Digital Life
09.02.2015

Netflix und Co lassen VPN-Nutzung explodieren

Die zunehmende Nutzung von VPN, um sich über die Regionalsperren von Videoplattformen hinwegzusetzen, erhöht den Druck auf die Unterhaltungsindustrie, global zu veröffentlichen.

Durch die Nutzung von VPN (Virtual Private Networks) können Internetnutzer ihre Herkunft verschleiern und so beispielsweise von Europa aus auf das - weitaus aktuellere - Angebot von Netflix USA zugreifen. Das Interesse an solchen Inhalten steigt stetig und damit auch die Nutzung von Verschleierungsdiensten. Laut einer Schätzung in einem Artikel der New York Times nutzen weltweit rund 20 Millionen Internetsurfer VPN, um auf etwa 300 Plattformen zuzugreifen, die auf Regionssperren setzen.

VPN wurden ursprünglich für Firmen entwickelt, um Mitarbeitern von überall sichere, verschlüssete Verbindungen zu Unternehmenssystemen zu erlauben. Auch Dissidenten und andere auf Geheimhaltung angewiesene Personen nutzen die Angebote gerne. Um Regionssperren zu umgehen, ist ein kostenpflichtiges Konto bei einem VPN-Anbieter notwendig. Diese Dienstleister bieten die Möglichkeit, sich als Nutzer aus verschiedenen Ländern zu tarnen, um dann auf Services aus der entsprechenden Region zuzugreifen.

Bombengeschäft

Die steigende Nachfrage hat dazu geführt, dass viele VPN-Betreiber mittlerweile damit werben, dass ihre Angebote die Nutzung von Hulu, Netflix, BBC iPlayer und anderen Plattformen von überall aus erlauben. Die Kosten für die Nutzer belaufen sich pro Jahr auf rund 50 Dollar. Andere technische Hilfsmittel, die etwa Proxy-Server nutzen, sind in ähnlichen Preislagen angesiedelt und bieten letztendlich dieselben Möglichkeiten. Ein VPN-Anbieter erzählt der New York Times, dass sein Unternehmen in den vergangenen drei Jahren jeweils 100 Prozent Wachstum verzeichnen konnte.

Netflix und andere Anbieter verbieten die Nutzung von Verschleierungsdiensten eigentlich in ihren Geschäftsbedingungen, solche technischen Tricks sind laut den Videoplattformen aber nicht leicht nachzuweisen - und zudem zahlen die VPN-Nutzer ja auch gerne für ihre Abos bei Hulu und Co. Die Triebfeder des VPN-Booms ist die gängige Praxis der Unterhaltungsindustrie, ihre Produkte in verschiedenen Regionen zu unterschiedlichen Zeiten auf den Markt zu bringen. Marketingkampagnen hingegen kennen heute keine Grenzen mehr und so erreicht der Hype um Filme und Serien ihren Höhepunkt weltweit zum Start im jeweiligen Heimatmarkt. Die Kunden wollen Inhalte überall gleichzeitig sehen und zwar am besten sofort.

Die Industrie verlässt sich bislang darauf, dass 95 Prozent der Leute denken, dass VPN und andere Werkzeuge ihre Fähigkeiten überschreiten. Wenn die Nutzung einen gewissen Schwellenwert überschreitet, wird die Industrie irgendwan gezwungen sein zu reagieren. Wie diese Reaktion aussehen wird, ist schwierig abzuschätzen. Von globalen Veröffentlichungsterminen bis zur Forderung nach Einführung harter nationaler Grenzen im Internet ist alles vorstellbar.