Dell Alienware Steam Machine

© Gregor Gruber

Games
12/28/2015

Alienware Steam Machine im Test: Im Grunde unnötig

Die Hardware der Dell Alienware Steam Machine hat das Zeug zum Wohnzimmer-Gaming-PC, das Betriebssystem SteamOS ist allerdings ein Bremsklotz.

Valves Konzept der Steam Machines klingt vernünftig. Dritthersteller produzieren kompakte Gaming-PCs für das Wohnzimmer, von Valve kommt das Betriebssystem SteamOS. Das auf Linux-basierende SteamOS soll speziell für Games optimiert sein, wodurch auch günstigere und kompakte Hardware ausreichend Leistung für Spiele liefern soll.

Die Games werden über Valves Spiele-Plattform Steam gekauft und heruntergeladen und wer bereits eine gut gefüllte Steam-Games-Bibliothek hat, kann diese mit den Steam Machines problemlos am Flat-TV zocken. Durch den von Valve entwickelten Steam Controller, der jeder Steam Machine beiliegt, soll eine breite Unterstützung gewährleistet werden. Auch Games, die üblicherweise mit Maus und Tastatur gesteuert werden, sollen so auf der Couch gespielt werden können.

Kurz gesagt: Steam Machines sollen das beste beider Welten vereinen: So simpel und komfortabel wie eine Spielkonsole, aber mit der riesigen Auswahl an PC-Games, die noch dazu günstiger sind als Konsolenspiele und besser aussehen. Die Realität weicht momentan stark von diesem Konzept ab und lassen die Steam Machines wie einen nicht erfüllten Wunschtraum wirken. Die Hardware-Hersteller haben ihren Beitrag geleistet, Valves SteamOS entpuppt sich aber als unausgereift und Bremsklotz. Die futurezone hat die Dell Alienware Steam Machine getestet.

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Hardware

Die Alienware Steam Machine gibt es im Grunde schon seit einem Jahr. Da der offizielle Start der Steam Machines mehrmals verschoben wurde, hat Dell bereits Ende 2014 Alienware Alpha (hier geht es zum Test) veröffentlicht. Die Hardware ist mit der Alienware Steam Machine ident, diese hat lediglich SteamOS statt Windows 8.1 installiert und wird mit einem Steam Controller ausgeliefert.

Das Gehäuse ist kompakt genug, um den Mini-PC gut in der Wohnzimmer-Landschaft zu integrieren. Per HDMI-Pass-Through lässt sich die Steam Machine zwischen Flat-TV und ein anderes HDMI-Gerät stoppeln, um nicht einen eigenen HDMI-Anschluss zu verbrauchen. Surround Sound gibt es über einen optischen Audioausgang, vorne sind zwei USB 2.0-Slots, hinten zwei USB 3.0-Slots. An der Unterseite gibt es noch einen 2.0-USB-Stick hinter einer Klappe, der für den Bluetooth-Empfänger des Steam Controllers gedacht ist.

Die Alienware Steam Machine gibt es in vier Ausstattungsvarianten. Die günstigste Version kostet 599 Euro und ist mit einem i3 und 4 GB RAM eher schwachbrüstig. Die von der futurezone getestete Spitzenvariante hat eine i7 CPU, 8 GB RAM, 1TB Festplatte mit 7.200 Umdrehungen und kostet 939 Euro. Alle Modelle nutzen eine Nvidia GTX-Grafikkarte mit 2 GB RAM, deren Leistung in etwa der Nvidia Geforce 860M-Grafikkarte entspricht. Der HDMI-Ausgang dieser Grafikkarte ist nur HDMI 1.4a – in Zeiten von UHD-TVs wäre HDMI 2.0 angebracht gewesen.

Das Lüftergeräusch der Steam Machine ist konstant hörbar, beim Spielen wird es aber üblicherweise von den Game-Sounds übertönt.

SteamOS

Valves Betriebssystem SteamOS soll eine Konsolen-ähnliche Erfahrung bieten. Wer die Spieleplattform Steam schon Mal im „Big Picture“-Modus genutzt hat, der für den Einsatz mit Flat-TVs ausgelegt ist, wird sich auch in SteamOS schnell zurecht finden. Die großen Kacheln erinnern an die Menüs von Konsolen, das Navigieren per Controller ist relativ intuitiv. Die Texteingabe wird standardmäßig mit beiden Touchflächen des Controllers vorgenommen – einer für die linke und einer für die rechte Seite des virtuellen Keyboards. Mit etwas Übung geht die Texteingabe so flotter als mit der üblichen Buchstaben-Auswahl per Analogstick.

Die Einstellungen von SteamOS sind nur rudimentär. So lässt sich die Displayauflösung nicht verändern, dafür aber die Farbe der zwei beleuchteten Elemente des Alienware Steam Machine Gehäuses. Trotz der Wahl der richtigen Zeitzone in den Einstellungen wird die falsche Uhrzeit angezeigt.

Kein Multimedia-Gerät

Da die Steam Machine für den Einsatz im Wohnzimmer ausgelegt sind, bietet sich der Einsatz als Multimedia-Player an. SteamOS kann aber lediglich Musik abspielen. Einen integrierten Video Player gibt es nicht. Auch die üblichen Streaming-Apps, wie Netflix oder Amazon Instant Video, gibt es nicht in SteamOS.

Immerhin ist es möglich den normalen Linux-Desktop zu aktivieren und in diesen zu wechseln. Die Navigation am Desktop mit dem Steam Controller ist möglich aber mühsam. Hier können die üblichen, Linux-kompatiblen Mediaplayer und Streaming-Lösungen genutzt werden. Dennoch ist es nicht komfortabel, den Start einer Videodatei über den Desktop erledigen zu müssen, anstatt über SteamOS.

Ebenfalls abgängig: das Steam-Overlay-Menü. Im normalen Steam-Client für PC kann die FPS-Anzeige in den Einstellungen aktiviert werden. Bei SteamOS fehlt die Option derzeit. Workarounds sind über den Linux-Desktop möglich.

Zu wenig Spiele

Die riesige Steam-Spieleauswahl auf dem Flat-TV nutzen, so einfach wie mit einer Spielkonsole: Das spielt’s nicht. Die Games müssen Linux bzw. SteamOS-kompatibel sein, damit sie auf Steam Machines nutzbar sind. Im Test waren dies 11 von über 60 Spielen, drei davon waren kostenlos bei der Steam Machine enthalten.

Eine Liste der kompatiblen Spiele gibt es hier. Dazu gehören viele Indie-Games. Mainstream-Titel, egal ob alt oder neu, sind leider in der Minderheit. Aktuelle Blockbuster wie Witcher 3, MGS5, Fallout 4, Pro Evo 16 und GTA5 sucht man vergebens. Die Batman-Games fehlen ebenfalls, sowohl alte als auch neue. Dasselbe gilt für Call of Duty.

Stream per Steam

Auch nicht kompatible Spiele können mit SteamOS genutzt werden: per Streaming. Das Streamen erfolgt von PC zum SteamOS, ist aber auch umgekehrt möglich. Wirklich Spaß macht allerdings keine der beiden Varianten. Selbst wenn die Streaming-Qualität, sowohl beim Quell-PC als auch bei der Steam Machine, auf „schnell“ gestellt ist, machen Ruckler und Aussetzer das Spielen nahezu unmöglich. Noch dazu sind die Kompressions-Artefakte und Unschärfen überdeutlich sichtbar und die Tonaussetzer sehr störend.

Getestet wurde das Streaming mit aktuellen und zur Sicherheit auch mit älteren Spielen. Call of Duty: Modern Warfare 2 ruckelt unspielbar, trotz 1280 x 720 Pixel, der Grafikeinstellung niedrig, eine WLAN-Anbindung per 5-Ghz-Band und drei Meter, ungehinderte Luftlinie zwischen PC mit WLAN-Router und Steam Machine. Ohne Streaming läuft dasselbe Spiel am PC mit 1920 x 1080 Pixel und der Grafikeinstellung „Extra“ flüssig.

Leistung Steam Machine

Wie bereits in Benchmarks festgestellt wurde, ist SteamOS nicht so Games-optimiert, wie es sein sollte. Das dürfte großteils am Fehlen aktueller Linux-Treiber für die Hardware liegen. Das wirkt sich nicht nur in Benchmarks, sondern auch in der Praxis aus.

Dead Island (2011 erschienen) läuft bei hohen Grafikeinstellungen und 1920 x 1080 nicht flüssig. Das aktuelle Downloadgame Breach and Clear: Deadline läuft nicht gänzlich flüssig, obwohl es kein allzu grafisch aufwendiges Spiel ist. Metro: Last Light läuft bei hohen Grafikeinstellungen flüssig, dafür fehlen aber bei der Linux/SteamOS-Version die erweiterten Grafikeinstellungen. Empire: Total War, Civilization 5 und Half Life 2: Lost Coast sind, wenig überraschend, mit hohen Grafikeinstellungen flüssig spielbar.

Steam Controller

Die Alienware Steam Machine wird, wie alle anderen Steam Machines auch, mit Valves Steam Controller geliefert. Dieser kann um 55 Euro auch separat gekauft werden und ist ebenfalls mit Windows und OS X kompatibel. Der erste Eindruck ist nicht berauschend: Durch das glänzende und an manchen Stellen recht dünne Plastik und die kleinen A,B,X,Y-Tasten wirkt der Steam Controller wie ein günstiger, Third-Party-Xbox360-Controller.

Der Controller wird per Micro-USB-Anschluss oder durch zwei AA-Batterien mit Strom versorgt. Die kabellose Verbindung erfolgt per Bluetooth-USB-Adapter. Die Reichweite ist geringer als die der Xbox-One- und PS4-Controller. Im Gegensatz zu diesen Konsolen-Controllern sind die zwei Griffe nach oben gebogen. So sollen die zwei Touchpads – eines links und eines rechts – leichter mit den Daumen erreicht werden. Das rechte Touchpad ersetzt den üblichen, zweiten Analogstick, das linke Touchpad das digitale Steuerkreuz.

Die A,B,X,Y-Tasten sind relativ weit unten und innenliegend. Ist man einen Xbox-One- oder PS4-Controller gewohnt, erwischt man anfangs deshalb relativ häufig die B-Taste, obwohl man A drücken wollte. Die L1- und R1-Tasten sind etwas zu hoch. An der Rückseite sind noch zwei Paddel-Tasten. Der Widerstand der Paddel-Tasten hätte ruhig etwas geringer ausfallen können.

Profile

Will man mit dem Steam Controller einfach nur loslegen, sollte man ein Spiel wählen, das in der Bibliothek mit einem Controller-Icon markiert ist. Dieses sollte für die Bedienung mit dem Steam Controller optimiert sein – mit Betonung auf sollte. Anomaly: Warzone Earth hat so ein Symbol dabei und lässt sich mit dem Controller nicht mal richtig starten.

Bei Metro: Last Light und vielen anderen Games mit dem Symbol wird der Controller als Xbox360-Controller erkannt. Das Problem dabei ist, dass die Emulation des rechten Analogsticks durch das rechte Touchpad nicht optimal ist. Selbst wenn man Ingame die Empfindlichkeit erhöht, wirkt sich das kaum auf die oft zu langsame Geschwindigkeit aus.

Hier kommen die Profile ins Spiel. Drückt man die Steam-Taste auf dem Controller kommt man ins SteamOS-Menü für das Spiel. Von dort aus können im Controller-Menü andere Profile ausgewählt werden. Die generischen Profil-Vorlagen von Valve sind etwas halbherzig und nicht für das jeweilige Game optimiert. Es werden auch von der Community-erstellte Profile angeboten. Mit etwas herumprobieren findet man unter diesen meist ein Profil, das brauchbar ist. Der Nachteil dabei: Da jeder eine andere Vorstellung von der optimalen Belegung hat, gibt es kein durchgängiges Konzept. Zwei sehr ähnliche Shooter können also komplett unterschiedlich steuerbar sein, weil die Profile von verschiedenen Usern stammen.

Umfangreiches Feintuning

Deshalb wird man nicht darum herumkommen selbst Profile zu erstellen, bzw. zu bearbeiten. Durch das umfangreiche Einstellungsmenü können Profile für alle Games gebastelt werden, da der Controller mehrere Möglichkeiten bietet Maus- und Tastatureingaben zu simulieren. So können auch Games mit dem Steam Controller gespielt werden, die eigentlich keinen Controller-Support haben.

Im Controller-Menü wird man regelrecht erschlagen von Konfigurationsmöglichkeiten. PC-Spieler werden sich darüber freuen, Konsolen-Spieler, oder solche, die sich eine Konsolen-ähnliche Erfahrung von Steam Machine erhofft haben, werden mitunter überfordert sein. Zu den Konfigurationsmöglichkeiten gehören: Mehrere Stile für das Touchpad links, wie Tastenfeld, Steuerkreuz, Maus, Joystick und Joystickkamera. Alternativmodus zum Umschalten, Touch Menü mit Schaltflächen, wie etwa für Quicksave oder Quickload, Feedbackstärke (eine Art Rattern unter dem Touchpad) und ob man einen Klick braucht, um das Touchpad zu verwenden. Beim rechten Touchpad werden Empfindlichkeit, Rotation, Beschleunigung, Trackball-Modus und -Widerstand, Alternativmodus, Achse Inventieren, Glättung, Antippen, Randbewegung, usw. justiert.

Der Gyrosensor, mit dem der Controller Bewegungen erkennt, ist ebenfalls konfigurierbar mit den Parametern Empfindlichkeit, Rotation, Beschleunigung, Neigung, Achsen, Empfindlichkeit, Gier und Rollachse. Natürlich sind auch die Tasten frei belegbar.

Gaming mit dem Controller

Beim Spielen macht sich immer wieder bemerkbar, dass der Steam Controller ein Kompromiss ist. Das Echtzeit-Strategie-Spiel Empire: Total War lässt sich überraschend gut mit dem Controller bedienen, schlussendlich fehlt es aber an der Präzision, etwa um die Truppenformation nach einem Marschbefehl korrekt einzugeben.

Bei Shootern muss man einen Kompromiss eingehen: Will man mit dem rechten Touchpad schnell oder präzise sein? Die Community nutzt den Gyro-Sensor des Controllers als Workaround. Bei vielen Shooter-Profilen wird mit dem rechten Touchpad schnell und grob gezielt. Mit dem Gyrosensor, also durch Drehen und Schwenken des Controllers, wird präzise gezielt. Das ist gewöhnungsbedürftig und es dauert etwas, bis man damit ausreichend schnell und kontrolliert zielen kann. Bei langsamen Shootern klappt das besser, bei Half Life 2: Lost Coast wünscht man sich Maus und Tastatur. Diese können natürlich mit der Steam Machine verwendet werden. Fragt sich nur, ob auf dem Sofa vor dem Flat-TV vernünftig mit Keyboard und Maus hantiert werden kann.

Fazit

Steam Machine kann die Erwartungen zur Zeit nicht erfüllen. Das liegt nicht an der Hardware, sondern an SteamOS. Es ist nicht so einfach wie eine Konsole zu bedienen und nicht so flexibel wie ein Windows-PC. Da nicht die gesamte Steam-Bibliothek in SteamOS verfügbar ist, ist es im Grunde unnötig.

Statt einer Steam Machine sollte man dieselbe Hardware mit Windows 10 und zusätzlich einem Xbox-One- oder Steam-Controller kaufen. Wer will kann noch die SteamOS Beta kostenlos herunterladen und auf dem W10-Wohnzimmer-PC ein Dualboot-System damit einrichten.