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Video-Streaming
06/09/2015

Netflix-Chef hat keine Angst vor Piraterie

Reed Hastings sagt, dass Piraterie dem Video-Streaming-Dienst in einigen Ländern geholfen hat, sich rascher zu etablieren. Dieses Jahr soll das Angebot in Spanien starten.

von Barbara Wimmer

Nach langem Warten hat Netflix sein Angebot im Herbst 2014 auch in Österreich gestartet. Jetzt steht der Launch des Online-Streaming-Dienstes in Spanien bevor. Spanien ist laut der dort ansässigen Unterhaltungsindustrie allerdings nichts anders als ein „Eldorado für Piraterie“, und die Internet-Generation „ein Haufen von Dieben“.

Doch Netflix-Chef Reed Hastings hat keine Angst vor Piraterie. Der spanischen Zeitung El Mundo sagte er: „Ich glaube, Spanien wird eines unserer erfolgreichsten Länder. Es gibt eine hohe Anzahl an Internet-Verbindungen und eine Bevölkerung, die an den elektronischen Warenverkehr im Netz gewöhnt ist“, so Hastings.

Nutzerfreundliche Alternative

Piraterie hat eine Öffentlichkeit geschaffen, die es gewöhnt ist, Inhalte im Internet anzuschauen“, ist Hastings überzeugt. Filesharer hätten eine klare Vorstellung davon, was sie sich von einem Online-Service erwarten. Das Angebot von Netflix sei nutzerfreundlich und würde daher die Filesharing-Portale schlagen, glaubt der Netflix-Chef. „Wir bieten eine einfachere und unmittelbarere Alternative, als im Internet einen Torrent zu finden“, so Hastings.

In Holland und Kanada gebe es beispielsweise ein ähnliche Tradition von Piraterie wie in Spanien, fährt der Netflix-Chef fort. „Und in beiden Ländern sind wir ein sehr erfolgreiches Service“, so Hastings, der auch vor Gratis-Streaming-Angeboten keine Angst hat: „Das ist wie beim Geschäft mit dem Wasser. Leitungswasser kann auch getrunken werden und es ist kostenlos, aber es gibt noch immer ein Verlangen nach in Flaschen abgefülltes Wasser“, so Hastings.

Um in Spanien der Piraterie Einhalt zu bieten, gab es eine Blockade von der Website The Pirate Bay. Doch derartige behördlich angeordnete Blockaden bringen oft nur sehr wenig für legale Streaming-Angebote, wie Forscher ermittelt haben, die die britische Pirate-Bay-Sperre im Jahr 2012 untersucht haben.

Österreich-Markt

Im Gespräch mit der futurezone im September 2014 erzählte der Netflix-Chef übrigens, dass es immer Menschen geben werde, die nicht bereit seien, für Inhalte zu bezahlen. „In Kanada war BitTorrent sehr populär. Als Neflix dann gestartet ist, ging die Verbreitung stark zurück“, so Hastings zum Österreich-Start. Im Februar 2015 hatte der Online-Video-Streaming-Anbieter rund 50.000 Kunden. In Deutschland konnten 470.000 Kunden gewonnen werden. Damit kommt Netflix im deutschsprachigen Markt auf 660.000 Kunden. Zahlen bezüglich Filesharing-Rückgang gibt es hierzulande noch keine.