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Israel

SeatID: Nachbar im Flieger per Facebook finden

“Wir werden die Art, wie Menschen fliegen, für immer verändern.” Bescheidenheit ist nicht unbedingt Eran Savirs Tugend. Der israelische Internet-Unternehmer Eran Savir aus Tel Aviv will mit seinem Web-Dienst SeatID den Himmel erobern. “Social Seating” nennt er den Service, der es künftig ermöglichen soll, sich den Sitznachbarn im Flieger schon beim Buchen auszusuchen. Ein potenzieller Geschäftspartner in der Business Class, ein heißer Flirt am Nebensitz oder die Gewissheit, dass man nicht zwischen zwei Müttern mit ihren Babys sitzt - bald soll das bei vielen europäischen Fluglinien möglich sein und den Kunden als Zusatzserivice angeboten werden.

Besseres Flugerlebnis
“Wir wollen Flugpassagieren ermöglichen, den Sitznachbar auf Basis von Social-Network-Profilen auszusuchen”, sagt Savir zur futurezone. “Die Leute leiden heute unter dem falschen Sitznachbarn. Aber warum sollte man die vielen Informationen über Personen, die es schon im Netz gibt, nicht beim Buchen verwenden?” Künftig werde das Flugerlebnis nicht mehr nur von Essen und Unterhaltungssystem geprägt, sondern vom Menschen links oder rechts des Passagiers.

Allein ist Savir mit seinem Social-Seating-Service nicht. Doch die Idee hätte er gehabt, bevor die niederländische Fluglinie KLM (

) mit einem ähnlichen Dienst an den Start ging. “Zuerst dachte ich, oh mein Gott! Aber dann: KLM hat den Markt geöffnet”, so Savir. Im Unterschied zu KLM sei seine Firma unabhängig und könne die Funktion vielen Airlines gleichzeitig bieten.

Denn SeatID kann als White-Label-Lösung in die Webseiten von Fluglinien und Reisebüros “innerhalb weniger Tage” integriert werden. Auf der Webseite der Fluggesellschaft wird man sich künftig mit Facebook, Twitter oder LinkedIn einloggen können. Dann bekommt man andere Fluggäste auf den entsprechenden Plätzen angezeigt, die sich ebenfalls per Social Login angemeldet haben und kann ihren Namen, Profilfoto und andere Informationen wie Arbeitgeber oder Interessen (z.B. “Gefällt mir”-Angaben von Facebook”) abrufen. Mit der Anmeldung gibt man gleichzeitig das Einverständnis, eigene Daten für andere sichtbar zu machen.

Heikle Privatsphäre
Die Privatsphäre-Einstellungen werden dabei vom jeweiligen Netzwerk-Dienst übernommen. So sieht man von Nicht-Facebook-Freunden nur jene Informationen, die auch im Web sichtbar sind. Außerdem kann man nachjustieren, wer die Informationen sehen darf: Als Facebook-Nutzer hat man die Optionen “Freunde”, “Freunde von Freunden”, “Personen mit gleichen Interessen” oder “alle”, bei LinkedIn und Twitter gibt es andere Abstufungen.

Die Social-Network-Daten, die auf der Webseite der Fluglinie in kleinen Fenstern über dem Sitzplan dargestellt werden, dürfen laut Savir nicht von den Betreibern gespeichert werden - und werden also auch nicht den Fluggastdaten zugerechnet, die z.B. von der EU an die USA weitergegeben werden.

"Social Seating" bald überall
Bei 5,2 Milliarden Fluggästen pro Jahr sieht Savir enormes Potenzial für Geschäfte. Fluglinien würden den Dienst wollen, um ihr Kundenservice zu verbessern, jüngere Kunden ansprechen zu können oder einige gar dazu animieren, Business Class zu buchen, weil dort möglicherweise interessante Menschen sitzen. Die ersten Airlines bekommen SeatID gratis (darunter auch eine große europäische). In einer zweiten Welle sollen dann etwa 20 weitere Fluglinien die Dienst integrieren - darunter auch solche, mit denen Österreicher öfter fliegen, verspricht Savir. Für die Fluggäste wird der Dienst anfangs ebenfalls kostenlos sein - es könnte aber sein, dass Fluglinien oder Reisebüros später für den Service eine kleine Gebühr verlangen - so, wie sie es für Extragepäck tun.

Genau ab dem Zeitpunkt wird Savir mitverdienen - etwa in Form von Provisionen von verkauften Flugtickets. Außerdem sei das Prinzip beliebig ausbaubar. “In einigen Jahren wird es Social Seating überall geben”, sagt Savir. “Im Kino, im Fußballstadium, im Theater - überall dort, wo man Tickets kaufen kann.”

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Die futurezone hat Eran Savir von SeatID im Rahmen der IT-Konferenz DLD Tel Aviv, die derzeit in Israel über die Bühne geht, zum Interview getroffen.

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Jakob Steinschaden

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