© Willie B. Thomas/istockphoto

Digital Life
07/28/2020

Wie man anonym im Internet surft

Reicht der geheime Modus im Browser oder soll man lieber mit VPN surfen? Wir klären auf.

von Franziska Bechtold

Es gibt viele Gründe, warum man im Internet keine Spuren hinterlassen möchte. Anonymität hat auch nichts mit Kriminalität oder dubiosen Seiten im Dark Web zu tun. Eigentlich reicht es schon, wenn man beispielsweise an einem Ort mit freiem WLAN-Zugang wie einem Hotel oder einem Café arbeitet und sein Surfverhalten verschleiern will. Oder man möchte nicht, dass Internetprovider, Suchmaschinen oder Firmen wie Facebook, Google und Co. wissen, wonach man sucht und anhand dieser Informationen ein genaues Profil anlegen können. Zudem schützt die Anonymität im Internet Menschen auch vor politischer Verfolgung.

Welchen Schutz bietet der Inkognito- oder geheime Modus im Browser?

Dieser Modus schützt die Daten nicht, sondern nimmt die angesurften Webseiten lediglich nicht in den Browser-Verlauf auf und speichert Daten nur temporär. Informationen über den Standort werden weiterhin gesammelt und Tracking durch Browser, Provider und Staat ist weiterhin möglich. Allerdings wird bei einigen Browsern, beispielsweise Firefox, das Tracking durch andere Webseiten deaktiviert. Auch wenn er für sich allein keinen wirklichen Privatsphäre-Schutz bietet, ist der Modus eine gute Ergänzung und sollte genutzt werden, wenn man einen fremden Computer verwendet. Aktivieren lässt sich der Inkognito- (Chrome), private (Firefox und Safari) oder InPrivate-Modus (Edge) jeweils über das Browser-Menü.

Was macht ein VPN und welchen soll ich nutzen?

Ein Virtual Private Network (VPN) funktioniert wie eine Art Tunnel zu einem anderen Netzwerk. Das kennt man beispielsweise, wenn man von zu Hause eine Verbindung zum Firmen- oder Universitätsnetzwerk aufbaut. Oder man nutzt ein VPN-Netzwerk, um seine Identität zu schützen und beispielsweise so zu tun, als sei man in einem anderen Land. Die eigene IP-Adresse wird dann mit der des VPN-Servers ersetzt, den man entweder selbst auswählt oder zufällig zugeordnet bekommt.

Hier gilt: Von kostenlosen VPNs ist in jedem Fall abzuraten, da die Betreiber nie nur aus gutem Willen handeln, sondern beispielsweise Nutzerdaten weiterverkaufen (wir erklären euch hier ausführlich, warum man die Finger davon lassen sollte). Auch gratis VPN- Browser-Plugins sollte man nicht nutzen, denn auch hier werden häufig Daten gesammelt und weiterverkauft.

Es gibt zahlreiche kostenpflichtige Lösungen, die deutlich bessere Leistung bringen. Die größten Anbieter sind NordVPN (derzeit 74,65 Euro / Jahr), Surfshark (derzeit 59,88 Euro / Jahr), ExpressVPN (derzeit 99,95 US-Dollar / 15 Monate), CyberGhost (derzeit 49,50 Euro / 18 Monate) und ProtonVPN (derzeit 96 Euro / Jahr). VPNs sind sehr häufig im Angebot, weshalb sich eine kurze Recherche, welcher gerade besonders günstig ist, immer lohnt. Egal für welchen VPN man sich entscheidet – sie werden alle die Bandbreite drosseln.

Welchen Browser soll ich nutzen?

Der wohl bekannteste unter den anonymen Browsern ist TOR. Er wird vor allem in Ländern mit eingeschränkter Meinungsfreiheit genutzt. Der Browser nutzt ein eigenes TOR-Netzwerk und sogenanntes „Onion-Routing“. Ruft man eine Webseite auf, verbindet er sich mit 3 zufälligen Knotenpunkten im Netzwerk. Der letzte Knoten ist der Exit-Server, der eine Verbindung mit dem angefragten Webserver herstellt. So wird der Ursprung der Webanfrage verschleiert. Allerdings ist die Verbindung zwischen dem letzten Knotenpunkt und dem angefragten Server unverschlüsselt. Auch darüber hinaus kamen immer wieder Sicherheitslücken des TOR-Netzwerks ans Licht. Trotzdem ist TOR derzeit noch die beste Möglichkeit, um anonym zu surfen.

Auch der Browser Brave, der von Ex-Mozilla-CEO Brendan Eich entwickelt wurde, bietet Zugriff auf das TOR-Netzwerk. Sein Inkognito-Modus bietet die „Private Tab with TOR“-Funktion an. Ist sie aktiviert, kann Brave wie TOR genutzt werden. 

Wer gerne Firefox oder Chrome verwenden möchte, der kann auch hier einige Funktionen nutzen, um nicht alles preiszugeben. So kann man die jeweiligen Datenschutz-Einstellungen auf "streng" stellen und damit einen Tracking-Schutz aktivieren. Der sorgt zumindest dafür, dass das Surfverhalten nicht über mehrere Webseiten hinweg von deren Betreibern nachverfolgt werden kann.

Zudem sollte man regelmäßig Cookies löschen. Diese werden von Webseiten automatisch gesetzt. Desto mehr Cookies gespeichert sind, desto besser lässt sich der Browserverlauf nachvollziehen. Alle gängigen Browser bieten aber die Möglichkeit, nach jedem Schließen des Browsers alle Cookies, Berechtigungen und gespeicherte Bilder zu löschen. Grundsätzlich sollte man beim Surfen nicht bei Diensten wie Facebook oder Google eingeloggt bleiben.

Firefox Einstellungen

Chrome Einstellungen

Edge Einstellungen

TOR

Brave Einstellungen

Soll ich Browser-Plugins nutzen?

Plugins sind zwar praktische Hilfsmittel, ermöglichen aber auch das sogenannte „Browser-Fingerprinting“. Dabei können aufgrund bestimmter Einstellungen auch ohne die IP-Adresse Rückschlüsse auf Nutzer gezogen werden. Daher sollte man alle genutzten Plugins überprüfen. Nutzen sie etwa Javascript, Flash oder andere interaktive Elemente wie Microsoft Silverlight, sollte man sie deaktivieren, wenn man anonym bleiben möchte.

Auch über die auf Webseiten angezeigten Schriftarten kann man nachverfolgt werden. Diese Plugins werden häufig bereits vom Browser mitgeliefert. Unter Einstellungen > Datenschutz / Sicherheit (je nach Browser) bieten fast alle Browser inzwischen an, diese zu deaktivieren. Das bedeutet aber, dass manche Websites nur noch eingeschränkt nutzbar sind. Auf der Website amiunique.org kann man prüfen, wie gut sich der eigene Fingerabdruck nachvollziehen lässt.

Einige Plugins wie NoScript (Firefox) oder ScriptBlock (Chrome) sind wiederum dafür entwickelt worden, Inhalte zu blockieren die JavaScript, Flash oder Silverlight verwenden. Sie sind eine sinnvolle Ergänzung, um sich besser zu schützen.  

Wie kann ich anonym suchen?

Laut Google-Datenschutzerklärung erhebt das Unternehmen eigentlich so viele Daten wie möglich: Standort, IP-Adresse, Suchbegriffe und Kaufaktivitäten werden je nach Browser-Einstellungen und verknüpften Geräten gesammelt. Zudem können die Daten an Google-Partner weitergegeben werden. Ähnliches gilt für Microsofts Suchmaschine Bing.

Eine gute und gängige Alternative ist DuckDuckGo. Die Suchmaschine verspricht, keine persönlichen Informationen zu sammeln und allen Nutzern die gleichen Ergebnisse für Suchbegriffe anzuzeigen, anstatt auf persönliche Interessen, Standort und Sprache zugeschnittene Vorschläge zu liefern, wie bei Google.

Und dann bin ich wirklich anonym?

Komplette Anonymität ist im Internet fast unmöglich. Lädt man beispielsweise eine Datei herunter, etwa ein Word-Dokument oder PDF, dann werden über den Dienst, mit dem man die Datei öffnet, Informationen wie die IP-Adresse übertragen. Zudem gibt es auch sogenanntes „passives Fingerprinting“. Dabei werden Daten von einer Website zur nächsten mitgegeben, etwa das Betriebssystem, mit dem man surft und welche Website man zuvor aufgerufen hat.

Viele Einstellungen, wie das Verhindern von Tracking, das regelmäßige Löschen von Cookies, das Nutzen des geheimen Modus und der Einsatz eines VPN sind nicht sehr aufwendig, wenn man sich einmal damit auseinandergesetzt hat. Auch TOR wurde inzwischen modern und übersichtlich gestaltet und ist so für jeden zugänglich. Die größte Umstellung für viele Nutzer ist, dass man Bequemlichkeit aufgeben muss: keine personalisierten Inhalte mehr auf YouTube, keine hübschen interaktiven Webseiten, keine gespeicherten Browserdaten wie Passwörter oder Formulardaten mehr. Wie bei allen Aktivitäten im Internet muss man sich fragen, wie viele persönliche Daten diese Bequemlichkeit wert ist.