Digital Life
19.10.2016

Recycling-Idee: Samsung soll Galaxy Note 7 an Maker spenden

Anstatt die Galaxy Note 7 zu vernichten, die wegen der Akkubrand-Gefahr zurückgerufen werden, könnte man aus den Smartphones eine künstliche Intelligenz basteln.

Samsung ist gerade dabei zum zweiten Mal das Galaxy Note 7 wegen der Gefahr von Akkubränden zurückzurufen. Diesmal soll aber der Akku nicht getauscht werden: Laut Samsung werden alle 2,5 Millionen Geräte entsorgt. Reparieren oder weiterverkaufen ist nicht vorgesehen.

Der Wiener Leopold Zyka hat eine Idee, mit der etwas sinnvolleres aus den Smartphones gemacht werden könnte, als einen Riesenhaufen Elektromüll zu bauen. Samsung könnte die Galaxy Note 7 der Maker-Community zur Verfügung stellen. Zyka sieht sich als Open-Source-Evangelist. Er ist aktiv in der Maker-Szene und ua. im Netzwerk IoT Austria.

„Die Smartphones haben viel mehr Rechenleistung als etwa der populäre Raspberry Pi. Man könnte einen Cluster aus den Note-7-Prozessoren bauen und damit eine leistungsstarke künstliche Intelligenz betreiben.“ Das Note 7 hat einen Octa-Core-Prozessor. Wenn sich davon alle Kerne nutzen lassen, könnte man aus 100.000 Geräten einen Verbund mit 800.000 Kernen schaffen. Zum Vergleich: IBMs künstliche Intelligenz Watson greift auf 750 Kerne zurück, die aber natürlich alle entsprechend leistungsstark sind und vier Threads per Core unterstützen.

„Oder man nutzt die Note 7 um ein 3D-Fotostudio zu bauen“, schlägt Zyka vor. Solche 3D-Fotostudios werden ua. mit Raspberry Pis mit Kameramodulen betrieben. Da man dafür gut 100 Stück braucht, ist das, trotz des niedrigen Preises des Raspberry Pi und Kameramoduls, in Summe kostspielig.

Maker-Challenges

Zyka kann sich auch gut vorstellen, die Note 7 für Hackathons zur Verfügung zu stellen oder Challenges zu veranstalten. Bei diesen könnten Maker ihre Ideen einreichen, was aus den Note 7 gebastelt werden könnte. Die besten Einreichungen erhalten dann die benötigten Smartphones, um das Projekt umzusetzen.

Davon würden nicht nur die Maker, sondern auch Samsung profitieren. Das Vertrauen in das Unternehmen würde die Spendenaktion möglicherweise nicht wiederherstellen. Allerdings könnte es dem Konzern Sympathiepunkte einbringen, wenn die Geräte weiterverwendet, anstatt einfach zerstört werden.

Gefahrengut Akku

Natürlich können die Note 7 nicht mit dem Gefahrengut-Akku gespendet werden. Zyka empfiehlt hier bei lokalen Reparatur-Zentren den Akku entfernen zu lassen. Anleitungen zum Ausbau des Akkus findet man etwa auch auf Websites wie iFixit. Wahrscheinlich könnte sich auch die internationale Maker-Community organisieren, um die Akkus kostenlos (und auf eigenes Risiko) zu entfernen, wenn sie im Austausch dafür ein paar der Note 7 zum Basteln behalten dürfen.

Dies könnte Samsung auch Geld sparen, da bei der Entsorgung der Geräte ohnehin der Akku entfernt und gesondert entsorgt werden muss. Außerdem wäre die Rücksendung der Note 7 ohne Akku einfacher. Aufgrund der Brandgefahr muss Samsung in den USA feuerfeste Kartonschachteln für den Transport der Smartphones zur Verfügung stellen. Und selbst diese werden von vielen Botendiensten und Transportunternehmen nicht akzeptiert. Ohne Akku könnten die Smartphones ohne teure Spezialdienste und -utensilien verschickt werden.