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Digital Life
10/29/2019

Hunderte Euro sparen: So wechselt man Strom und Gas online

Der Wechsel des Energieanbieters geht mit wenigen Klicks. Darauf muss man bei der Auswahl achten.

von Martin Stepanek

Mit Beginn der kalten Jahreszeit muss wieder geheizt werden. Der Herbst ist auch die Zeit, in denen viele Energieanbieter ihre Jahresabrechnung ausstellen. Ein guter Zeitpunkt also, um zu prüfen, ob man mit einem Anbieterwechsel besser dran ist. Denn damit lassen sich leicht mehrere Hundert Euro pro Jahr sparen. Was viele nicht wissen: Das ganze Prozedere ist im Normalfall in wenigen Klicks und wenigen Minuten online erledigt.

Dass angesichts des einfachen Prozedere so wenige Menschen ihren Energieanbieter wechseln, überrascht. Im Vorjahr stiegen gerade einmal 4,3 Prozent der Stromkunden und 6 Prozent der Gaskunden auf einen billigeren Anbieter um. Am meisten sparen kann man im ersten Jahr durch Neukunden-Rabatte. Da es keine Bindefristen über einem Jahr gibt, lohnt es sich also, in regelmäßigen Abständen sich nach einem neuen Energielieferanten umzusehen.

Verbrauch und Tarif

Um prüfen zu können, ob sich ein Umstieg lohnt und wie viel Geld sich sparen lässt, benötigt man den geschätzten Jahresverbrauch, der sowohl bei Strom als auch bei Gas in kWh angegeben wird. Darüber hinaus muss man wissen, welchen Tarif seines Anbieters man aktuell verwendet. Am einfachsten ist es also, die letzte Jahresabrechnung zur Hand zu nehmen, zumal sich auf dieser neben dem Jahresverbrauch auch etwa die Zählpunktbezeichnung finden, die für einen Wechsel notwendig ist.

Um im Anbieter- und Tarifedschungel die richtige Wahl treffen zu können, empfiehlt sich die Nutzung einer Vergleichsplattform. Etabliert sind etwa der Tarifkalkulator der E-Control oder durchblicker.at, das sowohl für Gas, als auch für Strom entsprechende Vergleichsrechner anbietet. Bei beiden Plattformen kann man in wenigen Minuten mit Eingabe der kWh pro Jahr, der Postleitzahl, dem Netzbetreiber, dem Energielieferanten sowie dem Tarif sehr schnell berechnen, wie viel Geld sich in einem Jahr sparen lässt.

Einmalige Wechselrabatte

Das größte Sparpotenzial gibt es durch den von den meisten Anbietern gewährte Wechselbonus. Die Berechnung wird standardmäßig inklusive dieses Wechselrabatts vorgenommen. Das ist sinnvoll, gleichzeitig muss man sich bewusst sein, dass der angezeigte Preis und die Ersparnis sich tatsächlich nur auf das erste Jahr bezieht.

Wer also auf den vermeintlich günstigsten Anbieter wechselt und sich nach diesen zwölf Monaten nicht mehr darum kümmert, steigt unter Umständen in den Folgejahren mit höheren Kosten aus, als bei einem Anbieter, der weniger Wechselrabatt, dafür aber fairere Preise anbietet. Wer also langfristiger einen attraktiven Anbieter wählen möchte, sollte die Preiskalkulation auch ohne Wechselrabatt durchführen.

Rechnung aus einer Hand und Ökostrom

Abgesehen vom Wechselbonus gibt es eine Reihe von Parameter zu berücksichtigen. So ist etwa die Mindestvertragsdauer interessant, aber auch wie lange der Preis für die Energiekosten fix garantiert bleibt. Bei den Stromangeboten kann man zudem eine Zusatzauswahl treffen, dass nur Ökostrom berücksichtigt werden soll.

Für Verwirrung könnte die Option: „Rechnung aus einer Hand“ bzw. „Gesamtrechnung“ sorgen. Das kommt daher, dass neben den tatsächlichen Energiekosten auch Gebühren für den lokalen Netzbetreiber anfallen, der normalerweise nicht gewechselt werden kann. Manche Anbieter stellen eine Gesamtrechnung aus und rechnen ohne Zutun des Kunden mit dem Netzbetreiber ab.

Andere stellen nur die eigenen Energiekosten in Rechnung und der Kunde bekommt dann eine zweite Rechnung vom Netzbetreiber. In der Praxis macht das kaum einen Unterschied, außer dass man zwei Rechnungen bekommt und etwa per Bankeinzug an zwei Unternehmen zahlen muss. Die Übermittlung der Kundendaten sowie An- und Abmeldung übernimmt im Normalfall der neue Anbieter – und zwar sowohl was Netzbetreiber als auch der bestehende Anbieter betrifft.

Kontodaten und Zählerstand

Der gesamte Wechsel kann über ein entsprechendes Online-Formular – entweder über die Seite des gewählten Anbieters oder über die Vergleichsplattform – in die Wege geleitet werden. Dazu sind neben der eigenen Adresse und der Zählpunktbezeichnung meist auch die eigene Kontonummer notwendig, über die mittels Bankeinzug abgerechnet wird.

Je nach Netzbetreiber werden Kunden nach wenigen Tagen zur Bekanntgabe des eigenen Zählerstands aufgefordert. Auch wenn diese Ablesung ohne den Kunden automatisch durchgeführt wird, empfiehlt es sich, den eigenen Zählerstand zum Zeitpunkt des Wechsels abzulesen bzw. zu fotografieren. So lassen sich etwaige Unstimmigkeiten im Nachhinein leichter aufklären.

Jedes Jahr wechseln

Wie bereits erwähnt, kann man am meisten Geld sparen, wenn man jährlich wechselt. Wer sich nicht eine Kalendererinnerung einrichten will, um sich dann erneut für einen neuen Anbieter und Tarif zu entscheiden, kann auch die Dienste des vor zwei Jahren gegründeten Start-ups Energy Hero in Anspruch nehmen.

Dieses sucht in regelmäßigen Abständen, genauer gesagt vor Ende der Mindestvertragslaufzeit, automatisch den günstigsten Anbieter und führt im Namen des Kunden einen erneuten Wechsel durch. Wie bei den anderen Plattformen gibt man bei der Registrierung Verbrauchsdaten und Präferenzen – etwa hinsichtlich Ökostrom – an. Über eine Vollmacht, die man Energy Hero erteilt, wickelt das Start-up den Wechsel automatisch ab.

Kunden werden lediglich per Mail darüber in Kenntnis gesetzt. Sie können allerdings den Wechsel innerhalb 14 Tagen ab Vertragsabschluss rückgängig machen. Das ist bequem, im Vergleich zu den Vergleichsplattformen kann man sich aber nicht bewusst für einen bestimmten, einem sympathischen Anbieter entscheiden.

Für die Nutzung der Plattform fallen 24 Euro pro Jahr für einen Anschluss an. Wickelt man Strom und Gas über Energy Hero ab, kostet dies 36 Euro pro Jahr. Der Betrag wird nur verrechnet, wenn man sich durch den Wechsel mehr als die Servicegebühr erspart.

Fazit: Tarif prüfen lohnt sich

Auch wenn die Preisunterschiede zwischen einzelnen Anbietern und Tarifen in den vergangenen Jahren geringer wurden und Lockangebote mit Wechselbonus für das erste Jahr mittlerweile weniger attraktiv ausfallen als noch vor ein paar Jahren, lohnt sich der Tarifcheck für die Energieversorgung allemal. Wer einmal gewechselt hat, weiß, wie unkompliziert und schnell der ganze Vorgang vor sich geht.