Digital Life
11.10.2017

Autonome Lkw: "Mensch bleibt bestimmender Faktor"

Immer mehr Transport- und Lieferdienste wollen auf selbstfahrende Fahrzeuge umsteigen. Die Automatisierung soll laut ihnen keinen massiven Jobverlust zur Folge haben.

Während jeder noch über selbstfahrende Autos spricht, haben viele Konzerne bereits ein anderes Ziel auserkoren: Lkw und Lieferwägen. Das Potenzial ist unbestritten, allein in den USA wurden im Vorjahr im Lkw-Gütertransport 676,2 Milliarden US-Dollar umgesetzt, in Österreich erzielte das Güterberförderungsgewerbe immerhin 10,3 Milliarden Euro Umsatz. Der wohl größte Kostenfaktor ist dabei weiterhin der Mensch, der rund ein Drittel der Kosten ausmacht. Selbst das Be- und Entladen der Lkw erfolgt an vielen Orten automatisch.

DHL legt vor

Umso weniger überrascht es, dass zahlreiche IT-Konzerne, Start-ups und Autokonzerne an der Vision vom perfekten selbstfahrenden Lkw arbeiten. Die Liste besteht aus so bekannten Namen wie Tesla, Uber, Waymo, Volvo, Daimler und Amazon. Das Ziel sei laut Finn Murphy, einem früheren Lkw-Fahrer und Autor, die „ultimative Effizienz“. „Ich glaube, das steht kurz bevor. In fünf Jahren oder so. Das ist wie der Wettlauf ins All – das Wettrennen, wer das erste praktikable selbstfahrende Auto bauen kann“, sagt er gegenüber dem Guardian.

Während die US-Konzerne noch auf sich warten lassen, kündigte DHL bereits am Mittwoch an, dass man ab 2018 selbstfahrende Lieferfahrzeuge testen will. Dabei will man kleine Elektro-Lieferwägen, den sogenannten Streetscooter, mit der entsprechenden Technologie ausstatten. Diese sind unter anderem in Deutschland, den Niederlanden und Österreich im Einsatz. Ob es hierzulande auch Testfahrten geben wird, ist unklar. DHL will seine aktuell aus 3400 Fahrzeugen bestehende Flotte an E-Fahrzeugen auf rund 70.000 Stück ausbauen. Diese sollen künftig ohne menschliche Hilfe auf der Straße unterwegs sein und selbstständig am Zielort einparken – lediglich die letzten Meter werden von einem Menschen absolviert.

Pläne von US-Post

Ähnliche Pläne hat auch die US-Post, die gemeinsam mit der Universität Michigan an einem selbstfahrenden Lieferwagen für ihre Zusteller arbeitet. Dabei will man vor allem die Effizienz steigern. Während das Fahrzeug selbstständig auf der Straße unterwegs ist, soll der Postbote bereits Briefe und Pakete für die Zustellung am Zielort vorbereiten.

Bereits ab 2019 sollen erste Fahrzeuge getestet werden, bei Erfolg könnten zwischen 2022 und 2025 alle 28.000 ländlichen Routen mit derartigen Fahrzeugen beliefert werden. Die US-Post beschäftigt mehr als 310.000 Zusteller, laut dem Bericht sollen mit der Technologie keine Arbeitskräfte eingespart werden.

Faktor Mensch

Eine Einschätzung, die in den USA nicht überall geteilt wird. Die einflussreiche Gewerkschaft „International Brotherhood of Teamsters“ verhinderte in letzter Sekunde, dass selbstfahrende Lkw unter ähnlich lockeren Bedingungen wie autonome Autos getestet werden. Und auch die US-Post will die Gewerkschaften erst konsultieren, nachdem erste Tests durchgeführt wurden. „Ich glaube, dass man da den Teufel an die Wand malt“, sagt Peter Tropper, Geschäftsführer des Fachverbandes Güterbeförderung gegenüber der futurezone. „Es wird vielleicht leichte Einsparungen geben, beispielsweise wenn beim Platooning ein Fahrer für drei LKW zuständig ist, aber der Mensch wird immer ein bestimmender Faktor bleiben.“

Ähnlichsieht es auch Ralf Schweighöfer, Geschäftsführer von DHL-Express-Austria. Laut ihm würde das Unternehmen in 15 Jahren wohl keine Lkw-Fahrer einstellen, aber weiterhin Mitarbeiter als Begleiter und Zusteller benötigen: „Grundsätzlich gibt es in der Logistik einen hohen Bedarf an menschlicher Arbeitskraft. Gerade bei der Zustellung ist es wichtig, dass Menschen zu Menschen fahren.“ In Österreich werde es aber trotz erster Testregionen für autonome Fahrzeuge noch etwas dauern, insbesondere bei selbstfahrenden Lkw und Lieferwägen, meint Tropper. „In gewissen Teilbereichen, beispielsweise beimPlatooning, ist ein Zeithorizont von zehn Jahren durchaus realistisch. Man weiß ja bereits, dass die Technologie funktioniert. Vorher muss man aber die rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen, beispielsweise bei Versicherungsfragen.“