Digital Life
15.04.2018

ÖAMTC rät von Selbsttests mit Autopiloten ab

Den Mann, der mit einem Model S im Automatikmodus über die Wiener Höhenstraße gefahren ist, nachzuahmen, ist keine gute Idee, warnt der ÖAMTC.

Ein YouTube-Video zeigt, wie ein Tesla "Model S" im Automatikmodus über die Wiener Höhenstraße fährt. Die Beschreibung des Videos sagt "Tesla Model S fährt im Autopilot über eine von Wiens schlimmsten Straßen". In der sechsminütigen Aufnahme ist zu sehen, wie ein Tesla im Automatikmodus über die Höhenstraße brettert.

Der ÖAMTC sieht den Trend zu derartigen „Test-Fahrten“ bedenklich. „Wir raten dringend von solchen Selbsttests ab“, sagte Verkehrspsychologin Marion Seidenberger. „Testfahrten bedürfen eines professionellen Settings“, betonte die ÖAMTC-Expertin.

In Österreich muss beim Fahren - auch mit hoch entwickelten Assistenzsystemen - derzeit gesetzlich verpflichtet immer mindestens eine Hand am Lenkrad sein. Das kann trotzdem Risiken in sich bergen. „Man ist sich seiner Sache sicher - dann weiß man nicht, wann der Moment kommt, eingreifen zu müssen“, erläuterte Seidenberger. So kann es passieren, „in höchster Eile“ reagieren zu müssen, um einen Unfall zu verhindern.

Verschiedene Gefühle

Die Zukunft der Mobilität wird stark dominiert von neuen Assistenzsystemen, Vernetzung und Automatisierung. Für die einen sei es ein beängstigender Gedanke, dem Auto zunehmend die Kontrolle zu überlassen, so Seidenberger, für andere dagegen ein großer Reiz. „Man möchte bei den ersten dabei sein und dadurch seinen sozialen Status erhöhen. 'Fast adopters' genießen den Ruf eines Abenteurers“, analysierte die Psychologin.


Außerdem ist es laut der Expertin für Befürworter des autonomen Fahrens spannend, sich in „Grauzonen“ vorzuwagen. So komme es zuletzt häufiger vor, dass vermutlich Privatpersonen eigene Fahrexperimente mit hochassistierten Autos durchführen und die Fahrten filmen. „Werden diese Kurzvideos danach online gestellt und von vielen anderen 'geliked', spornt das zusätzlich an und der Lenker fühlt sich bestätigt. Doch genau damit werden Nachahmer animiert“, warnte Seidenberger.

Auch negative Beispiele

Bis dato gebe es viele gelungene, aber auch einige negativ verlaufene Testfahrten, rät die ÖAMTC-Verkehrspsychologin zur Geduld: „Es ist definitiv Vorsicht geboten. Man sollte unbedingt noch weitere Untersuchungen und offiziell geprüfte, geeichte Testfahrten abwarten.“ Damit automatisiertes Fahren in den Alltag Einzug halten kann, bedürfe es noch einiger Voraussetzungen wie zum Beispiel präzise Gesetzesformulierungen und eine entsprechend abgestimmte Verkehrsinfrastruktur.