Digital Life
20.11.2018

Schnee zeigt Platzverschwendung von Autos auf der Straße

Das Phänomen "Sneckdown" ist für Verkehrsplaner aufschlussreich.

Wenn in der Stadt die ersten Schneeflocken fallen und die Straßen sich – zumindest zeitweise – weiß einfärben, sorgt das nicht nur für rutschige Fahrverhältnisse, sondern liefert auch wertvolle Erkenntnisse für die Verkehrsplanung. Grund dafür ist, dass man genau sieht, welchen Platz Autos auf der Fahrbahn einnehmen und welcher Teil der Straße mehr oder weniger unbefahren und damit eigentlich unnötig ist.

Das Phänomen nennt sich „Sneckdown“ und wurde bereits vom Streetfilms.org-Regisseur Clarence Eckerson, Jr. 2007 beschrieben. Auch bei den jüngsten Schneefällen in Österreich wurde das Phänomen sichtbar. Auf Twitter nutzte etwa der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) ein entsprechendes Foto, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Es wurde mit großer Resonanz in sozialen Medien geteilt.

Zu viel Platz für Autos

"Wir wollten damit zeigen, wie überproportional viel Platz dem KFZ-Verkehr in einer Stadt gegeben wird. Gleichzeitig wird durch eine Schnee-Aufnahme auch sichtbar, dass ein Teil dieser fix reservierten Flächen komplett ungenutzt bleibt", erklärt VCÖ-Sprecher Christian Gratzer. Diese Flächen könnten folglich für andere Verkehrsteilnehmer, aber auch für Grünflächen und schattenspendende Bäume verwendet werden, ohne dass der Autoverkehr eingeschränkt werde.

Laut VCÖ werden Autos in Städten immer noch zwei Drittel des verfügbaren Platzes zugestanden, obwohl damit nur 27 Prozent aller Alltagswege erledigt werden. 73 Prozent der Mobilität entfällt auf Öffis, Fahrrad und Fußwege. "Angesichts dessen, dass die Einwohnerzahl von Städten wie Wien auch in Zukunft stark wachsen werden, muss man den knappen Platz bestmöglich organisieren und platzsparenderen Mobilitätslösungen Vorrang geben", ist Gratzer überzeugt.

Öffentlichen Platz neu verteilen

Die Neuverteilung des öffentlichen Raumes war zuletzt auch beim futurezone Day Thema. In einer Diskussion zum Thema "Intelligente Straße" wies etwa Barbara Hauenschild-Cyniburk von den Wiener Linien darauf hin, dass "der Platz auf der Straße auch in Zukunft nicht mehr werden wird." Umso wichtiger sei es folglich, nachhaltige Massentransportmittel so attraktiv wie möglich zu gestalten.

Auch VCÖ-Sprecher Gratzer ist davon überzeugt und pocht auf eigene Gleiskörper für Straßenbahnen sowie eigene Spuren für Radfahrer und Busse. Gleichzeitig warnt er davor, die künftig selbstfahrenden Fahrzeuge sich selber zu überlassen: "Hier wird es klare Rahmenbedingungen brauchen. Denn wenn Privat-Autos plötzlich kreuz und quer ohne Fahrer durch die Stadt fahren, wird es sogar zu mehr Autoverkehr und zu mehr Staus in der Stadt führen."

Car-Sharing als Ausweg

Denn neben dem herkömmlichen Individualverkehr habe man es dann plötzlich mit Leerfahrten von Autos zu tun, die es so bisher noch nicht gebe. Einen Ausweg bieten für Gratzer Car-Sharing-Konzepte. "Das Potenzial diesbezüglich ist riesig. Aktuell ist ein Auto durchschnittlich eine Stunde pro Tag unterwegs. 23 Stunden steht es - meist auf Parkplätzen - in der Stadt herum. Wenn man die Auslastung durch Car-Sharing verbessern kann und Menschen tatsächlich auf ihr eigenes Auto oder zumindest Zweitauto verzichten, ist das für die Verkehrsentwicklung positiv", sagt Gratzer.