Digital Life
04.12.2018

Wien soll die Hauptstadt der künstlichen Intelligenz werden

Autonome Busse, Auskunft per Bot und schnellere Call Center: Wien setzt auf KI.

Wiens IT-Unternehmen generieren eine vier Mal höhere Wertschöpfung als Wiens Tourismus“, sagt Ulrike Huemer, CIO der Stadt Wien, im Vorfeld des WeAreDevelopers AI Congress Vienna 2019, der am 4. und 5. Dezember in der Hofburg stattfindet. Über 6000 IT-Unternehmen gibt es in der Bundeshauptstadt, in Summe beschäftigen sie mehr als 50.000 Mitarbeiter. Neue Möglichkeiten sieht Huemer aber nicht nur für die Unternehmen, sondern auch für die Stadt selbst im Rahmen der Smart City-Strategie.

Dabei geht es darum, die Umwelt durch den sparsamen Einsatz von Ressourcen zu schonen und gleichzeitig die Lebensqualität der Bürger zu erhöhen. Die Stadt setzt dazu auf Kooperationen mit Unternehmen ebenso wie auf eine Einbindung der Menschen: Auf www.partizipation.wien.at können engagierte Bürger ihre Vorschläge zu IT-Themen der Stadt einbringen, derzeit sind zum Beispiel Ideen rund um die Themen Open Government Data (OGD) und künstliche Intelligenz (KI) gefragt.

Bots und Busse

KI ist zugleich neben Blockchain eines der  großen Themen, mit denen sich die Stadt weiterentwickeln will. „Durch bestehende KI-Lösungen konnten wir Prozesse bereits einfacher und effizienter gestalten – für unser Verwaltungspersonal und unsere Bürgerinnen und Bürger“, so Finanzstadtrat Peter Hanke. Dafür nennt die Stadt in einer Presseaussendung zahlreiche Beispiele – etwa den WienBot, einen Chatbot der Stadt, der Antworten zu 350 Themen aus der Stadtverwaltung liefert.

Der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) wiederum hat ein laufendes Projekt, bei dem mit Hilfe von künstlicher Intelligenz eine semantische Suche im Bereich der klinischen Dokumentation für eine bessere und automatisierte Leistungscodierung von medizinischen Diagnosen eingesetzt wird. Das spart den Ärzten Zeit. Parallel dazu setzt der Kundenservice von Wiener Wohnen auf den Einsatz einer intelligenten Callcenter-Lösung mit semantischer Suche, die aufgrund der Eingabe der Fragestellungen der Kunden automatisiert nach Lösungen sucht. Dadurch wird die Einschulungszeit der Mitarbeiter verkürzt.

Und in der Seestadt Aspern waren im Juli erstmals zwei selbstfahrende Busse mit Fahrgästen unter Realbedingungen auf einer öffentlichen Straße unterwegs. In Zukunft werden laut Huemer 30.000 Menschen in der Seestadt Aspern leben, die von den autonom fahrenden Bussen profitieren werden.

Eine Frage des Vertrauens

Die Zukunftsfähigkeit dieser Lösungen hängt jedoch stark davon ab, ob Menschen ihnen vertrauen, wie Dorothee Ritz, General Managerin bei Microsoft Österreich, betont: Um dieses Vertrauen zu gewinnen, müssen Fragen der Sicherheit, des Datenschutzes und der Regulierung von KI geklärt werden. Deshalb müssen wir uns jetzt besonders stark mit der Mensch-Maschine-Beziehung auseinandersetzen.“ Man müsse durch kluge Regulierung sicherstellen, dass immer der Mensch und das Wohl der Gemeinschaft im Mittelpunkt stehen, betont Ritz: „Verwaltungspersonal soll im E-Government keinesfalls ersetzt, sondern durch KI in der täglichen Arbeit unterstützt werden.“

Zugleich gibt es noch viel zu tun, und es mangelt teils an entsprechendem Know-How: Laut einer aktuellen Studie von Microsoft erwartet zwar über die Hälfte der österreichischen Unternehmen einen Einfluss von KI auf das Kerngeschäft – die heimische KI-Expertise ist im europäischen Vergleich jedoch unterdurchschnittlich.