Digital Life
21.03.2017

User kritisiert Facebook: Beitrag gelöscht

Ein Facebook-Posting eines österreichischen Start-up-Gründers, in dem die Lösch-Politik des Unternehmens offen kritisiert wurde, wurde vom US-Konzern entfernt.

Ein Posting des Shpock-Gründers Armin Strbac, in dem er den Umgang von Facebook mit fragwürdigen Inhalten kritisiert, wurde vom US-Konzern entfernt. Strbac beklagt im Posting, er habe bereits mehrmals fragwürdige Inhalte gemeldet. Als Beispiele zog er ein Video, in dem ein Mädchen verprügelt wird, sowie einen Kommentar eines Nutzers, der dem ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama eine Rückkehr auf die Baumwollfelder wünscht, heran.

„Nach welchen Community Standards ist das ok? Aber wehe man zeigt einen Nippel oder Aufklärungsvideos!“, beklagte Strbac im Posting. Facebook zufolge verstieß zumindest sein Posting gegen die besagten Gemeinschaftsstandards. Diese untersagen unter anderem Drohungen, kriminelle Aktivitäten oder die Glorifizierung von sexueller Gewalt und Selbstmord. Gegen welche Regel genau Strbac verstoßen haben soll, ist jedoch unklar. Die futurezone hat bei Facebook angefragt, eine Antwort steht vorerst aus. Nach Bekanntwerden des Falles haben einige Nutzer auf Twitter von ähnlichen Erlebnissen berichtet.

Gleiche Reaktion bei anderen Nutzern

Strbac meldet des öfteren fragwürdige Inhalte oder Nutzer auf Facebook, wie er gegenüber der futurezone erklärt. Insbesondere Inhalte, in denen Gewalt gegen private Personen gezeigt wird - Gewaltvideos, in denen Kinder und Jugendliche zusammengeschlagen werden, kursieren immer wieder auf Facebook - überschreite für ihn eine Grenze. "Ich bin mir auch sicher, dass das Opfer sich nicht besonders wohl mit der Veröffentlichung des Videos fühlt", so Strbac. "Meine Meldung wurde zwar bearbeitet, aber anstatt das Video zu entfernen wurde mir nur geraten, dass ich das Posting und den Channel-Inhaber blocken kann. Ich folge aber weder dem Channel, noch habe ich das Video gesucht. Jemand in meinen Facebook-Kontakten hat auf das Video reagiert und deswegen wurde es mir angezeigt."

Daraufhin übte er öffentlich Kritik am Vorgehen von Facebook und verwies per Link auch auf das fragwürdige Video. "Es haben auch mehrere Leute das Original-Posting gemeldet und dieselbe Antwort erhalten wie ich." Diese Kritik wurde zu seiner Überraschung nach wenigen Tagen gelöscht. Mittlerweile habe sich Facebook nach der futurezone-Anfrage aber auch bei ihm gemeldet, um den Sachverhalt zu klären. Er habe Verständnis für die Position von Facebook und kritisiert auch die in Deutschland geforderten Strafen. "Wenn der Vorschlag von der Türkei gekommen wäre, hätte es einen großen Aufschrei gegeben und man hätte es als Einschränkung der Opposition und Redefreiheit gewertet", so Strbac. "Manchmal muss aber der gesunde Menschenverstand und der Dialog mit der Community (für die es ja die Community Standards geben soll) genutzt werden um eine Verbesserung herbeizuführen. Man darf nicht aufhören an einer Verbesserung des Systems zu arbeiten und Probleme anzumerken."

Deix- und historisches Vietnam-Foto entfernt

Facebook wurde immer wieder für seine Löschpolitik kritisiert. Diese sei nicht nachvollziehbar: Hass- und Gewaltbotschaften bleiben oftmals stehen, während Inhalte mit Nacktheit stets entfernt werden. Das sorgte zuletzt immer wieder für absurde Situationen. So entfernte Facebook Anfang des Jahres eine bekannte Karikatur von Manfred Deix, die einen Pensionisten zeigte, der Sternsinger abschießen möchte, weil das Boot voll sei. Offenbar konnte die von Facebook eingesetzte Prüfstelle die Satire nicht erkennen.

Ähnliche Verwechslungen gab es bereits zuvor. So wurde das berühmte Foto des „Napalm-Mädchens“ gelöscht, das ein 9-jähriges Mädchen während des Vietnam-Konfliktes zeigte, wie es schreiend und nackt vor einem Napalm-Angriff wegläuft. Zudem wurde ein Aufklärungsvideo der schwedischen Krebsgesellschaft zum Thema Brustkrebs sowie ein Foto der berühmten (nackten) Neptunstatue in Bologna gelöscht.

Facebook: Im Schnellverfahren passieren Fehler

Facebook prüft gemeldete Inhalte meist im Schnellverfahren, wie eine Facebook-Sprecherin bereits im Vorjahr gegenüber der futurezone erklärte: „Das sind menschliche Entscheidungen und daher passieren manchmal Fehler. Das betrifft sowohl Postings, die fälschlicherweise gelöscht werden als auch Beiträge, die online bleiben. Selbst Juristen sind sich oftmals nicht einig, wie etwas einzuordnen ist.“