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Taxi-App
06/11/2014

Uber-Proteste: "Wie will man gegen so etwas ankommen?"

Am Mittwoch protestieren in Europa Tausende Taxi-Fahrer gegen die Taxi-App Uber. Der Wiener Taxi-Obmann sieht nur wenig Chancen gegen das Milliarden-schwere US-Startup.

von Michael Leitner

Der Konflikt zwischen Taxi-Gewerkschaften und der US-App Uber spitzt sich zu. Am Mittwoch haben Tausende Taxifahrer in Berlin, Hamburg, London, Paris, Madrid und Mailand gegen den Taxi-Dienst protestiert. Die Taxi-Unternehmer sehen sich durch Uber bedroht, da dieser sich den strengen Vorgaben der Taxi-Branche nicht unterwerfen will. Für eine Sternfahrt in Berlin kündigten sich bis 1.000 Taxis an, in London wurden zwischen 10.000 und 20.000 Teilnehmer erwartet. In Frankreich wurde der Verkehr durch Fahrten im Schleichtempo behindert. In Paris verweigerten die Taxi-Fahrer zudem Fahrten zu den Flughäfen.

Teurer als ein Taxi

Uber ist eine App, mit der auf Knopfdruck eine Limousine bestellt werden kann. Die Bezahlung sowie das Ermitteln des Standortes werden über die App abgewickelt. Uber sieht sich selbst nicht als Taxi-Unternehmen, weswegen der Dienst mehr Freiheiten bei der Preisgestaltung genießt und die Fahrer über keine Taxi-Ausbildung verfügen müssen. Mit einem Startpreis von vier Euro und Kosten von 1,5 Euro pro Kilometer und 0,4 Euro pro Minute liegt man leicht über Taxi-Preisen. In Wien ist derzeit nur der Dienst UberBlack verfügbar, das deutlich günstigere UberX wird nicht angeboten.

Keine Chance gegen Milliardenreserven

Für den Wiener Taxi-Obmann Christian Gerzabek wird die Situation von vielen „nicht so ernst genommen, wie sie eigentlich ist.“ Für ihn sei das US-Startup "eindeutig ein Taxi-Dienst". Uber sei mit seinen hohen Kapitalreserven aber in der Lage, Gerichtsverfahren jahrelang zu verschleppen. Der US-Dienst konnte sich erst vor wenigen Wochen in einer weiteren Finanzierungsrunde Investorengelder in der Höhe von 1,2 Milliarden US-Dollar sichern. „Wie will man gegen so etwas ankommen? Wir hoffen weiter auf den Rechtsstaat“, so Gerzabek im Gespräch mit der futurezone. Derzeit seien für Österreich aber keine Proteste wie in Deutschland geplant.

Regeln könnten gelockert werden

Thomas Blaguss, Geschäftsführer des Bus-Unternehmens Blaguss, dem auch der Limousinen-Dienst Airport Driver gehört, sieht die Situation gelassen: „Uber kommt uns bis dato nicht in die Quere.“ Uber könne aufgrund der relativ hohen Flughafen-Pauschale von 50 Euro derzeit nicht mit anderen Anbietern auf der Flughafen-Strecke konkurrieren. Man beobachte den Dienst aber. Blaguss erwartet, dass langfristig die Vorgaben für Taxi- und Mietwagen-Unternehmen in Europa gelockert werden, aber das könne noch dauern - vor allem in Österreich. Er sei mit der derzeitigen Situation aber "nicht unzufrieden".

Der Wert des Unternehmens wird auf 17 bis 18 Milliarden US-Dollar geschätzt. Damit ist Uber wertvoller als der Auto-Hersteller Fiat (13,1 Milliarden) oder der Autovermieter Hertz (12,2 Milliarden).