Grafische Darstellung der Su-75 Checkmate
Belarus soll russischen Stealth-Fighter Su-75 Wirklichkeit werden lassen
„Die Su-75 ist so stealthy, dass sie bisher nie jemand gesehen hat“: Solche Aussagen sind ein Running Gag, wenn es um den russischen Stealth-Fighter geht.
2021 wurde die Su-75 Checkmate das erste Mal als Modell präsentiert und als russische Alternative zu modernen, westlichen Kampfjets. Laut dem ursprünglichen Plan hätten schon heuer die ersten Exemplare an Kunden geliefert werden sollen. Doch es gab noch nicht einmal den Erstflug. Der hätte eigentlich 2023 stattfinden sollen, dann 2024, 2025 und schließlich 2026.
Das Modell der Su-75, das 2021 bei einer Messe ausgestellt wurde.
© APA/AFP/GIUSEPPE CACACE / GIUSEPPE CACACE
Die Su-75 gilt seitdem als „verschollen im russischen Rüstungsapparat“ und wird deshalb auch spöttisch als Vaporware bezeichnet – also ein Produkt, das zwar öffentlich groß angekündigt wurde, aber mit starker Verzögerung, oder gar nicht erscheint.
Russland sieht das freilich anders. Im Rahmen eines Sicherheitsforums in Moskau, das vorige Woche stattgefunden hat, wurde betont, dass sich die Su-75 in Entwicklung befindet – mit Hilfe eines Partners.
Modell der Su-75, ausgestellt bei der Dubai Airshow 2021
© APA/AFP/GIUSEPPE CACACE / GIUSEPPE CACACE
Belarus hilft mit
Die Aussage wurde von FSVTS gegenüber der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti gemacht. FSVTS ist die russische, staatliche Agentur für militärisch-technologische Zusammenarbeit. Sie untersteht dem russischen Verteidigungsminister.
Demnach gebe es zurzeit mehrere Projekte, die zusammen mit Belarus durchgeführt werden. Dies inkludiere die Su-75. Damit dürfte offiziell bestätigt sein, was Ende 2025 angedeutet wurde. Bei der Dubai Airshow 2025 sagte Aleksandr Mikheyev, Chef der Agentur Rosoboronexport, die für russische Rüstungsexporte verantwortlich ist, dass überlegt werde, die Checkmate zusammen mit Belarus zu bauen.
Modell der Su-75 bei der Dubai Airshow 2021
© EPA / ALI HAIDER
Das scheint auf den ersten Blick ungewöhnlich. Schließlich galt der Kampfjet der 5. Generation einst zu den Prestigeprojekten Russlands, um neben der Su-57 einen weiteren Stealth-Fighter am Himmel zu haben. Damit sollte der US-Strategie mit der F-22 und F-35 nachgeeifert werden, oder China mit der J-20 und J-35.
Mit dem Angriffskrieg gegen die Ukraine haben sich die Prioritäten aber gewandelt. Sogar russische Militäranalysten gehen mittlerweile davon aus, dass die Su-75 nur als Exportprodukt erfolgreich sein kann, weil Russland selbst nicht daran interessiert ist. Die russische Luftwaffe hat demnach nie großes Interesse an dem Projekt gezeigt und will jetzt ohnehin erst die jahrelangen Lieferverzögerungen bei der Su-57 aufholen. Ein weiteres Kampfjet-Projekt würde die Situation zusätzlich erschweren.
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So betrachtet ergibt die Kooperation mit Belarus Sinn – vor allem für den Hersteller Suchoi (engl: Sukhoi). Mangels Interesses der russischen Regierung ist das Risiko für den Bau eines neuen Stealth-Fighters sehr hoch. Durch die Auslagerung der Produktion oder eines Teils davon nach Belarus, sowie die Nutzung von in Belarus erzeugten Komponenten, könnten die Kosten gesenkt werden.
Modell der Su-75 im Vordergrund. Dahinter eine Su-57.
© Sukhoi
Ein weiterer Vorteil könnte sein, dass durch das Abkoppeln von russischen Regierungsaufträgen die Su-75 besser an Kundenwünsche angepasst werden kann. Denn werden etwa Elektronik, Maßnahmen zur elektronischen Kriegsführung und optische Geräte direkt in Belarus gebaut, können so Exportbeschränkungen umgangen werden, die sonst für in Russland hergestellte Komponenten gelten.
Technische Daten zur Su-75
Im Rahmen des Sicherheitsforums hat FSVTS betont, dass die Su-75 nicht als „billige Alternative“ zur Su-57E, der Exportvariante der Su-57, positioniert wird. Es handle sich hier um 2 verschiedene Kampfjets für verschiedene Aufgaben. Die Su-75 soll ein leichter Stealth-Fighter sein, während die Su-57 als Mehrzweckkampfjet mit Tarnkappeneigenschaften dient.
Auf der Dubai Airshow 2025 Datenblatt für die Su-75 Checkmate zu sehen. Laut diesem beträgt das maximale Startgewicht 26 Tonnen.
Das ist im typischen Bereich für moderne Kampfjets der 4. Generation. Die Dassault Rafale kommt beispielsweise auf 24,5 Tonnen, Koreas KF-21 auf 25,4 Tonnen.
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Stealth-Fighter der 5. Generation, zu denen auch die Su-75 gehören soll, sind üblicherweise etwas schwerer. Die F-35A kommt auf 31,8 Tonnen, Chinas J-35 auf bis zu 30 Tonnen.
F-35A
© US Air Force
Das geringere Gewicht der Checkmate könnte ein Hinweis darauf sein, dass Suchoi auch eine Flugzeugträger-Variante anbieten will, falls es Interesse von Kunden dafür gibt. Die Rafale M operiert etwa von Flugzeugträgern aus, ebenso die F-35C. Auch für die KF-21 ist eine Flugzeugträger-Variante geplant.
Laut Datenblatt wird die Su-75 eine Maximalgeschwindigkeit von Mach 1,8 bis 2 haben. Das ist schneller als die F-35A, die offiziell auf Mach 1,6 kommt. Die maximale Reichweite wird mit 2.800 km angegeben, genau wie bei der F-35A.
Dafür ist die maximale Waffenlast mit 7.400 kg (F-35A: 8.200 kg) etwas geringer. Wie bei Stealth-Fightern üblich, werden Raketen und Bomben in einem internen Waffenschacht untergebracht. Das reduziert den Radarquerschnitt und erhöht so die Tarnkappeneigenschaften. Bei Bedarf können Waffen oder Zusatztanks auch unter den Flügeln angebracht werden.
Eine unbemannte Su-75
Anscheinend will Suchoi die Su-75 auch als Quarterback bewerben. In dieser Rolle kann ein menschlicher Pilot im Cockpit der Checkmate unbemannte Flugzeuge und Drohnen befehligen, die ihn begleiten.
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Auf der Dubai Airshow 2025 wurde dazu ein Modell einer unbemannten Variante der Su-75 gezeigt. Diese könnte den Kampfjet als Loyal Wingman begleiten und sowohl Luft- als auch Bodenziele angreifen. Technische Details dazu sind noch nicht bekannt.
Zukunft der Su-75 ist ungewiss
Aber nur, weil Suchoi jetzt mit Belarus kooperiert, heißt es nicht, dass es die Su-75 wirklich in die Serienproduktion schafft. Es ist denkbar, dass zumindest ein fliegender Prototyp gebaut wird.
Aber wenn es keine konkreten Kaufabsichten für den Flieger gibt, hat Suchoi auch keinen Grund, ihn in Serienproduktion zu bauen – unabhängig davon, ob das in Belarus oder Russland stattfindet. Von der MiG 1.44 flog etwa im Jahr 2000 auch ein Prototyp des Stealth-Fighters, das Programm wurde aber eingestellt.
Und auch wenn FSVTS es abstreitet: Die Konkurrenz für die Su-75 kommt aus eigenem Haus. Russland bewirbt bei Luftshows und Rüstungsmessen die Exportvariante der Su-57. Und die muss nicht erst entwickelt werden, sondern ist bereits verfügbar.
Der erste Kunde für die Su-57E ist Algerien. Mindestens 2 Stück wurden an das afrikanische Land geliefert. Die Maschinen wurden bereits bei Testflügen gesichtet.
Die Su-57 ist ebenfalls ein Stealth-Fighter der 5. Generation. Sie hat 2 Triebwerke und ist damit leistungsstärker als die Su-75. Wie hoch ihr Exportpreis ist, ist nicht bekannt. Russland zahlt angeblich etwa 50 Millionen US-Dollar pro Stück, der Exportpreis könnte bei 70 bis 90 Millionen US-Dollar, oder noch höher, liegen. Zusätzlich kommen Service- und Ersatzteilverträge hinzu, die den tatsächlichen Stückpreis meist nochmal um etliche Millionen Dollar anwachsen lassen.
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Su-57 (l.) und ein Mock-up der Su-75 (r.)
© Rostec
Damit die Su-75 attraktiv für potenzielle Kunden ist, müsste sie merkbar billiger sein oder eben in einer Flugzeugträger-Variante kommen. Allerdings ging man in der Vergangenheit davon aus, dass die Checkmate im Export 50 bis 75 Millionen US-Dollar kosten soll. Sofern der Preis für die Su-57E nicht doch deutlich höher ist, würde es für die meisten Staaten kaum Sinn machen, jetzt auf die Su-75 zu setzen, die vielleicht mal irgendwann fliegen wird, statt jetzt die Su-57E zu nehmen.
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