Digital Life
22.07.2012

;-) Emoticons feiern ihr großes Comeback

Sie zeigen unseren Kommunikationspartnern, ob wir sie lieb haben oder ob wir es gerade ironisch meinen - das erste Emoticon feiert heuer 30-jahriges Jubiläum. Dank Smartphones und Online-Netzwerken ist der Bedarf so groß wie nie, und Apple, Facebook, Google und Microsoft versuchen, dem Bedarf gerecht zu werden. Besser auswertbar wird unsere Kommunikation dadurch aber auch.

Als der MIT-Wissenschaftler Scott Fahlmann im September 1982 mit ASCII-Zeichen :-) in ein Forum tippte, ahnte er wohl nicht, wie nachhaltig seine Idee die Online-Kommunikation prägen sollte. 2012, 30 Jahre nach seinem Vorschlag, wie man Fröhlichkeit in Chats auch ausdrücken kann, bekommen die guten alten Emoticons neuen Schub verpasst.

Das Online-Netzwerk Facebook, ohnehin als Plauder-Plattform der Sonderklasse bekannt, hat kürzlich 21 Emoticon-Zeichen in sein Chat-System integriert - ein Klick reicht jetzt, um einem Facebook-Freund ein :-), 8-) oder :-P zu schicken. Den Like-Button - geschrieben wird er (y) - gibt es in der kleinen Sammlung übrigens auch.

Mehr Zeichen fürs iPhoneEin ähnliches Szenario bei Apple: Sowohl das neue Mac-Betriebssystem “Mountain Lion” als auch iOS 6 (die

) haben einen ganzen Haufen neuer Emoticons (von der Pistole bis zum gleichgeschlechtlichen Pärchen) an Bord, die nicht mehr versteckt werden wie zuvor.

Microsoft will da nicht nachstehen und spendiert in Windows 8 seiner Mail-App ebenfalls einen Packen Symbole vom Affen über Smileys bis zu diversen Fingerzeichen. Googles Android hat ASCII-Kombinationen übrigens schon länger im Programm und zeigt diese anders als die anderen Firmen noch Geek-konform als ausgeschriebene Zeichen an.

Viel Bedarf auf mobilen GerätenWoher kommt also die neue Liebe von Apple, Microsoft und Facebook zum Emoticon? “Ich denke, dass jüngere Nutzer sowieso viel chatten und erwarten, dass Emoticons Teil des Angebots sind”, so Emoticon-Erfinder Scott Fahlman zur futurezone. “Apple und Facebook versuchen also, mit der Erwartungshaltung ihrer Nutzer Schritt zu halten.” Dass gerade das iPhone und das iPad künftig mehr Zeichen vorinstalliert haben, wundert Fahlmann nicht. “Auf mobilen Geräten ist die Möglichkeit, sich kompakt ausdrücken zu können, sehr wichtig, und Emoticons bieten genau diese Möglichkeit, in einem Bild zu sagen, was eben zu sagen ist.”

Als Rückschritt zu Bildersprachen wie den Hieroglyphen der Ägypter will Fahlman den Boom der Emoticons nicht verstanden wissen. “Emoticons sind Teil eines Trends zu vereinfachter, komprimierter phonetischer Sprache, wie etwa auch ,RU there?` Das wird vielleicht sowieso alles verschwinden, wenn es möglich ist, gesprochene Sprache automatisch transkribieren zu können”, spielt der Wissenschaftler auf Spracherkennungs-Lösungen wie Siri und Googles Sprachsuche an.

Kannbalisierung von AppsDas gerade Apple Emoticons in seinem nächsten mobilen Betriebssystem prominent in Szene setzt, wird einigen App-Herstellern gar nicht schmecken. Denn diese verdienten bis dato gut an Apps, die die witzigen Symbole in der Tastatur freischalten, gutes Geld. “Emoticon-Apps werden dadurch noch überflüssiger, wenn Apple das jetzt selbst in den Vordergrund rückt”, sagt der deutsche App-Entwickler Theodor Müller, dessen populäre iOS-App “Emoticons” täglich mehrere tausend Mal geladen wird. Das bringt ihm zwar regelmäßige Einnahmen, doch Müller hat sein Portfolio längst ausgebaut und lässt “Emoticons” nur mehr nebenbei mitlaufen.

“Das lachende und das zwinkernde Gesicht wird am häufigsten verwendet”, sagt Müller in Bezug auf die alten :-) und ;-). “Irgendwann wurde das Zwinkern sogar zum Standard, um Ironie auszudrücken. Wenn es heute beim Chatten weggelassen wird, dann wird die Ironie nicht mehr verstanden. Das ist schon tragisch.” Das zeige, dass Emoticons als früher “belächeltes Feature” heute selbstverständlich geworden sind. Die Zeichen sind seit 2010 auch Teil des internationalen Zeichensatz-Standards Unicode und könnten bald auch über verschiedene Betriebssysteme hinweg (Android, iOS, Windows Phone, etc.) empfangen und dargestellt werden.

Auswertbare EmotionenDer deutsche Chat-Forscher Michael Beißwenger sieht Emoticons als logische Konsequenz der gestiegenen Internetnutzung. “Interaktions-orientiertes Schreiben hat mit dem Netz an Bedeutung gewonnen”, sagt Beißwenger. “ Sie ergänzen in der Online-Kommunikation das Körperliche, Nichtsprachliche, was wir aus der Face-to-Face-Kommunikation gewohnt sind und was beim informellen und dialogischen Kommunizieren im Netz eigentlich fehlt.” Insofern seien Emoticons nicht als infantil oder Jugendsprache zu bewerten, sondern wären als sehr funktionale Elemente in informeller Freizeitkommunikation weit verbreitet."“Emoticons sind in die Jahre gekommen, und die Firmen kommen dem Bedürfnis der Nutzer nach.”

"Sie sind eine interessante Ressource, wenn es darum geht, herauszufinden, was die Nutzer wollen und welche Dinge sie als positiv bewerten", so Beißwenger - Fragen, die im Forschungsfeld der "Sentiment Analysis" untersucht werden. Für Unternehmen könne hier etwa das kombinierte Auftreten von Emoticons mit Produktnamen in Nutzeräußerungen von Interesse sein.

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