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02.10.2016

PS4 Slim im Test: Flach, funktional und ein bisschen fad

Sony schrumpft die Playstation 4 und verabschiedet sich in diesem Prozess von vermeintlich unnötigen Designelementen und dem optischen Audioausgang.

Dieses Jahr gibt es gleich zwei neue Playstation-4-Varianten: die PS4 Slim und PS4 Pro. Während die Pro im November kommt und mit mehr Leistung für „4K ähnliches Gaming“ lockt, ist die Slim in erster Linie das, was der Name vermittelt: dünn.

Der direkte Konkurrent, Microsofts Xbox One S, ist ein Mischding. Sie ist kleiner, hübscher und wurde um ein UHD-Blu-ray-Laufwerk erweitert. Sie beherrscht zwar kein Gaming in 4K/UHD, dafür aber zumindest Video-Streaming und eben die Wiedergabe von UHD-Blu-rays. Die PS4 Slim ist zwar auch kleiner, bietet aber keine UHD-Option.

Immerhin unterstützt die PS4 Slim jetzt WLAN-Verbindungen mit 5 GHz. Eigentlich ist es eine Frechheit, dass die erste PS4 dies nicht bereits getan hat. Besonders viel bringt das aber leider ohnehin nichts, da die PSN-Server in Europa lahm sind. Ein 16-GB-Download dauerte über drei Stunden – bei einer ausnahmsweise gut arbeiteten UPC-Leitung mit 110 Mbit/s (gemessen im selben 5-GHz-WLAN).

Die PS4 Slim verzichtet auf den optischen Audioausgang. Vielen User dürfte das egal sein, da die meisten HDMI nutzen. Aber wer sein Gaming-Headset oder eine kleine Anlage ohne einen Receiver zwischenzuschalten über diesen Anschluss mit der PS4 Slim verbinden wollte, muss sich eine Alternative überlegen.

Galerie: PS4 Slim

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Schlichter

Mir gefällt das Design der regulären PS4. Sie sieht zwar aus, als hätte sich Ende der 80er Jahre ein Filmstudio überlegt, wie ein Sandwich-Toaster für einen Science-Fiction-Streifen aussehen könnte der im Jahr 2050 spielt, aber das hat einen gewissen Charme. Die PS4 Slim wirkt hingegen hauptsächlich funktional. Oder weniger höflich ausgedrückt: günstig.

Kein Klavierlack mehr, keine blau-leuchtende Leiste und die scharfen Kanten, mit denen man im Falle einer plötzlichen Zombie-Invasion die Untoten im Wohnzimmer unschädlich machen konnte, sind fast schon kindgerecht abgerundet.

Weniger Glanz aber praktischer

Aber nur, weil die PS4 Slim fad ausschaut, heißt das nicht, dass das schlecht ist. Auf der rauen, matten Oberfläche sind Hausstaub und Fingertapser leichter entfernbar. Die kompakte Größe und runderen Kanten machen sie leichter zu transportieren und sie findet dadurch auch besser im prall gefüllten Phonomobiliar Platz.

Der größte Vorteil, der durch den Verzicht auf Design entsteht, sind die Tasten. Während die Xbox One S meinen Xbox-One-Nemesis externes Netzteil den Garaus machte, eliminiert die PS4 Slim die hassbaren Softtouch-Tasten der PS4. Diese waren klein, schwer zu erwischen und noch dazu schlecht beschriftet, weshalb ich selbst nach fast drei Jahren intensiver Nutzung gelegentlich noch immer die falsche Taste erwischt habe.

Echte Tasten

Bei der PS4 Slim sind es jetzt echte Tasten, die links am Gehäuse untergebracht sind. Sie sind zwar immer noch klein, lassen sich aber vernünftig drücken und unterscheiden sich in der Form, sodass sie im Dunkeln ertastet werden können. Eine Mini-LED-Leiste an der Power-Taste zeigt durch verschiedene Farben an, ob die PS4 Slim gerade eingeschaltet oder im Standby-Modus ist.

Die zwei Front-USB-Slots haben mehr Abstand zueinander als bei der regulären PS4. Da die untere Kante der Slim dezent abfällt, passen jetzt einige USB-Sticks, die bei der alten PS4 aufgrund des Gehäuses nicht nutzbar waren. Die USB-Slots sind aber immer noch weit im Gehäuse versenkt, weshalb diverse USB-Sticks mit pseudo-lustigen Formen nach wie vor nicht passen.

Weniger Stehvermögen

Durch die schlankere Bauform hat die PS4 Slim weniger Fläche, wenn sie stehend verwendet werden soll. Das macht die Sache etwas wackelig. Im Gegensatz zur Xbox One S ist kein Standfuß im Lieferumfang inkludiert. Das passende Original-Zubehör von Sony kostet 20 Euro.

Im horizontal positionierten Zustand verschwindet die PS4 Slim regelrecht in der Wohnzimmer-Hightech-Landschaft, was nicht nur an der dünnen Bauweise, sondern auch am dezenten Design liegt. Das wirkliche optische Highlight bekommt man so nicht zu sehen: Die Gummifüßchen an der Unterseite haben die markanten Formen der Aktionstasten des Controllers.

Lautstärke und Lüfter

Die Slim ist etwas leiser als die reguläre PS4. Im Leerlauf ist sie kaum zu hören. Bei Spielen kann sie für einige User deutlich leiser wirken, für andere ist der Unterschied nur gering. Der Grund dafür ist, dass der Lüfter der Slim in einer höheren Tonlage surrt. Da mit voranschreitendem Alter das Hörvermögen für Töne im hohen Frequenzbereich zuerst abnimmt, dürften die meisten erwachsenen Gamer das Betriebsgeräusch der Slim deshalb als merklich leiser empfinden.

Auch das leisere Geräusch im Leerlauf hat Sony möglicherweise mit einem Trick erkauft – einfach den Lüfter seltener anwerfen. Die PS4 Slim wird nämlich rechts hinten wärmer als die reguläre PS4, auch wenn sie sich nur im Leerlauf befindet. Aufgrund dieser Abwärme ist empfohlen, kein anderes Gerät auf die Slim zu stellen – das hätten die meisten User aber hoffentlich ohnehin nicht vorgehabt.

Festplatte

Die PS4 Slim als Einzelkonsole gibt es derzeit nur mit 500GB Speicher um 299 Euro. Im Bundle mit FIFA 17 wird sie mit einer 1-TB-Festplatte um 349 Euro angeboten. Die Festplatte lässt sich unkompliziert tauschen.

Die L-förmige Abdeckung an der Rückseite wird ohne Werkzeug abgenommen. Eine einzelne Kreuzschraube sichert die Festplatte, die danach an einer Schlaufe herausgezogen werden kann. Jetzt die vier Kreuzschrauben entnehmen, die die eigentliche Festplatte im Rahmen sichern und die neue Festplatte einsetzen. Der Garantie-Sticker wird dabei nicht gebrochen. Dieser muss erst zerrissen werden, wenn man das Gehäuse der PS4 Slim öffnen will.

Galerie: Neuer vs. alter PS4-Controller

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Controller

Der bei der PS4 Slim beiliegende Controller (CUH-ZCT2E) ist der neue PS4-Standard-Controller. Die auffälligste Änderung: Das Licht an der Controller-Oberseite scheint jetzt durch eine Leiste am oberen Rand des Touchpads durch. Das ist ein netter optischer Aufputz und auch praktisch. Bisher hat man das Licht beim Spielen eigentlich nur gesehen, weil es sich im Flat-TV gespiegelt hat. Jetzt könnte man das nervige Frontlicht komplett abkleben und durch die neue Leiste trotzdem noch erkennen, in welcher Farbe der Controller gerade leuchtet oder blinkt.

Die glänzenden Flächen des alten Controllers sind beim neuen Controller matt, was besser zur mattgrauen PS4 Slim passt. Bis auf die PS-Taste sind alle Tasten, das Steuerkreuz und die Analogsticks Grau statt Schwarz. Ich bin kein Fan davon, da der Controller dadurch weniger wie aus einem Stück wirkt.

Bei den Tasten selbst wurden keine Änderungen vorgenommen. Auch das Material der Analogsticks scheint noch dasselbe zu sein. Hier kann aber erst ein Langzeit-Test zeigen, ob sich dieses bei regelmäßiger Nutzung ebenso auflöst wie beim alten PS4-Controller.

Ein nicht sichtbares Upgrade ist, dass der neue PS4-Controller jetzt Daten per USB zur PS4 überträgt. Dies hat Sony vor allem für Turnierspieler gemacht. Diese können sich jetzt nicht mehr auf den Lag durch die Bluetooth-Verbindung ausreden, wenn sie einen Kampf verlieren.

Keine Verbesserung gibt es bei der Akkulaufzeit. Der Akku des Controllers ist gleich groß wie beim Alten, was eine Laufzeit von etwa 8 bis 9 Stunden bedeutet.

Fazit

Niemand, der bereits eine PS4 besitzt, die noch funktionsfähig ist, braucht eine PS4 Slim (299 Euro). Und wer noch keine PS4 hat, sollte sich bis November gedulden und die PS4 Pro in Erwägung ziehen. Diese kostet zwar mit 399 Euro um 100 Euro mehr, hat aber eine 1-TB-Festplatte und mehr Leistung. Dadurch sollten die Games sowohl auf normalen, als auch auf UHD-TVs besser aussehen und die Ladezeiten kürzer sein.

Sollte jemand tatsächlich aufgrund eines sehr unwahrscheinlichen Falles vor der Wahl stehen, jetzt eine normale oder PS4 Slim kaufen zu müssen, kann er beruhigt zur Slim greifen – wenn er den optischen Audioausgang nicht benötigt.