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01.07.2018

Mario Tennis Aces im Test: Da wäre mehr drin gewesen

Mario Tennis Aces hat zwar einen Story-Modus, wird aber schnell in der „Hol‘ ich nur raus wenn ich Gäste habe“-Lade verschwinden.

Pete Sampras Extreme Tennis, Virtua Tennis, Top Spin: Im Laufe der Videospielgeschichte gab es einige gute Tennis-Spiele – und auch viel Schrott. Im Moment sind Tennis-Games aber rar, weshalb Fans des Filzballs über jede virtuelle Inkarnation ihres Lieblingssports dankbar sind. Centercourt frei für Mario Tennis Aces.

Wie sich erahnen lässt, wird hier Tennis in Nintendos Mario-Universum gespielt. Ungewöhnlich für so ein Fun-Sport-Game ist, dass es einen Story-Modus gibt. Und die Story ist genauso ein Augenroller, wie man es sich erwartet. Ein böser Tennisspieler hypnotisiert ein paar der Charaktere. Mario muss los, um Machtsteine zu finden, die den Bann brechen. Aber nicht ohne vorher Peach und Rosalina zu sagen, dass es zu gefährlich für sie ist mitzukommen – Macho Mario schlägt wieder zu.

Story Modus

Also zieht Mario alleine los – fast. Toad darf als Berater mitkommen. Für einen kleinen Pilz ist die Reise wohl weniger gefährlich als für eine mächtige Magierin, die hauptberuflich über das Weltall wacht. Das „Gefährliche“ an der Reise wird nicht in klassischer Mario-Manier durch Draufhüpfen beseitigt, sondern mit Tennis-Matches. Man will in den Wald gehen? Spiele vorher ein Tennismatch. Fleischfressende Pflanzen im Weg? Tennis. Eine Bootsfahrt? Klar, mit Tennisplatz am Deck. Geistervilla: Tennis, Zugfahrt: Tennis, Schneegipfel: Tennis. Zugegeben wäre es natürlich seltsam, wenn man in Mario Tennis Aces etwas Anderes machen würde als Tennis zu spielen, aber es wirkt oft wie Satire, anstatt eines ernstgemeinten Versuchs eines Einzelspieler-Modus.

Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, dass sich viele der Mini-Games wiederholen, die Boss-Kämpfe alle nach dem gleichen Schema ablaufen und die freischaltbaren Tennisschläger keine Spezialeigenschaften haben. Der neue Schläger ist einfach nur stabiler als der alte und kann härter zuhauen, egal ob er aus Holz, Eis oder Feuer ist.

Trotz des poppig bunten Looks ist der Story-Modus kein Zuckerschlecken. Im letzten Viertel steigt der Schwierigkeitsgrad massiv an. Die Gegner haben unfaire Vorteile und auch die Tennisplätze sind so ausgelegt, dass der Spieler im Nachteil ist. Es ist nicht unmöglich, aber lustig ist es auch nicht mehr.

Nichts zum Freischalten

Ist das erledigt, gibt’s noch den Turnier-Modus. Es gibt drei Turniere mit je drei Runden. Als Belohnung fürs Durchspielen gibt es: nichts. Die Turniere im Doppel mit einem menschlichen Mitspieler oder der KI zocken: geht nicht.

Dabei weiß es Nintendo doch eigentlich besser. In Mario Kart können Cups zu zweit gefahren werden. Erfolge schalten unzählige neue Teile frei. Auch in ARMS können die Doppelkämpfe zusammen bestritten und Gegenstände freigeschaltet werden. In Mario Tennis Aces können keine neuen Schläger für die normalen Modi und keine neuen Kleidungsstücke freigeschaltet werden. Das Game wirkt dadurch ein bisschen hingerotzt. Wo ist die Liebe zum Detail, Nintendo?

Immerhin spielen sich die 16 Charaktere merkbar unterschiedlich, was in lokalen und Online-Multiplayer-Spielen für Abwechslung sorgt. Ungewöhnlich für ein Tennis-Game ist, dass beim lokalen Multiplayer im Splitscreen gespielt wird. Eine Option um das zu deaktivieren gibt es nicht. Dafür gibt es aber einen „Einfach-Modus“. Darin sind die Spezialschläge und -Moves abgeschaltet und man kann pures Tennis spielen. Wer sich quälen will, kann im „Real-Modus“ die Joycon wie einen Tennisschläger schwingen.

Mario Tennis Aces

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Energieleiste

Der Grund warum in einem Arcade-Game der „Einfach-Modus“ viel Spaß macht, ist schnell gefunden: Die Basis von Mario Tennis Aces ist sehr stark. Es gibt Topspin, Slices, gerade Schläge, Loops und Stoppbälle. Die richtige Positionierung ermöglicht besonders kräftige Returns und für jeden Schlag gibt es einen Konterschlag. Die verschiedenen Schlagarten sind durch die bunten Spuren erkennbar, die der Ball hinterherzieht. Man muss den Gegner also nicht nur ausmanövrieren, sondern auch nach dem Stein-Schere-Papier-Prinzip richtig kontern.

In den normalen Modi gibt es einen Energiebalken. Aufgeladene Schläge erhöhen die Energie. Ist sie hoch genug, kann ein Präzisionsschlag ausgeführt werden, im Grunde ein Smash, bei dem man mit einem Fadenkreuz aus der First-Person-View zielt. Lässt man R gedrückt, kann die Zeit verlangsamt werden, was in der Defensive hilft. Drückt man den rechten Analogstick in Richtung Ball, macht man das Mario-Äquivalent zu einem Becker-Hechter und hüpft oder rollt über den Court, um noch unerreichbar geglaubte Bälle zu retournieren.

Stichwort retournieren: Bei Präzisions- und Superschlägen muss genau im richtigen Zeitpunkt gedrückt werden, um diese zu blocken. Ist man zu früh dran, wird der Schläger beschädigt und er bricht irgendwann. Sind alle Schläger eines Spielers verbraucht, geht man K.O. und hat verloren. Gegen die KI ist das durchaus befriedigend, aber besiegt man so Freunde (oder Kinder) hat man fast ein schlechtes Gewissen (aber nur fast).

Fazit

Mario Tennis Aces wird am besten auf der Couch gegen anwesende Freunde und Gäste gespielt. Abseits vom Partyspaß gibt es aber nur wenig Motivation, das Game zu spielen. Der Story-Modus ist unbefriedigend, der Mangel an freischaltbaren Gegenständen ebenso.

Eigentlich weiß Nintendo besser, wie so etwas gehen sollte und das hat das schon mit den Switch-Games Mario Kart 8 Deluxe und ARMS gezeigt. Was hier für 60 Euro abgeliefert wird, ist dagegen etwas lieblos. Wer ein Party-Sportspiel sucht, das weder Fußball noch ein Beat-em-Up ist, wird sich dennoch über Mario Tennis Aces freuen.

Gewinnspiel

Wer mit seinen Freunden eine Tennisparty zuhause feiern möchte, der kann das Game bei uns gewinnen. Wir vergeben insgesamt zwei Stück unter allen, die uns bis 8. Juli per Mail an redaktion@futurezone.at verraten, warum gerade sie Mario Tennis Aces bekommen sollten. Die zwei kreativsten Lösungen bekommen das Game für die Switch und dazu passende Goodies.

Teilnahmebedingungen