Digital Life
20.01.2015

"Wir wollen nicht für Uber arbeiten"

Uber und andere Unternehmen der "Sharing Economy" schaffen ein neues Prekariat, warnte der Autor Andrew Keen bei der DLD-Konferenz in München.

Das Internet funktioniere nicht, sagte der Internet-Kritiker Andrew Keen (futurezone-Interview) am Montag bei der Konferenz Digital Life Design (DLD) in München. Es trage zu ökonomischer Ungleichheit und zum Arbeitsplatzabbau bei, so der im Silicon Valley lebende Autor, dessen jüngstes Buch "The Internet is not the answer" (Deutsch: "Das digitale Debakel") vor kurzem erschien und auch an die Konferenzbesucher verteilt wurde.

Keen forderte mehr Regulierung von Internet-Diensten. Als Beispiel nannte er den Fahrdienstvermittler Uber, dessen Gründer sich am Sonntag bei der DLD-Konferenz als Weltverbesserer inszenierte und allein in Europa 50.000 neue Jobs durch seinen Dienst in Aussicht stellte.

"Neues Prekariat"

"Wir wollen nicht für Uber arbeiten", sagte Keen. Uber trage, wie andere Unternehmen der sogenannten "Sharing-Economy", dazu bei, dass ein neues Prekariat entstehe. Unternehmen wie Uber würden keine richtigen Jobs schaffen, die auch soziale Sicherheit bieten: "Wenn es bei der industriellen Revolution keine regulatorischen Eingriffe gegeben hätte, hätten wir heute noch 11-Jährige die in Fabriken arbeiten."

Der alte utopische Traum von einem globalen Netzwerk werde nicht Wirklichkeit, sagte Keen. Unternehmen, wie Google, würden alles, was wir tun, beobachten und zu Geld machen. "Wir brauchen Geschäftsmodelle, die eine wirkliche Auswahl bieten anstatt ihre Kunden in Produkte zu verwandeln und ihre Arbeit auszubeuten." Die bei der Konferenz zahlreich anwesenden Risikokapitalgeber forderte Keen auf, nicht in "fiesen" Firmen zu investieren.

"Das Internet hat viele Feinde"

Auch Mikko Hypponen von der Sicherheitsfirma F-Secure schlug kritische Töne an. Das Internet habe viele Feinde. Online-Kriminelle seien dabei nicht das größte Problem. "Sie haben nicht so viel Macht wie Politiker", sagte Hypponen unter Verweis auf den britischen Premierminister David Cameron, der in der vergangenen Wocheein Verbot von Verschlüsselung forderte. " Cameron könnte ebensogut die Privatsphäre verbieten oder verlangen, dass Leute anstatt Briefe Postkarten schreiben", meinte der Sicherheitsspezialist.

Regierungen seien mittlerweile ein "großer Player" bei Online-Attacken geworden, warnte Hypponen. Staaten wie die USA, Großbritannien, China, Nordkorea und der Iran würden sich gegenseitig angreifen und attackieren. Die USA hätten auch nur deshalb mit Sicherheit sagen können, dass Nordkorea hinter den Attacken auf das Filmstudio Sony stehe, weil sie bereits davor in nordkoreanische Netzwerke eingedrungen seien.

Das Web gebe es seit 20 Jahren, das Internet seit mehreren Dekaden, mahnte Hipponen: "Wir haben ein freies und offenes Internet bekommen. Wir sollten auch darüber nachdenken, wie wir es an die nächste Generation weitergeben."