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Festival
10/09/2013

"Wir lieben die Maschine, aber wir hassen die Fabrik"

3D-Drucker, Raspberry Pis und Stickmaschinen: Beim Festival Vienna Open werden Werkzeuge der dritten industriellen Revolution vorgestellt und gemeinsame Arbeitsweisen erprobt.

von Patrick Dax

"We love the machine but hate the factory", unter diesem Motto findet von 17. bis 31. Oktober in Wien das Festival Vienna Open statt. Im Zentrum stehen dabei offene Formen der Zusammenarbeit und Werkzeuge, die gemeinsame Produktionsweisen ermöglichen und unterstützen. "Wir wollen zeigen, dass offene Arbeitsweisen Konverstationen erleichtern und Produkte besser machen", sagt Gerin Trautenberger von der Wiener Designfirma microgiants, die das Festival zu Open Design, Shared Economies und der dritten industriellen Revolution heuer bereits zum zweiten Mal veranstaltet.

3D-Drucker und interaktive Musikinstrumente

Im Pop-up Store Neubau in der Wiener Westbahnstraße kann mit vier 3D-Druckern herumgespielt werden. In Workshops wird vermittelt, wie ein digitaler Fabrikator - im konkreten Fall ein RepRap Mendel Max - selbst gebaut werden kann. Auch mit dem Raspberry Pi wird experimentiert. Der Minicomputer kommt etwa in einem Workshop beim Bau interaktiver Musikinstrumente zum Einsatz.

Die vielfältigen Möglichkeiten offener Produktionsweisen werden aber nicht nur mit 3D-Druckern, Rasperry Pis und der Arduino-Plattform demonstriert. Die Wiener Software-Entwicklerin Andrea Mayr-Stalder zeigt, was passiert, wenn Open Source auf Stickmaschinen trifft. Beim Projekt "Stitchcode", das Open-Software-Bauteile mit der üblicherweise höchst proprietären Welt der Stickmaschinen kurzschließt, können Besucher selbst entwickelte Stickmuster auch auf eigene Kleidungsstücke applizieren.

Vienna open

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Wie sich Ideen aus dem Open Design mit traditionellen Handwerk vereinen lässt, demonstriert das italienische Studio Superfluo, das aus Europaletten im Rahmen eines Workshops Stühle der Wiener Werkstätten nachbauen wird. Auch Drucktechniken, wie die Risographie, bei der Farben ohne Anwendung von Chemikalien und Hitze auf Papier gebracht wird, und das Open-Source-Tool Egg-Bot, mit dem sich kugel- oder eierförmige Objekte bemalen lassen, können bei dem Festival ausprobiert werden.

Wettbewerb für Open Design

Gemeinsam mit der niederländischen Waag Society wird ein Open Design Contest veranstaltet, bei dem Ideen und offene Produktpläne eingereicht, aber auch bereits bestehende Konzept adaptiert werden können. "Anderen fallen vielleicht Dinge zu meinen Produkten ein, auf die ich nicht gekommen wäre", sagt Trautenberger: "Das ermöglicht die Evolution der Gegenstände."

Bei dem Festival geht es aber nicht nur um die handfeste Auseinandersetzung mit neuen Produktionsmitteln. In Vorträgen und Workshops werden auch Geschäftsmodelle, Strategien und Potenziale offener Produktionsweisen erörtert. Open Hardware ist dabei ebenso Thema wie Open-Source-Taktiken in der Mode und der kreative Umgang mit offenen Daten.

Möbel zum Download und faires Smartphone

Angekündigt haben sich unter anderem der israelische Designer Ronen Kadushin, der seine Entwürfe unter einer Creative-Commons-Lizenz zum freien Download ins Netz stellt und es damit Nutzern ermöglicht, mit digitalen Herstellungsmethoden wie 3D-Druck, Lasercutter oder CNC-Maschinen ihre eigenen Versioen zu produzieren. Marleen Sticker von der Waag Society wird über das weltweit erste fair produzierte Smartphone, das Fairphone, sprechen, das aus einem Open-Design-Projekt der niederländischen Initiative hervorgegangen ist.

Im Pop-up Store Neubau, der noch bis zum Jahresende geöffnet ist, kann aber nicht nur mit neuen Produktionsmitteln experimentiert werden. In dem Eckladen im siebenten Wiener Gemeindebezirk können auch kollaborativ hergestellte Produkte von österreichischen und internationalen Designern besichtigt und erworben werden.

"Wir versuchen den Bogen zu spannen von der Ideenfindung, der Umsetzung über die Hardware bis hin zu den Geschäftsmodellen", sagt Trautenberger. Schon heute würden viele Designer und Produzenten in vernetzten Strukturen zusammenarbeiten. Wir wollen ihnen Konzepte wie Open Design und freie Lizenzen näher bringen. Durch vernetzte Technologien und neue Maschinen verändere sich die Arbeit des Gestalters, so der Vienna-Open-Veranstalter. "Wir wollen dazu anregen, diese neuen Möglichkeiten zu nutzen."