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09/29/2011

Facebook: „Userdaten sind Geschäftsgeheimnis“

Das Online-Netzwerk will Nutzerdaten nicht herausgeben und redet sich darauf aus, dass diese Teil des Geschäftsgeheimnisses wären. Die Studenten rund um Europe-v-facebook.org, die Facebook bei der irischen Datenschutzkommission angezeigt haben, wertet dies als abstruse Ausrede und Hinhaltetaktik.

Österreichische Jus-Studenten sorgten mit einer Klage gegen Facebook international für Aufsehen. Die Gruppe Europe-v-facebook.org wollte von Facebook all jene Daten, die die Plattform über sie gespeichert hat – ein persönliches Recht jedes Users, das im europäischen Rechtsraum gilt. Als Facebook sich zierte, klagten sie Facebook über die irische Datenschutzkommission.

Facebook lieferte die Daten, nach Durchsicht stellte sich jedoch heraus, dass sie unvollständig waren. Details über das Nutzerverhalten, etwa über getätigte Likes oder Informationen zur automatischen Gesichtserkennung, fehlten. Die Gruppe wandte sich deshalb erneut an Facebook. Nun folgte die schnippische Antwort des Konzerns: Die Nutzerdaten seien Geschäftsgeheimnis und überhaupt sei es zu kompliziert, alle Daten zu bündeln und zu liefern. Dies sei überproportional schwierig und die Daten geistiges Eigentum des Unternehmens.

Hinhalte-Taktik von Facebook
„Diese Reaktion ist lächerlich. Wie kann es sein, dass ein Weltkonzern mit den Datenanfragen von 100 Leuten überfordert ist“, sagt Max Schrems, Sprecher der Gruppe, zur futurezone. Für ihn handelt es sich dabei klar um eine Hinhalte-Taktik von Facebook. Sie zögern jede Anfrage hinaus und wollen abwarten. An sich müsse ein Unternehmen laut EU-Recht angeforderte Daten binnen 40 Tagen liefern, Facebook hat die Frist bei vielen Nutzern aber bereits überschritten. Die Firma entschuldigt sich und weist darauf hin, dass es zu Verzögerungen komme.

Standard-Formular für einfacheres Beschweren
Um jenen Datenschutzbewussten, die es der österreichischen Gruppe gleich tun wollen, zu helfen, bereitet Europe-v-facebook.org gerade ein Standard-Formular vor. Mit diesem können sich Nutzer, bei denen Facebook die 40-Tage-Frist überschritten hat, bei der irischen Datenschutzkommission beschweren. Dies dürften mittlerweile einige sein, denn seitdem das Thema vom Technik-Blog Reddit aufgegriffen wurde, ist die Anzahl der Anfragen deutlich gestiegen. Dort findet sich eine einfache Erklärung, wie man das bis zu 800 Seiten starke Datenpaket auf CD gepresst ordern kann.

Facebook drohe trotz Fristüberschreitung keine Strafe. Laut Schrems müsse erst die Datenschutzkommission aktiv werden – was durch das geplante Standardformular beschleunigt werden soll. Denn laut Schrems muss es Konsequenzen haben, wenn sich Facebook nicht an Gesetze hält.

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