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Elektronische Preisschilder: Grazer Firma ist Marktführer

Seit dem das Grazer Unternehmen Imagotag 2010 gegründet wurde, hat sich einiges getan. 2013 wurden die E-Ink-Preisschilder in über 1.000 Billa-Filialen installiert, 2014 erfolgte die strategische Partnerschaft mit SES, dem weltweiten Marktführer bei elektronischen Preisschildern. Das französische Unternehmen setzte zuvor auf traditionelle LC-Displays und hat sich mit Imagotag dessen energiesparende E-Ink-Technologie an Bord geholt.

Heuer konnte Imagotag den Erfolgskurs fortsetzen. Das Unternehmen mit 40 Mitarbeitern erwartet einen Jahresumsatz von 40 Millionen Euro. „Wir sind mit 60 bis 70 Prozent Auftragsvolumen vom Weltmarkt der Marktführer“, sagt Michael Moosburger, Gründer und Co-Geschäftsführer von Imagotag.

Auch für das nächste Jahr sieht die Auftragslage gut aus. Für eine deutsche „Handelskette im Bereich der Unterhaltungs- und Haushaltselektronik“, die in 14 Ländern vertreten ist, werden ab dem 1. Quartal 2016 zehn Millionen elektronische Preisschilder mit NFC geliefert. Das Auftragsvolumen beträgt 98 Millionen Euro. Um welche Kette es sich handelt, darf Imagotag nicht nennen. Für aufmerksame futurezone-Leser dürfte es nicht allzu schwer zu erraten sein, dass es sich dabei um Media Markt, bzw. die Media-Saturn-Gruppehandelt.

Auch die Supermarktkette Spar will mehrfärbige E-Ink-Preisschilder testen. Da Imagotag einer der wenigen Anbieter von mehrfärbigen E-Ink-Preisschildern ist, dürfte auch hinter diesem Pilotprojekt das Grazer Unternehmen stecken. Aus den Billa-Filialen sind die E-Ink-Schilder allerdings wieder verschwunden: „Die Preisschilder wurden für die Bestpreisgarantie-Kampagne installiert, diese wurde von der Rewe-Gruppe gestoppt. Deshalb wurden auch die Schilder wieder entfernt“, so Moosburger. Auf Nachfrage der futurezone bei Billa wolle man aber gemeinsam mit den Merkur-Märkten 2016 einen neuen Anlauf mit E-Ink-Preisschildern starten.

Allergieinformationen per NFC

Elektronische Preisschilder von Imagotag
Durch die NFC-Chips in den Preisschildern soll ein Mehrwert entstehen. Der Kunde kann ein NFC-taugliches Smartphone zum Preisschild halten, um zusätzliche Informationen zum Produkt anzuzeigen. Je nach Handelskette könnten dies etwa Anleitungsvideos für Produkte im Baumarkt sein oder im Elektrohandel die gesamten technischen Daten eines Produkts.

Es sei auch möglich, die NFC-Funktionalität mit einer App zu koppeln: „Man könnte in einer Gesundheits-App seine Daten und Allergie-Informationen eingeben. Hält man dann das Handy zum Preisschild, poppt sofort eine Warnung auf, mit den Zutaten, die man nicht verträgt. Auch eine Verknüpfung mit einer Preisvergleichs-App ist machbar“, sagt Moosburger.

Bereits erfolgreich getestet und umsetzbar ist eine Koppelung der Preisschilder mit dem Lagersystem. Neben Produktename und Preis kann am E-Ink-Display angezeigt werden, wie viele Stück noch auf Lager sind. Der Kunde weiß so, ob es sich auszahlt einen Verkäufer zu bitten, noch ein Exemplar aus dem Lager zu holen.

Personalabbau

Elektronische Preisschilder von Imagotag
Die Befürchtung mancher, dass Handelsketten auf elektronische Preisschilder umstellen, um Personal abbauen zu können, kann Moosburger nicht nachvollziehen: „Die meisten Handelsketten wollen damit das Personal entlasten, damit dieses mehr Zeit für das Beraten der Kunden und damit für das Verkaufen hat. Wenn man einmal in einem Baumarkt war weiß man, wie schwer es ist einen Verkäufer aufzutreiben.“ Die Möglichkeit mit den elektronischen Preisschildern Personalkosten einzusparen, sei in den Diskussionen zwischen Händlern und Imagotag noch nie ein Thema gewesen.

Weitere Gründe, warum Händler jetzt vermehrt E-Ink-Preisschilder für sich entdecken, sei eine aggressivere Preisgestaltung. Man könne schneller auf Preisaktionen der Konkurrenz reagieren und den Offline- mit dem Online-Handel synchronisieren. „Der klassische Handel hat üblicherweise höhere Preise als sein Online-Pendant, auch weil nicht schnell genug die Preise in allen Filialen umgestellt werden können.“

Kundenprellen

Elektronische Preisschilder
Die Möglichkeit jederzeit die Preise am Regal zu ändern, wird von einigen Kunden kritisch gesehen. Sie befürchten, dass der Preis erhöht wird, während sie auf dem Weg vom Regal zur Kassa sind. „Ich kenne keinen Händler, der in diese Richtung denkt. Wenn der Kunde einmal bei der Kassa einen höheren Preis bezahlen müsste, ist das Vertrauen weg und er kauft nie wieder in dem Geschäft ein.“

Viele Händler wollen mit den elektronischen Preisschildern genau das verhindern und das Kundenvertrauen erhöhen. Laut Imagotag passieren laut Studien bis zu 20 Prozent Fehler bei der Preisauszeichnung mit Papier. Die elektronisch gesteuerten Preisschilder sollen diese Fehlerquote drastisch senken.

Mehr Farben, weniger Abfall

Elektronische Preisschilder von Imagotag
Die nächste technische Entwicklung bei den elektronischen Preisschildern ist das Hinzufügen einer weiteren Farbe. Derzeit beherrschen die E-Ink-Displays Schwarz, Weiß und Rot, als nächstes soll Gelb hinzukommen.

Bei der Software arbeitet man einer Lösung für Lebensmittelhändler, die aufgrund des Lagerbestandes und der Haltbarkeit Preise automatisch anpasst. „Das Ziel ist bei verderblichen Waren, wie Obst und Gemüse, automatisiert Aktionen zu triggern, damit möglichst alles verkauft und nicht weggeschmissen wird.“ Supermärkte werden immer wieder von NGOs dafür kritisiert, dass täglich noch haltbare Lebensmittel weggeschmissen werden, um in den Regalen Platz für frischere Waren zu schaffen, die optisch ansprechender für die Kunden sind.

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Gregor Gruber

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