ewald. „Terroristen hingegen findet man eher weniger.“

Der Vortrag steht im "Relive"-Modus zum Nachsehen zur Verfügung.

Drogenshops

Doch was passierte nun auf der Kaffeefahrt? Es wurde von den beiden Expert*innen gezeigt, wie man sich im Darknet am besten verhält, wie man Dinge sucht und findet und was man besser nicht tun sollte. „Alles sieht dabei aus, wie wir es aus den frühen Zeiten des Internets kennen“, sagt Schröder-Jaross.

In der Suchmaschine Duck Duck Go, die im Darknet standardmäßig voreingestellt ist, sucht man nach dem „Hidden Wiki“. Dieses bringt Nutzer*innen zu speziellen Themen und Links. Denn alle Seiten, die im Darknet zu finden sind, enden auf .onion und sind im „normalen Browser“ nicht aufrufbar, sondern nur via Tor-Browser. „Die Web-Link-Listen erinnern uns an früher“, so Schröder-Jaross. Besucht wurden auf der Kaffeefahrt etwa ein Shop, über den sich Drogen kaufen lassen. „Der Besuch der Website ist nicht verboten, der Kauf jedoch schon“, so die Expertin. Ob die Preise der angebotenen Ware realistisch sei, wisse man hingegen nicht.

Bibel und Hacker*innen

Schröder-Jaross warnt Nutzer*innen davor, auf Links abseits der Wiki-Empfehlungen zu klicken. „Man weiß im Vorhinein nie, was sich hinter einem Link verbirgt - und während der Besuch eines Drogenshops nicht illegal ist, ist es ein Link auf Kinderpornografie sehr wohl.“ Daher rät die Expertin, sich nicht „abseits der Pfade“, die im Wiki aufgelistet sind, zu bewegen.

Bei der Kaffeefahrt wurde etwa gezeigt, wie man über „Rent-a-hacker“ eine Dienstleistung mieten könne, um andere auszuspionieren. Schröder-Jaross besuchte außerdem „Bible 4 u“, einen Dienst, der die Bibel in allen möglichen Sprachen der Welt anbietet und auch die Möglichkeit bietet, Stellen rauszusuchen und mittels Code auf seiner eigenen Website einzubinden. Auch ein Message Board wurde besucht.

„Es gibt viel zu entdecken“, sagte Ewald zum Abschluss ihres Vortrags, der im Channel der Hacker*innen-Gruppe „Haecksen“ übertragen wurde. Die „Haecksen“ sehen sich als Zusammenschluss weiblicher Mitglieder des Chaos Computer Clubs (CCC), die den RC3-Online-Kongress, der noch bis einschließlich Donnerstag läuft, organisiert. Die beiden Podcasterinnen wollen mit ihrem Vortrag Nutzer*innen ermutigen, sich selbst im Darknet umzusehen, damit sich jeder einen eigenen Eindruck davon machen könne und man nicht nur blind den Mythen vertrauen müsse.

Die wichtigsten Schritte für den Besuch im Darknet:

  • Tor-Browser runterladen
  • Mit dem Tor-Browser verbinden
  • In der Suchmaschine Duck Duck Go nach Hidden Wiki suchen
  • Sich über das Hidden Wiki umsehen
  • Viel Spaß!

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Barbara Wimmer

shroombab

Preisgekrönte Journalistin, Autorin und Speakerin. Seit November 2010 bei der Kurier-Futurezone. Schreibt und spricht über Netzpolitik, Datenschutz, Algorithmen, Künstliche Intelligenz, Social Media, Digitales und alles, was (vermeintlich) smart ist.

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