Digital Life
23.08.2012

Makr.io: Diaspora-Gründer starten Mem-Maschine

Mit ihrem Anti-Facebook kommen die Diaspora-Gründer Maxwell Salzberg und Daniel Grippi so gut wie nicht voran - vielleicht auch deswegen, weil sie ihre Energien derzeit auf ihr neues Web-Projekt Makr.io fokussieren. Der Dienst soll Nutzern ermöglichen, schnell und einfach eigene Internet-Memes zu generieren - und könnte an Copyright-Problemen und Verwechselbarkeit mit anderen Services wie Pinterest oder Canv.as scheitern.

Lustige Schnappschüsse, die mit noch lustigeren Sprüchen versehen und via Blogs (v.a. Tumblr) und Social-Media-Seiten (u.a. Reddit) millionenfach im Netz verbreitet werden: Internet-Memes wie die Lolcats, die Advice Animals, My Little Pony, Creepy Wonka, oder das NO. Rage Face gehören zum Internet-Alltag der Jugend dazu. Und sind mittlerweile ein echtes Business: Webseiten wie KnowYourMeme, das Cheezburger Network oder MemeBase leben mittlerweile ganz gut davon, die digitalen “Running Gags” zu veröffentlichen, zu sammeln, zu erklären und durchsuchbar zu machen.

Fotos hochladen und texten
Das dürfte auch den Machern des oft als “Anti-Facebook” bezeichneten Alternativen-Netzwerks Diaspora bekannt sein. Maxwell Salzberg und Daniel Grippi haben als Teilnehmer am Start-up-Programm Y Combinator (die Betreiber bekommen zwischen 5 und 10 Prozent Firmenanteile an den Start-ups) einen neuen Web-Dienst aus der Taufe gehoben, der eine Art Mem-Maschine werden soll: Makr.io. Dieser soll Nutzern künftig dabei helfen, sich mit digitalen Inhalten kreativ austoben zu können. Im Wesentliche geht es darum, ein Foto zu finden, dieses mit einem witzigen/nachdenklichen/interessanten/etc. Spruch zu versehen und im Social Web zu verteilen.

“Mit Makr.io kannst du alles memifizieren”, schreibt das vierköpfige Makr.io-Team. “Trag zu der wachsenden Internet-Kultur bei, lache, und teile mit deinen Freunden”, lautet die Aufforderung an die Nutzerschaft. Inspiriert hätte sie ihr Kern-Projekt Diaspora, das in den vergangenen Monaten ein wenig brach lag, zu dem neuen Projekt. Um das nicht-kommerzielle Netzwerk nicht zu überfrachten, hätte man sich aber dafür entschieden, die Mem-Produktions-Funktionen als eigenständige Webseite anzubieten.

Makr.io in Bildern:

1/5

Makr.io

Makr.io

Makr.io

Makr.io

Makr.io

Makr.io funktioniert denkbar einfach, wie ein erster futurezone-Check zeigt: Man lädt ein Foto hoch, versieht es mit einem kurzen Text, und veröffentlicht es in seinem Account. Außerdem kann man natürlich die Fotos anderer Nutzer durchstöbern, wobei Makr.io vorrangig jene Inhalte herzeigt, die zu den eigenen Interessen passen (diese werden z.B. aus den Tags, die man den eigenen Bildern gibt, abgeleitet). Mit wenigen Klicks kann man die Fotos anderer remixen - also mit einem eigenen lustigen Text versehen und weiterleiten. Der Dienst setzt beim Publizieren stark auf andere Social-Media-Dienste wie Facebook, Twitter, Tumblr, Pinterest oder imgfave, deren Buttons und Share-Funktionen prominent verbaut sind. Geschäftsmodell gibt es noch keines, Makr.io ist komplett gratis zu benutzen und enthält auch noch keine Werbung.

Kaum innovativ, gröbere Mängel
So weit, so lustig - doch wenn man ein wenig hinter die Kulissen blickt, ist Makr.io ein fragwürdiges Projekt. Das fängt beim Content an: So werden die Nutzer etwa aufgefordert, nicht nur eigene Fotos hochzuladen, sondern auch Google Images, Tumblr und imgfave nach geeignetem Bildmaterial zu durchsuchen - mögliche Copyright-Probleme für die Nutzer werden aber in keinem Wort erwähnt. Das Web-Design ist auch nicht unbedingt innovativ und erinnert (mit Abstrichen) an

sowie dessen mittlerweile unzähligen Klone. Die Remix-Idee ist ebenfalls nicht neu und erinnert stark anCanv.as, den neuen Internet-Dienst von 4chan-Gründer Christopher “moot” Poole.

Insgesamt bleibt bei Makr.io ein fahler Nachgeschmack. Anstatt ihre Energien in das ambitionierte Diaspora-Projekt und die Schaffung einer nicht-kommerziellen Alternative zu Facebook zu stecken, scheinen sich Maxwell und Grippi (Kayla Holderbein and Rosanna Yau komplettieren das Vierer-Team) etwas vom Silicon Valley vereinnahmt zu haben lassen. Wie mittlerweile auch Diaspora selbst setzt auch Makr.io auf eine Facebook-Anbindung - der “Login with Facebook”-Knopf prangt prominent von der Startseite. Auch das Engagement von Y Combinator, das auch schon Web-Firmen wie AirBnB, Dropbox, Scribd, Disqus oder Posterous in Anspruch genommen haben, spricht eine deutliche Sprache und deutet auf das Ziel hin, schnell einen kommerziellen Dienst aufzubauen. Bleibt also abzuwarten, wie es mit Diaspora weitergeht - immerhin versprechen Maxwell und Grippi wichtige Updates dafür in der kommenden Woche.

Mehr zum Thema

  • 4chan vermeldet eine Milliarde Postings
  • Internet-Memes: Und alle so LOL
  • Tumblr: Ein Teenie-Blog wird politisch
  • Anti-Facebook: Diaspora will im Sommer starten
  • Diaspora-Mitbegründer 22-jährig verstorben