© Activision

Games

Destiny 2 Kriegsgeist im Test: 20 Euro für zwei Stunden Story

Destiny 1 habe ich jahrelang regelmäßig gespielt. Destiny 2 hat dieselben Fehler gemacht wie Destiny 1 im ersten Jahr und damit nicht nur meine Geduld auf die Probe gestellt. Es fehlte einfach an Inhalten und Endgame-Modi, die es in Teil 1 schon gab. Deshalb setzte zum Jahreswechsel 2017/208 ein Spielerschwund ein, obwohl das Game erst im September erschienen ist. Der Osiris-DLC, der im Jänner 2018 erschien, war ein schlechter Scherz und ließ noch mehr Gamer das Weite suchen.

Wie üblich versprach das Spielestudio Bungie Besserung. Was mit dem zweiten DLC „ Kriegsgeist“ (20 Euro) jetzt abgeliefert wurde, ist aber nicht die von Fans geforderte „Reparatur“ von Destiny 2, sondern eher ein Vorgeschmack. Man kann es von zwei Seiten sehen. Für Optimisten ist es so, als würde Bungie sagen: „So sieht es aus, wenn wir ein bisschen auf die Spieler hören. Freut euch auf das, was im Herbst als DLC kommt“. Pessimisten hingegen haben ein Bild im Kopf von Bungie, das einem dem Mittelfinger zeigt und sagt: „Hast du echt geglaubt es wird so einfach? Gib uns nochmal 20 Euro im Herbst, dann reden wir weiter.“

Kriegsgeister, Mars und Wurmgott

Dabei hörte es sich so gut an. Der Kriegsgeist Rasputin, der die Erde beschützen sollte, steht im Mittelpunkt der Handlung. Ein gewaltiger Wurmgott wird sich den Spielern aber in den Weg stellen. Das Ganze spielt noch dazu auf dem Mars, einen der großen Planeten von Destiny 1.

Was dabei rausgekommen ist: Eine Story-Kampagne, die in knapp zwei Stunden erledigt ist, mit einem Bossfight, dem man so gefühlt schon in 25 andere Games gespielt hat. Und der Mars ist nicht der riesige rote Planet aus Destiny 1, sondern eine kleinere Version, die in einem anderen Gebiet des roten Planeten spielt. Immerhin ist das neu zu entdeckende Gebiet deutlich größer und abwechslungsreicher als das der Osiris-Erweiterung.

Dafür hat man bei den Feinden gespart. Die Schar hat einen neuen Scharfschützen, der sich fast genauso verhält wie der Gefallenen-Sniper und Scharritter gibt es jetzt auch mit Schild. Eine neue Rasse gibt es nicht. Es gibt zwei neue Strikes, wobei einer eine recycelte Story-Mission ist, und einen neuen Raid.

Endgame

Immerhin hat sich Bungie erbarmt und die Endgame-Inhalte erweitert. Auf den Mars gibt es Plätze, auf denen ein Horde-Modus gestartet werden kann. Diese finden im erkundbaren Gebiet statt, ähnlich wie Public Events. Die Licht-Level-Empfehlung mit 360+ sind ernst gemeint. Selbst mit vielen Spielern ist es ansonsten nur schwer möglich, die Aufgaben innerhalb des Zeitlimits zu erfüllen.

Das Lichtlevel der heroischen Strikes wurde angehoben, auf 350. Außerdem sind die Modifikationen aus Destiny 1 dafür zurück, die wöchentlich wechseln. Endlich macht es wieder Sinn, sich Waffen und Rüstungen für die verschiedenen Elementtypen anzulegen. Ein fröhliches „willkommen zurück“ gibt es auch für Quests, um exotische Waffen freizuschalten.

Was ebenfalls zurück ist, ist der harte Grind zum maximalen Lichtlevel. Bis 385 erreicht wird, werden normale Spieler eine ganze Weile brauchen. So wie es jetzt aussieht, wird das nur möglich sein, wenn alle Aktivitäten gespielt werden, inklusive des PVP-Events Trial of the Nine. Wer Destiny 2 hauptsächlich wegen der Koop-Komponente spielt, wird also vermutlich früher oder später an eine Wand stoßen, frustriert sein und wieder mit Destiny 2 aufhören.

Kleinigkeiten

Es gibt noch ein paar Verbesserungen, die auch für Destiny-2-Spieler gelten, die den DLC nicht kaufen. So kann man jetzt alle vier Emojis selbst auswählen, anstatt nur eines. Eigentlich sollte man sich nicht darüber freuen, da es eine Frechheit ist, dass das nicht schon zum Start von Destiny 2 ging. Die Slots im Lagerplatz wurden vergrößert, aber Farben und Banner belegen immer noch Plätze im Inventory.

Für den PVP-Modus gibt es jetzt ein Ranking-System. Durch Siege steigt man im Level, Niederlangen reduzieren es. Bestimmte Waffen und Ausrüstungsgegenstände können nur mit einem hohen Level erworben bzw. freigeschaltet werden.

Fazit

Der Kriegsgeist-DLC ist deutlich besser als der erste Destiny-2-DLC, weil er mehr Endgame-Inhalte bietet. Dennoch: Zwei Stunden Story für 20 Euro ist happig. Als Destiny-2-Fan, der verzweifelt nach Gründen sucht endlich wieder zu spielen, ist der DLC dennoch willkommen – außerdem hat man als solcher ohnehin den Season Pass und zahlt die 20 Euro nicht nochmal extra.

Als hoffnungsvoller Gamer kann man den DLC als einen Schritt in die richtige Richtung sehen. Es ist ein Hinweis darauf, dass Destiny 2 Ende des Jahres, nach einem weiteren DLC, so umfangreich sein könnte, wie es zum Release hätte sein sollen. Wer Destiny 2 schon vor dem ersten DLC aufgegeben hat braucht jetzt nicht wieder damit anfangen. Und wer so klug war zu warten, bis es genügend Inhalte gibt: Kompliment für so viel Weisheit. Wartet noch den nächsten DLC ab, um zu sehen, ob die Taktik wirklich aufgeht.

Hat dir der Artikel gefallen? Jetzt teilen!

Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, vom Kopfhörer über Smartphones und Kameras bis zum 8K-TV.

mehr lesen
Gregor Gruber

Kommentare