Digital Life
07.10.2018

Mystery Hunt im Kunsthistorischen Museum: Einmal Indiana Jones sein

In diesem Test erfahrt ihr, wie das Rätselspiel im Kunsthistorischen Museum den Geist alter Point-and-Click-Adventures aufleben lässt.

Das Erlebnis von Point-and-Click-Adventures wie „Monkey Island“ oder „Indiana Jones and the Fate of Atlantis“ von der digitalen in die analoge Welt transferieren: Das ist der Grundgedanke von Escape Rooms und vergleichbaren Freizeitangeboten, bei denen eine Gruppe von Freunden Rätsel löst, um ein vorgegebenes Ziel zu erreichen. Mit dem Mystery Hunt im Kunsthistorischen Museum startet am 10. Oktober ein weiteres Angebot dieser Art in Wien, das sich allerdings von klassischen Escape Rooms in vielerlei Hinsicht unterscheidet.

So muss das Team beim Mystery Hunt nicht aus einem Raum ausbrechen, sondern einen Schatz finden. Dabei löst man gemeinsam unterschiedliche Rätsel, die allesamt analog sind: Das Handy schaltet man für die Dauer des Spiels also am Besten aus, alle Rätsel und Anweisungen – und auch entsprechende Lösungshinweise – werden dem Team in verschlossenen Umschlägen übergeben.

Mystery Hunt

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Die zweite Besonderheit der Mystery Hunt ist, dass er nicht in einem schmierigen Kellerraum stattfindet, sondern im ägyptischen und im antiken Trakt des Kunsthistorischen Museums. Laut Mads Lind, Gründer des dahinterstehenden dänischen Unternehmens Mystery Makers, sollen die Menschen dadurch auch dazu motiviert werden, sich wieder intensiver mit Museen zu beschäftigen und die Scheu davor zu verlieren. „Enterbrainment“ nennt er diese Unterhaltungsform, bei der Menschen ihre Hirnzellen auch in der Freizeit beschäftigen sollen.

Außerdem gibt es beim Mystery Hunt keinen Zeitdruck. Während das Ziel bei Escape Rooms meist ist, innerhalb von einer Stunde aus einem Raum auszubrechen, können sich die Mystery Hunter beliebig viel Zeit lassen – eineinhalb bis zwei Stunden sind laut Lind normal: „Wenn es länger dauert, ist das umso besser, denn dann hat man das Museum wirklich genossen“, sagt er.

Billig ist das Vergnügen allerdings nicht: 30 Euro pro Person zahlt man, plus elf Euro für den Museumseintritt. Zum Vergleich: Beim Wiener Anbieter Time Busters gibt es eine Stunde Room Escape ab 15 Euro pro Person.

Das Abenteuer im Test

Die futurezone hat das Spiel im Kunsthistorischen Museum mit insgesamt vier Spielern getestet. Angenehm fiel dabei auf den ersten Blick vor allem auf, wie schön die Spielutensilien gestaltet wurden. Ein tragendes Element des Spiels ist eine Drehscheibe, auf der wir unterschiedliche Symbole markieren, die wir im Lauf des Spiels entdecken. Sie sollen uns am Ende dabei helfen, ein Artefakt zusammenzusetzen. Die Hinweise und Aufgaben sind in braunen Umschlägen versteckt, die sehr liebevoll gestaltet sind.

Um die Aufgaben zu lösen, bewegen wir uns durch das Museum und suchen die Ausstellungsstücke nach entsprechenden Hinweisen ab. Linds Plan, dass wir uns mit dem Museum beschäftigen, geht somit auf – allerdings lesen wir so gut wie nie die von den Museumskuratoren bereitgestellten historischen Erläuterungen, sondern suchen bloß verbissen nach dem nächsten Hinweis. Das ist schade, zumal die historische Horizonterweiterung dadurch in den Hintergrund tritt.

Die Schwierigkeit der Rätsel variiert: Gerade am Anfang kommen einem die Aufgaben verdächtig einfach vor, bei einem Rätsel im weiteren Verlauf des Spiels beißen wir uns hingegen die Zähne aus uns kommen bloß durch Raten weiter. Später erfahren wir, dass es bei dem entsprechenden Rätsel in Saal XV Doppeldeutigkeiten gibt, da eine Götterfigur zwei Mal ausgestellt ist. Lind verspricht, diesen „Error“ bis zum offiziellen Start des Spiels zu reparieren.

Lustig ist schließlich auch die soziale Interaktion im Team. Gemeinsam spielt man eine Art „Kennenlern-Spiel“, bei der den Gewinnern entsprechende Auszeichnungen verliehen werden, für die sie wiederum neue Aufgaben bekommen. Beispiel: An einer Stelle werden alle Teilnehmer aufgefordert, eine Geschichte zu erzählen, eine davon ist eine Lüge, das Team muss den Lügner identifizieren. Meine Geschichte während des Tests ist wahr, trotzdem halten mich alle für einen Schwindler – ein interessanter Weg, sich selbst und andere besser kennen zu lernen. Gerade dieser Aspekt des Spiels dürfte aber wohl auch für Unternehmen interessant sein, die das Spiel für Teambuilding nutzen wollen.

Fazit

Mit insgesamt 41 Euro pro Person ist das Spiel wirklich kein Schnäppchen – vor allem, weil das eigentliche Museum dabei leider ein wenig in den Hintergrund tritt. Auf der anderen Seite ist der Mystery Hunt gerade in der kommenden kalten Jahreszeit ein netter Weg, sich in der analogen Welt mit Freunden zu treffen.

Die ersten Mystery Hunts starten am 10. Oktober. Die Abenteuer können auf mystery.at bestellt werden, die Spielutensilien werden dann von Mitarbeitern des Museums ausgehändigt. Damit das Gefühl der Einzigartigkeit bleibt, darf nur ein Team gleichzeitig spielen – es sei denn, man bucht für mehrere Leute gleichzeitig, dann werden die Teilnehmer auf kleine Teams aufgeteilt. Der Anbieter plant mindestens vier solcher Spiele in Wien, das nächste soll in der Albertina eingerichtet werden.

Gewinnspiel

Wir vergeben 2x eine Mystery Hunt für jeweils ein Team (4-8 Personen). Wer mitmachen möchte, schreibt uns bis inklusive 14. Oktober ein Mail mit dem Betreff Mystery Hunt an redaktion@futurezone.at. Wir würden gern wissen, was ihr Nachts im Museum am liebsten tun würdet. Die beiden kreativsten Antworten gewinnen.

Die Gewinner werden per Mail verständigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Alle Gewinnspiele im Überblick findet ihr hier: futurezone.at/myfuzo/gewinnspiele

Teilnahmebedingungen