Digital Life
21.06.2018

Trumps Twitter-Verhalten ist in der Früh besonders abnormal

Die Auswertung von 800 Millionen Twitter-Nachrichten hat ergeben, dass Leute morgens meist analytisch klar agieren.

Mit seinen unkontrollierten, impulsiven Twitter-Salven in den frühen Morgenstunden ist US-Präsident Donald Trump nicht nur unter den derzeitigen Regierungschefs verhaltensauffällig. Denn offenbar sind die meisten Menschen normalerweise gerade in der Früh analytisch und beherrscht, während sie erst abends emotional und impulsiv agieren. Das ergab eine aufwändige Auswertung 800 Millionen Twitter-Nachrichten durch die University of Bristol.

Logisches Denken um 5 Uhr früh

Nello Cristianini, Experte für künstliche Intelligenz, und seine Kollegen werteten anonymisierte Twitternachrichten aus 54 großen britischen Städten über vier Jahre aus. Sie sortierten sie nach 73 Indikatoren, die mit bestimmten Denkstilen in Verbindung gebracht werden. Daraus ergab sich ein 24-Stunden-Muster für die meisten Menschen. Demnach ist zwischen 5.00 und 6.00 Uhr der höchste Anteil von Worten zu finden, die in früheren Studien mit logischem Denken, Intelligenz und Bildung in Zusammenhang gebracht wurden.

Auch sprachliche Indikatoren für Leistung und Macht spielen um diese Zeit eine größere Rolle. Abends und in der Nacht hingegen wandelt sich der Sprachstil - wird emotionaler und impulsiver, oft auch sozialer. Zwischen 3.00 und 4.00 Uhr werden die meisten existenziellen Gedanken und die wenigsten positiven Emotionen ausgedrückt.

Sprache verändert sich vorhersehbar

Insgesamt zeige die Studie, dass die Sprache sich im Tageszyklus stark und durchaus vorhersehbar verändere, betonen die Autoren - dies passe auch zu Unterschieden in den neuronalen Aktivitäten, im Stoffwechsel und im Hormonspiegel. „Cirkadianische Rhythmen sind Bestandteil der meisten Systeme im menschlichen Körper“, betont Ko-Autor Stafford Lightman mit Blick auf die innere Uhr des Menschen.

Cristianini ergänzt: „Die Analyse von Medieninhalten kann uns, wenn sie richtig durchgeführt wird, wertvolle Informationen sowohl für die Sozial- als auch die Bio-Wissenschaften liefern. Wir versuchen noch zu lernen, wie wir das am besten nutzen.“