Digital Life
16.07.2014

"Universitäten müssen ihre Patente vermarkten"

Stanford ist die renommierteste Universität der Welt. Luis Mejia vermarktet die Patente und war auch für Google mitverantwortlich. Die futurezone traf ihn zum Interview.

Er ist jener Mann, dem wir viele bekannte IT-Unternehmen zu verdanken haben, allen voran Google. Luis Mejia leitet an der Universität Stanford das Office of Technology Licensing, er vermarktet seit zweieinhalb Jahrzehnten die „geistigen Eigentumsrechte“ (intellectual property) der Universität. „Unser Ziel ist, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Universität sich in greifbare Produkte verwandeln“, erzählt Mejia im futurezone-Interview. Das wiederum bedeutet Einnahmen für die Universität, mit denen wieder neue Forschungsprojekte durchgeführt werden können.

Yahoo & Google

Mejia hat mit Yahoo-Gründer Jerry Yang genauso verhandelt wie mit Larry Page und Sergej Brin – die Google-Gründer hatten am Anfang keinen Business-Plan, als sie bei Mejia im Büro vorbeigeschaut haben. „Sie wollten alles Wissen in einen Computer packen, wussten aber nicht, wie sie damit Geld verdienen könnten. Ich habe sie nach Hause geschickt und sie um eine Business-Plan gebeten.“ Wie man aus der Geschichte wissen, haben sie eine Lizenz erhalten, das Stanford-Patent zu verwenden und zählen zu den erfolgreichsten IT-Unternehmen der Gegenwart.

Unternehmerisches Denken gefragt

Seit 40 Jahren schon gibt es das Office of Technology Licensing und es wurde damals gegründet, um Patente auf universitäre Ideen zu entwickeln und einzureichen. „Patente zu vermarkten, kann eine für Universitäten höchst effektiv sein“, sagt Mejia. Vorausgesetzt, man macht es richtig. Stanford ist seit je her eine Universität gewesen, in der die Studenten und Absolventen dazu getrieben wurden, Firmen zu gründen und unternehmerisch zu denken. 1988 – mitten im Biotech-Boom - gab es keine einzige Firma, die sich aus der Uni entwickelt hat.

Stanford: 300 Patente pro Jahr

Heute spricht die Statistik eine andere Sprache: Pro Jahr werden 500 Erfindungen in Stanford verlautbart, etwa 60 Prozent davon werden zu Patenten. „Aber viele davon werden nie lizensiert“, so Mejia, nur etwa 20 Prozent der Patente werden von einem Start-Up aufgegriffen. Aber nicht jeder Absolvent/Student, der ein Start-Up gründen will, bekommt auch die Lizenz. „Nur wenn es sinnvoll ist und wenn wir ihm zutrauen, dass er daraus etwas macht“, sagt Mejia, der oft auch schon Anwärter nach Hause geschickt hat, die nicht mehr gekommen sind. „Wenn von 20 Start-Ups die Hälfte überlebt, ist das schon eine gute Erfolgsquote.“ Im Nachsatz: „Auch hier im Silicon Valley braucht man Geld, Zeit und Glück.“ Und um erfolgreich zu sein, müsse man alle möglichen Fehler-Quellen kennen.

Mitunter kommt es sogar vor, dass die Experten an der Universität von einem oder mehreren Patenten überzeugt sind, und Studenten animieren, daraus ein Produkt zu machen. Das wird im Rahmen des neuen Projekts „Innovation Farm“ seit einem Jahr forciert. Bei der iFarm werden Studenten, Professoren und Absolventen miteinander verbunden, um gewisse Anlaufschwierigkeiten zu überwinden und Produkte dennoch marktreif zu machen. Eines der ersten Produkte ist Lumostech, eine Anti-Jetlag-Brille.

Vom Patent zum Produkt

Wenn ein Start-Up auf ein Stanford-Patent zurückgreifen will, gibt es folgende Vorgangsweise: Er gibt ein Konzeptpapier entweder persönlich oder online ab und erklärt seine Erfindung, sein Produkt und seine Geschäftsidee – samt Plan. Über dieses Papier schauen insgesamt acht Experten aus den verschiedensten Bereichen drüber, dann gibt es eine Zu- oder Absage. Zur Anwendung kommt das Steve-Blank-Business-Modell, das sich in den vergangenen Jahren zur neuen Methodologie in Stanford entwickelt hat.

Eine Milliarde Dollar Spenden

Wird die Lizenz erteilt, so muss das Start-Up einen Baranteil entrichten und dann Lizenzgebühren bezahlen. Und Anteile am Unternehmen erhält die Universität Stanford ebenfalls, die Höhe liegt im mittleren einstelligen Prozent-Bereich. Sobald das Unternehmen aber zahlungsfähig, sprich, finanziell erfolgreich ist, verkauft Stanford die Anteile. Das hat Stanford auch im Falle von Google getan – obwohl ein späterer Verkauf der Anteile wohl noch mehr Geld in die Stanford-Kassen gespült hätte. Aber Stanford will mit seinen Start-Ups nur bedingt Geld machen, Mejia setzt auf Vertrauen und auf die starke Bindung, die die Absolventen zu ihrer Ausbildungsstätte entwickelt haben. Das ist wohl auch der Grund, warum Stanford pro Jahr eine Milliarde Dollar an Spenden von Firmen und CEOs einnimmt – aus Dankbarkeit an die Uni.