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Digital Life
11/05/2015

Frauen gesucht: IT-Branche bleibt Männerdomäne

Trotz Vorbilder aus dem Silicon Valley wie Sheryl Sandberg und Marissa Mayer sind Frauen in der Technologiebranche weiterhin unterrepräsentiert.

Nach Angaben des deutschen Branchenverbands Bitkom beträgt der Frauenanteil in der deutschen Technologiebranche gerade einmal 15 Prozent. Beim Nachwuchs sind die Männer ebenfalls in der Mehrheit. Im Dezember 2014 lag der Anteil der Frauen bei den IT-Auszubildenden bei acht Prozent. Etwas ausgewogener ist es beim Informatik-Studium: Im Wintersemester 2014/2015 waren immerhin 23 Prozent der Studienanfänger weiblich.

Studiengänge für Frauen

In Berlin und Bremen gibt es sogar Informatik-Studiengänge nur für Frauen, um diese mehr für IT-Berufe zu begeistern. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass an Mädchenschulen ein größeres technisches Selbstbewusstsein entwickelt wird“, erklärt Professorin Gerlinde Schreiber von der Hochschule Bremen. „In einem Frauenstudiengang herrscht eine andere Atmosphäre, bei uns kann man alles fragen und man muss keine Angst haben, sich zu blamieren.“

Frauen schätzten ihre technische Kompetenz defensiver ein als Männer. Sie seien zurückhaltender in der Selbstdarstellung und haben leichter Zweifel. Es sei für viele „unsexy“, als junge Frau gut in Physik und Informatik zu sein. Das passe nicht zu der Geschlechterwahrnehmung, erklärt sie. „Es sind einfach Männerdisziplinen.“ Umso wichtiger sei es, dass Frauen wie Sandberg (49) und Mayer (40) als Vorbilder fungieren. „Das ist ein tolles Signal“. Die Frauen könnten erfolgreich Karriere machen und verkörperten dennoch Weiblichkeit.

Microsoft und IBM als Vorreiter

Aber auch in Deutschland und Österreich gibt es Erfolgsbeispiele. Martina Koederitz lenkt seit vier Jahren die Geschäfte von IBM in Deutschland. Und vergangene Woche wurde bekannt, dass mit Sabine Bendiek 2016 erstmals eine Frau an der Spitze von Microsoft Deutschland stehen wird. Für die 49-Jährige, die bislang beim Speicher-Spezialisten EMC tätig war, sind Mut und ein gesundes Selbstvertrauen unerlässlich, um in der männerdominierten Branche Karriere zu machen. In Österreich steht mit Dorothee Ritz seit Juli 2015 ebenfalls eine Frau an der Spitze.

Auch IBM Deutschland schreibt sich auf die Fahne, den Anteil der weiblichen Führungskräfte zu erhöhen. „Wir wollen eine positivere gesellschaftlicher Diskussion und Akzeptanz zu dem Thema erzeugen“, erklärt Koederitz der dpa. „Die Basis an Frauen ist insgesamt und vor allem in den technisch orientierten Berufen zu gering und hier müssen wir ansetzen.“

Umdenken in Branche

Nach Einschätzung von Informatik-Professorin Schreiber setzt bei vielen Konzernen ein Umdenken ein: „Der Bedarf nach Fachleuten ist groß und viele Firmen merken inzwischen, dass gemischte Teams besser funktionieren.“ Zudem würden immer mehr IT-Produkte für weibliche Nutzer produziert. „Tausende Apps wenden sich an junge Frauen, warum sollen sie dann nicht von ihnen entwickelt werden.“

Und welches Detail man nicht vergessen sollte: Bereits die Anfänge der Branche waren weiblich geprägt. So gilt die Mathematikerin Ada Lovelace (1815-1852) als erste Programmiererin weltweit. Bereits 100 Jahre vor der Erfindung des Computers verfasste die Tochter eines berühmten romantischen Dichters eine Schrift, die heute als das erste Programm der Computergeschichte bezeichnet wird.