Netzpolitik
28.11.2018

Zehn Fragen und Antworten zur Smart-Meter-Einführung in Österreich

Was sind intelligente Stromzähler? Was können sie, wem nutzen sie und was sind die Gefahren? Wir haben die wichtigsten Antworten.

In Österreich sollen 5,5 Millionen mechanische Stromzähler gegen intelligente Stromzähler, sogenannte Smart Meter, getauscht werden. Mitte November haben nach vielen Bundesländern nun auch die Wiener Netze mit der Umstellung begonnen. In der Landeshauptstadt werden insgesamt 1,6 Millionen Stromzähler umgerüstet werden. Begonnen wurde mit Teilen von Meidling, Donaustadt und Favoriten. In den nächsten 1,5 Jahren werden 80 Prozent der Zähler umgerüstet. Aus diesem Grund widmen wir uns den wichtigsten Fragen und Antworten rund um intelligente Stromzähler.

Was ist ein Smart Meter?
Ein Smart Meter ist ein intelligenter Stromzähler, der digitale Daten empfängt und sendet. Er ist außerdem in ein Kommunikationsnetz eingebunden. Im Gegensatz zum bereits seit Jahrzehnten eingesetzten mechanischen Ferraris-Zähler besitzt der neue, elektronische Stromzähler keine mechanisch bewegten Teile.

Elektronische fernauslesbare Messgeräte werden in Gewerbe- und Industriebetrieben bereits seit über 15 Jahren standardmäßig eingesetzt. Jetzt kommen sie auch im privaten Bereich. Neben Stromzählern werden im weiteren Sinne auch zur Fernübertragung ausgerüstete Zähler für den Gas-, Wasser- und Fernwärmeverbrauch als intelligente Zähler bezeichnet.

Warum kommt es zu einer Umstellung?
In einem EU-Binnenmarktpaket wurde geregelt, dass bis 2020 mindestens 80 Prozent aller Kundenanlagen mit den neuen Stromzählern ausgestattet sein müssen. In Österreich hat der Bundesgesetzgeber die Einführung von Smart Metern beschlossen und im Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetz (ElWOG) und Gaswirtschaftsgesetz (GWG) sowie einigen Verordnungen geregelt.

Ursprünglich hätten in Österreich bis Anfang 2019 95 Prozent der analogen Stromzähler auf digitale, smarte Zähler ausgetauscht werden sollen. Der neue Zeitplan sieht vor, dass wie im EU-Ziel vorgesehen mindestens 80 Prozent der Haushalte bis Ende 2020 mit einem Smart Meter ausgestattet sein müssen. Bis Ende 2022 erhöht sich die Verpflichtung der Umstellung auf zumindest 95 Prozent.

Was ist der Unterschied zu einem digitalen Zähler?
In Österreich wurde in den „Marktregeln“ festgelegt, dass es künftig einen „digitalen Standardzähler“ (DEZ) für alle geben wird. Das ist ein elektronischer Zähler, der bidirektional kommunizieren kann und digitale Daten empfängt und sendet. Dieser wird in 95 Prozent aller Haushalte eingeführt und kann nicht vom Kunden abgelehnt werden. Hardwaremäßig sind digitale Standardzähler und intelligente Stromzähler gleich.

Die Unterscheidung liegt in der Software und dem Abrufen der Stromverbrauchsdaten. Beim intelligenten Stromzähler darf der Stromverbrauch von den Netzbetreibern im 15-Minuten-Intervall gemessen werden. Bei einem Opt-Out wird der Energieverbrauch wie bisher einmal pro Jahr gemessen und gesendet. Das passiert allerdings rein digital und es muss niemand mehr zum Ablesen kommen.

Manche Netzbetreiber führen allerdings auch andere Kriterien für die digitalen Zähler ein, die sich minimal von den gesetzlichen Mindestvorgaben unterscheiden. Die Wiener Netze, die im November 2018 mit dem Rollout der Zähler begonnen haben, werden die summierten Stromverbrauchsdaten einmal pro Tag ablesen und übermitteln. Kunden, die einen „Smart Meter“ aus ihrem digitalen Zähler machen wollen, müssen per „Opt-in“ aktiv verlangen, dass der Stromverbrauch alle 15 Minuten gemessen wird. Per „Opt-out“ wird geregelt, dass die Messung des Energieverbrauchs nur einmal pro Jahr stattfindet.

Was bringen Smart Metern den Netzbetreibern?
Netzbetreiber argumentieren häufig, dass sie die genauen Verbrauchsdaten benötigen, damit sie die Netze besser regulieren können. Doch für eine Verbrauchs- und Prognosestatistik könnte man die Daten auch anonymisiert verwenden, die konkreten Verbrauchsdaten der einzelnen Haushalte werden dafür eigentlich nicht benötigt.

Der Nutzen für Netzbetreiber besteht darin, dass digitale Zähler es ermöglichen, den Zählerstand aus der Ferne abzulesen und im Bedarfsfall Stromzähler aus der Ferne auch auf- und abzudrehen. Sind Kunden etwa bei der Zahlung säumig, oder ziehen Mieter um und die neuen ziehen erst mit Verzögerung ein, brauchen Netzbetreiber nicht mehr Mitarbeiter hinschicken, alles läuft aus der Ferne ab.

In weiterer Folge ist auch die Einführung neuer, flexibler Tarife ein Vorteil für Netzbetreiber. Damit diese möglich werden, müssen aber noch Gesetzesänderungen beschlossen werden.

Was bringen Smart Metern den Nutzern?
Offiziell beworben werden die intelligenten Zähler damit, dass man damit Energie sparen kann, weil man stille Verbraucher in seinem Haushalt ausfindig machen und damit Strom und Geld sparen kann. Studien zeigen, dass sich durch Smart Meter jedoch nur im Schnitt bis zu 3,7 Prozent an Energie – rund neun bis 42 Euro pro Jahr und Haushalt – einsparen lassen.

Dazu müsste man allerdings seinen Stromverbrauch anhand der Daten, die man über ein Webportal ab dem nächsten Tag abrufen kann, aktiv analysieren und sein Verhalten ändern. Eine Erhebung der österreichischen Energieagentur im Rahmen eines EU-Projekts ergab zudem, dass Österreicher zwar an neuen Dienstleistungen Interesse haben, allerdings ihr Nutzerverhalten nicht aktiv anpassen möchten.

Der einzige Vorteil für Kunden besteht darin, dass beim Einzug in eine neue Mietwohnung die Einschaltung des Stroms auf Knopfdruck erfolgen kann und es zu keinen Wartezeiten kommt. Plus: Technik-affine Nutzer können sich über eine Kundenschnittstelle mit dem Gerät verbinden und Home-Automation-Systeme direkt einbinden.

Welche Technik kommt zum Einsatz?
Es gibt verschiedene Methoden, wie die digitalen Zähler mit den Netzbetreibern kommunizieren können. Einerseits gibt es als Methode die Übertragung der Daten per Mobilfunk, andererseits gibt es die Übertragung per Powerline-Communication (PLC). Hier wird das Datensignal über eine elektrische Leitung an die nächsten Trafostation übertragen. Damit bei größeren Entfernungen vom Haus bis zur nächsten Trafostation das Datensignal auch tatsächlich ankommt, verstärkt jeder digitale Zähler die Datensignale auf der Leitung.

Ein dritter, alternativer Weg wäre die Übertragung über eine kabelgebundene Internetverbindung oder Glasfaser. Bisher ist allerdings kein Netzbetreiber bekannt, der diese Übertragungsart verwendet.

Die meisten österreichischen Netzbetreiber setzen auf einen Mix zwischen Funk-Übertragung und PLC. Die Wiener Netze haben auf futurezone-Anfrage bekannt gegeben, auf PLC zu setzen.

Wie lange werden die Daten gespeichert?
Im Stromzähler verbleiben die Daten für maximal 60 Tage. Das ist in der Intelligenten Messgeräte-Anforderungsverordnung aus dem Jahr 2011 geregelt. Die Verbrauchsinformationen werden außerhalb des Zählers drei Jahre lang aufbewahrt und können so lange auch im Webportal der Netzbetreiber eingesehen werden.

Was sind die Gefahren und Probleme von Smart Metern?
Die gesammelten Daten geben ausführliche Auskünfte über den Stromverbrauch eines Haushalts. Bei sekundengenauer Ablesung könnte etwa festgestellt werden, wer gerade welches Fernsehprogramm schaut, ob man in der Früh duscht oder sich Frühstück gemacht hat, oder ob gerade Kinder alleine zu Hause sind. Derzeit werden diese Daten nicht so detailliert gesammelt, aber technisch möglich wäre es. Möglich wäre auch, diese personenbezogenen Verbraucherdaten mit Dritten zu teilen. Viele Menschen haben daher Angst vor dieser verpflichtenden Datensammlung.

Neben der Datensammlung warnen Sicherheitsforscher seit Jahren vor der „bidirektionalen Kommunikationsmöglichkeit“ der Zähler, die die Fernabschaltung ermöglichen. Da es sich bei Smart Metern um nichts anderes als „vernetzte Computer“ handelt, sind sie Einfallstor für Missbrauch und Manipulation. Spanische Sicherheitsforscher haben etwa bereits in einem Hack gezeigt, dass damit sogar ein großflächiger Stromausfall herbeigeführt werden könnte. Auf Malta wurden Smart Meter so manipuliert, dass damit Strom im Wert von 30 Millionen Euro gestohlen wurde.

Weitere Probleme betreffen Elektrosmog und Messgenauigkeit. Die Initiative „Stop Smart Meter“ warnt vor einer erhöhten Elektrosmog-Belastung durch die permanente Kommunikation der Zähler mittels PLC. Zudem gab es bereits Fälle, bei denen Smart Meter knapp 600 Prozent mehr gemessen hatten als tatsächlich verbraucht wurde.

Wie kann man einen Smart Meter ablehnen (Opt-Out)?
Kunden, die keinen neuen intelligenten Zähler möchten, haben per Gesetz die Möglichkeit eines Opt-Outs. Sie können also Widerspruch gegen intelligente Messgeräte einreichen. Das geht allerdings erst, wenn man als Kunde das Informationsschreiben seines Netzanbieters bekommen hat und nicht schon im Vorhinein. Der Widerspruch muss dann schriftlich eingereicht werden. Es gibt hierfür etwa ein Musterformular von epicenter.works.

Netzbetreiber informieren in der Regel zwischen drei bis sechs Wochen vor der Montage des neuen, intelligenten Zählers die Kunden. Kunden, die sich für ein Opt-Out entscheiden, bekommen trotzdem einen digitalen Zähler installiert. Ihnen werden nur die intelligenten Funktionen per Software abgedreht.

Neben der Initiative „Stop Smart Meter“, dem Datenschutzverein epicenter.works können sich Kunden auch mit Fragen an die Arbeiterkammer (AK) wenden. Die AK Wien Smart Meter Hotline ist von Montag bis Freitag zwischen 8.00 und 20.00 Uhr unter der Nummer 0800 / 20 22 44 oder per E-Mail unter smart.meter@akwien.at erreichbar.

Entstehen beim Zählertausch Mehrkosten für Kunden?
Indirekt ja. Direkt beim Zählertausch entstehen für Kunden keine Zusatzkosten. Die Umstellung ist durch das Messentgelt und die Netztarife abgedeckt. Die Netztarife werden von der Regulierungsbehörde E-Control per Verordnung festgelegt und Höchstpreise für die Messentgelte bestimmt.

Die E-Control hat im Jahr 2017, nachdem die Einführung der Smart Meter beschlossene Sache war, die Struktur der Netzentgelte „modernisiert“ und „an die neue Stromwelt angepasst“. Ab Anfang 2019 soll ein neues Stromnetzentgeltsystem ab Anfang 2019 in Kraft treten. Schon mit Anfang 2017 wurde die Netzpauschale auf 30 Euro netto angehoben.