Digital Life
25.07.2018

Die Gruselgeschichte um die WhatsApp-Horror-Puppe "Momo"

Das Internet-Phänomen des Sommers 2018: "Momo". Die Horror-Puppe kontaktiert User angeblich ungebeten nachts über WhatsApp.

Vielleicht ist es der einen oder dem anderen in letzter Zeit auch untergekommen: Ein unbekannter WhatsApp-Account fügt sich selbst wie von Geisterhand zu den Kontakten hinzu. Das Profilbild: eine gruselige Puppe, die aussieht, wie eine verzerrte Version von Chuckys Braut. Und dann lässt einem diese Puppe mitten in der Nacht kryptische Nachrichten und Horror-Fotos zukommen.

Wer ist die Horror-Puppe Momo?

Seit mehreren Wochen soll es weltweit geschehen, dass "Momo" sich ungebeten in die Kontakte von WhatsApp-Usern einnistet. Mit einem gruseligen Profilbild und einer japanischen Nummer soll sie, Reddit, YouTube, Twitter- und anderen Usern zufolge, plötzlich in den WhatsApp-Kontakten aufgetaucht sein – ungefragt. Und es wird mysteriöser: Wer "Momo" anschreibt, bekommt auch Antworten, in Form von Text- und Sprachnachrichten und manchmal sogar Anrufe, auch mitten in der Nacht. Einige Nutzer berichten auch von Schock-Fotos, die "Momo" ihnen geschickt haben soll.

Um Verschwörungstheoretiker zu enttäuschen: Die Geschichte ist ziemlich vage und unglaubwürdig. Vor allem, da es "Momo" wirklich gibt. Sie ist zwar kein Mensch und auch keine Fotomontage, aber es gibt sie als Skulptur, wie das Portal watson berichtet. Sie wurde von Link Factory in Japan produziert und wird seit 2016 in einer Kunstgalerie in Tokio ausgestellt.

Woher kommt das "Momo"-Phänomen?

Wann der virale Hit seinen Anfang genommen hat, ist, wie bei vielen Internet-Phänomenen der Fall, nicht eindeutig zu sagen. Klar ist, dass das Bild seit Juli 2018 im Netz kursiert. Gleichzeitig sind verschiedene Handynummern im Umlauf, darunter eine mexikanische und kolumbianische. Wer die japanische zu seiner WhatsApp-Kontaktliste hinzufügt, nimmt Kontakt zu "Momo" auf.

Dass das Phänomen in Spanien seinen Ursprung haben könnte, legen mehrheitlich aus jenem Land stammende Screenshots zu angeblichen Konversationen mit der Gruselpuppe nahe. "Momo" habe sie beleidigt und besitze ihre persönlichen Informationen, teilten spanische Nutzer weiter mit.

Jetzt hat es der Horror-Account offenbar auch bis in englisch- und deutschsprachige Länder geschafft. Auch die deutsche YouTuberin Rebekah Wing behauptet, mit "Momo" zu kommunizieren.

So entsteht ein Wechselspiel: Nach den Reddit- und Twitter-Usern verhelfen jetzt die YouTuber "Momo" zu mehr Aufmerksamkeit. Mit ihren "Momo"-Videos können sie wiederum die eigene Sichtbarkeit stärken. Rebekah Wing jedenfalls setzt sich und ihre angebliche Angst vor der Puppe im Video ganz schön in Szene.

"Momo" ist wahrscheinlich ein Fake

Die Geschichte hinter "Momo" ist dubios, vieles spricht für einen schlichten Fake-Account. Schließlich könnte "Momo" einfach von einem Menschen konstruiert worden sein, der damit einen Hype schaffen oder schlicht nerven will. Außerdem soll der "Original"-Account von "Momo" zum letzten Mal am 11. Juli online gewesen sein, wie watson überprüft hat. Seither sind mehr als ein paar Tage vergangen, was die Authentizität des Accounts zweifelhaft erscheinen lässt.

Die Aufmerksamkeit um die Puppe hat Trittbrettfahrer auf den Plan gerufen, die sich einen Spaß daraus machen, mit Prepaid-Karten entsprechende Accounts einzurichten und ihre Freunde zu erschrecken. Immerhin ist "Momo" damit ein Anwärter auf den Titel "Bestes Social-Media-Sommergruselmärchen 2018".

Wer auch immer "Momo" ursprünglich Leben eingehaucht hat: Seine Intention ist unklar. Allerdings zeigt das Phänomen wie so häufig, dass Grusel und Mystery im Netz wunderbar funktionieren.

Man soll sich dennoch vor möglichen Kriminellen in Acht nehmen, die versuchen könnten, den Hype auszunutzen und einen über "Momo" zu kontaktieren, um sensible und persönliche Daten zu gelangen. In Spanien warnt selbst die Polizei vor der Horror-Puppe.

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf futurezone.de