Digital Life 15.05.2015

Intel zeigt smarten Gips und Alarm für vergessene Kinder

Der "Smart Splint" soll eine komfortablere und informativere Alternative zu einem Gips sein. © Bild: Intel

Beim "Future Showcase" in Berlin führt Intel vor, welche ungewöhnlichen Geräte und Apps mit Mini-Computern und der 3D-Kamera RealSense realisiert werden können.

Bei der Vermarktung seiner Produkte bemüht Intel oftmals eigene Entwickler, um Anwendungsbeispiele mit praktischem Nutzen zu erschaffen, etwa für neue Prozessoren, Computerplattformen oder Sensoren. Wie die futurezone zuletzt im Interview mit Joachim Thomasberger, dem Regional Business Manager von Intel Österreich, erfuhr, erreichen einige der hauseigenen Entwicklungen - oftmals in Zusammenarbeit mit Partnerunternehmen aus der jeweiligen Branche - später tatsächlich den Markt. Im Rahmen des "Future Showcase" in Berlin zeigte Intel einige Innovationen, die das Zeug zum Massenprodukt haben.

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Innovationen beim "Future Showroom" von Intel in Berlin © Bild: Intel

Kindersitzgurt schlägt Alarm

Seinen "Smart Clip" hat Intel bereits auf der Consumer Electronics Show 2015 präsentiert. Das Gerät soll verhindern, dass Eltern ihre Kinder im Auto vergessen. Laut Intel passiert dies nicht besonders oft, aber doch. Für Kinder kann dies besonders im Sommer lebensgefährlich sein. Der Smart Clip ist direkt am Kindersitzgurt befestigt und hält per Funk (etwa per Bluetooth) eine Verbindung zum Smartphone der Eltern, wo eine App die Verbindungsqualität überwacht. Wenn sich das Smartphone vom Kindersitz entfernt, reißt die Verbindung ab. Die Smartphone-App schlägt Alarm.

Bei Smart Clip handelt es sich um einen Prototyp, der von einer Intel-Technikerin entwickelt wurde und ein Beispiel für eine Anwendung im "Internet der Dinge" darstellen soll. Vor einer Markteinführung steht das Gerät noch nicht.

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Innovationen beim "Future Showroom" von Intel in Berlin © Bild: Intel

Smarter Gips

Der "Smart Splint" soll gleich mehrere medizinische Probleme lösen. Der smarte Gips wird nach einem Gliedmaßen-Scan 3D-gedruckt und mit großen Löchern versehen. Dadurch ist er exakt an die Anatomie seines Trägers angepasst und bietet höchstmöglichen Tragekomfort. Im Gips lassen sich außerdem Sensoren integrieren. Die Daten werden über Intels Microcomputer Edison gesammelt und drahtlos an behandelnde Ärzte übermittelt.

Ein Gips, der Daten liefert, könnte etwa im Falle bestimmter Krankheiten zum Einsatz kommen, bei denen es zu Spasmen kommt. Quantitative Daten könnten den Ärzten eine weitere wichtige Grundlage für die Behandlung des Patienten - abgesehen von dessen eigenen Aussagen - liefern.

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Innovationen beim "Future Showroom" von Intel in Berlin © Bild: Intel

Wendige Drohne

Der deutsche Drohnenentwickler Ascending Technologies hat gemeinsam mit Intel ein Verfahren entwickelt, dass ultraschnelle Reaktionen im Flug ermöglicht. Mit Hilfe von Intels RealSense-Kamera, die aus zwei Objektiven und einem Laser-Entfernungssensor besteht, scannt eine Drohne den Raum, in dem sie sich fortbewegt und erstellt ein 3D-Modell.

Veränderungen in diesem 3D-Modell werden blitzschnell in die Flugbahnerstellung einkalkuliert. Der Drohne wird zu Beginn des Fluges ein Ziel vorgegeben, die Route kann variiert werden.

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Innovationen beim "Future Showroom" von Intel in Berlin © Bild: Intel

Raumspezifische Gestensteuerung

In einem eigenen Raum wurde beim "Future Showcase" ein neuartiges Indoor-Tracking-System vorgestellt, das vom Münchener Start-up Kinexon hergestellt wird. Als Tracker dienen zwei Funkarmbänder, die von Sensoren in den Zimmerecken erfasst werden. Durch Triangulation wird die Position der Armbänder bis auf wenige Zentimeter genau festgestellt. Das System kann auch im Freien eingesetzt werden.

Bisher wird das Tracking-System von Kinexon im Spitzensport eingesetzt, es soll in Zukunft aber auch beim Orten von Patienten helfen. Mit dem Verfahren soll aber auch die Steuerung bestimmter Geräte mittels Gesten möglich sein. In unterschiedlichen Räumen könnte die selbe Geste zu unterschiedlichen Resultaten führen. Beim "Future Showroom" wurde mit dem Tracking-System etwa das Raumlicht oder eine Musikanlage gesteuert.

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Innovationen beim "Future Showroom" von Intel in Berlin © Bild: Intel

Räumliche Aufnahmen

Ein kleines Peripheriegerät für den PC und spezielle Kopfhörer ermöglichen binaurale Tonaufnahmen. Dabei kann die Richtung, aus der ein Geräusch oder ein Klang kommt, besonders gut festgestellt werden. Bei dem in Berlin vorgestellten Gerät handelt es sich um einen Prototypen, der von Intel derzeit im Praxiseinsatz getestet wird.

Unter anderem kommt die binaurale Tonaufnahme an Bord des Leistungsseglers Francois Gabart zum Einsatz. Durch die 3D-Tonaufnahmen vom Schiff sollen Techniker an Land besser als bisher Probleme identifizieren können.

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Innovationen beim "Future Showroom" von Intel in Berlin © Bild: Intel

Avatare mit dem eigenen Gesicht

Was durch Intels RealSense-Kamera möglich wird, wurde beim "Future Showcase" anhand einer Demonstration der Software Avatar Cam des Unternehmens Faceshift gezeigt. Vor einem Laptop mit RealSense wird das Gesicht des Benutzers gescannt, um damit einen eigenen Avatar für ein Spiel zu erstellen.

Der Vorgang dauert nur wenige Sekunden. Der erstellte Avatar kann in verschiedene Wesen verwandelt werden. Die eigenen Gesichtszüge erkennt man in allen Variationen wieder. Spiele sollen mit Avatar Cam leichter personalisiert werden können.

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Innovationen beim "Future Showroom" von Intel in Berlin © Bild: Intel

Smarte Handschuhe für Lagerarbeiter

Unter Einsatz von Intels Mikrocomputer Edison haben zwei Studenten der TU München die so genannten "Pro Gloves" entwickelt. Dabei handelt es sich um Handschuhe, die das Leben von Lagerarbeitern erleichtern sollen. Sie bestehen aus einem Armband, der den Computer und Sensoren enthält und damit verbundenen, auswechselbaren Handschuhen. Arbeitsgegenstände, die mit RFID-Tags ausgestattet sind, können den Pro Gloves Rückmeldungen geben.

Dadurch soll etwa die Wahl verschiedener Werkzeuge vorgegeben werden können. Auf den Handschuhen findet ein kleiner Barcodescanner Platz. Beim Hantieren mit Materialkisten oder bestellten Waren könnten also sofort Bearbeitungsvorgänge protokolliert werden, ohne dass dafür noch ein zusätzlicher Handgriff notwendig wäre. Die Pro Gloves sollen tatsächlich als Produkt verkauft werden. Derzeit läuft die Finanzierungsphase.

Erstellt am 15.05.2015