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06/29/2015

Studie: Google bevorzugt eigene Inhalte

Eine Studie wirft Google vor, Suchergebnissezu manipulieren und Nutzern die besten Ergebnisse vorzuenthalten. Im EU-Wettbewerbsverfahren erhielt Google unterdessen mehr Zeit.

Die Studie, die unter anderem vom US-amerikanischen Wissenschaftler Tim Wu und dem Data-Science-Team des Empfehlungsportals Yelp durchgeführt und am Sonntag bei einer Konferenz im britischen Oxford präsentiert wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass Google bei lokalen Suchanfragen, seine eigenen Angebote bevorzugt.

Vergleichstest

Das Team um Wu führte anhand von lokalen Suchergebnissen einen Vergleichstest mit rund 2700 Internet-Nutzern durch. Dabei wurden Nutzerreaktionen auf Google-Inhalte, die vor allem bei lokalen Suchanfragen prominent ausgespielt werden, und algorithmische Suchergebnisse bei bei Googles eigener Suchmaschine verglichen. Laut der Studie, die als Maßstab die angeklickten Inhalte heranzog, bevorzugen Nutzer die algorithmischen Sucherergebnisse. Google würde aber bei der lokalen Suche seine eigenen Inhalte in den Vordergrund rücken und so zum Nachteil der Nutzer handeln, so die Wissenschaftler.

Tim Wu, der den Begriff „Netzneutralität“ prägte und die US-Kommunikationsbehörde FCC beriet, galt lange Zeit Google-Sympathisant. „Wenn sich die Fakten ändern, sollte sich auch das Denken ändern“, sagte Wu zum Tech-Blog re/code. Wu wurde für das Erstellen der Studie von Yelp bezahlt.

Wettbewerbsverfahren in Europa

Google muss sich derzeit auch in der EU mit dem Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung auseinandersetzen. Am Montag gab die EU-Kommission in dem laufenden Verfahren dem US-Internet-Unternehmen mehr Zeit, um auf die erhobenen Vorwürfe zu antworten. Die Frist sei bis zum 17. August verlängert worden, damit Google alle Dokumente lesen und sein Recht auf Verteidigung voll und ganz nutzen könne, teilte die EU-Kommission am Montag in Brüssel mit. Google hatte um die Fristverlängerung gebeten.

Die obersten Wettbewerbshüter Europas werfen Google vor, in den Trefferlisten eigene Dienste - etwa Preisvergleiche beim Online-Shoppen - künstlich zu bevorzugen und damit die Konkurrenz zu behindern. Der US-Konzern muss eine Milliardenstrafe oder Auflagen für sein Geschäftsmodell in Europa fürchten. Im April hatte die EU-Kommission die Beschwerdepunkte an Google übermittelt. Die Entscheidung in dem Fall dürfte erst im kommenden Jahr fallen.