Digital Life
02/28/2019

Gefährliche Panik: Horror-Puppe treibt angeblich Kinder in Suizid

Das Internet-Phänomen Momo sorgt bei Eltern für Panik. Experten warnen aber, dass gerade diese Panik problematisch ist.

Eines der populärsten Internet-Phänomene des vergangenen Jahres war die Horror-Puppe Momo. Ein Account mit dem gruseligen Profilbild hat sich angeblich in die WhatsApp-Kontakte mehrerer User eingeschlichen und verschickte kryptische Nachrichten und verstörende Fotos. 

Das Profilbild stammt von einer japanischen Figur. Sie wurde von Link Factory produziert und wird seit 2016 in einer Kunstgalerie in Tokio ausgestellt.

Das Phänomen wird sogar für Suizide von Kindern und gewalttätige Attacken verantwortlich gemacht. Besonders in Großbritannien machen zahlreiche Berichte einer „Momo Challenge“ die Runde, bei der Kinder angeblich aufgefordert werden, sich selbst zu verletzen oder andere gewalttätige Taten zu verüben. Zahlreiche besorgte Eltern verbreiteten entsprechende Warnungen tausendfach auf Facebook.

„Fake News“

Experten und Kinderschutzeinrichtungen warnen laut einem Bericht im Guardian aber nicht vor dem Momo-Phänomen selbst, sondern vor der Panik darum. So berichten etwa die gemeinnützigen Organisationen National Society for the Prevention of Cruelty to Children (NSPCC) und die Samaritans, dass es keinerlei Beweise dafür gibt, dass die Momo Challenge irgendwelchen Schaden verursacht oder gar jemanden in den Suizid getrieben hätte. Entsprechende Medienberichte bezeichnet das UK Safer Internet Centre als „Fake News“.

Vielmehr stelle die Panik und das umfangreiche Teilen der Berichte eine Gefährdung dar, da Personen so überhaupt auf die Idee kommen könnten, sich selbst zu verletzen. Jugendliche würden laut UK-Safer-Internet-Centre-Mitarbeiterin Kat Tremlett dadurch außerdem erst neugierig gemacht werden.

Ausgangspunkt

Ihren Ausgang nahm die Momo-Panik aller Wahrscheinlichkeit nach in einem Facebook-Post einer besorgten Mutter in Westhoughton, einem kleinen Ort in Lancashire. Der Post ist eine Anekdote über die Momo Challenge, die sie von ihrem Sohn in der Schule gehört hatte. Jener ging viral, zahlreiche Lokalzeitungen verbreiteten die Geschichte. Weitere nationale und internationale Medien sprangen auf.

Boulevardmedien wie etwa der Daily Mirror berichteten von 130 Suiziden in dem Zusammenhang, für die es aber keinerlei Belege gibt. Ähnliches passierte auch bereits bei dem angeblichen Suizid-Spiel Blue Whale. Die Gerüchteküche hat sich mittlerweile sogar so weit fortgesetzt, dass auch Schulen oder Behörden vor der Momo Challenge warnen.

Angeblich würden auch auf YouTube Videos verbreitet werden, die die Challenge zeigen oder bewerben. Ein YouTube-Sprecher dementiert das im Guardian jedoch und widerspricht den Presseberichten: „Inhalte dieser Art verstoßen gegen unsere Richtlinien und werden umgehend entfernt."

 

Hilfe finden Betroffene in Österreich bei der Telefonseelsorge (142) sowie bei Rat auf Draht (147) und online unter den Webadressen kriseninterventionszentrum.at sowie bittelebe.at und suizid-praevention.gv.at.

In Deutschland kann man sich ebenfalls an die Telefonseelsorge wenden, die unter der Webadresse telefonseelsorge.de eine Telefonnummer, aber auch Beratung per Mail oder Chat anbietet.