© Zeppelin Studio

Games
10/13/2014

Schein im Test: Ein verlockendes Irrlicht aus Österreich

Frust lass nach: Das österreichische Jump’n’Run Schein stellt die Geduld der Spieler auf die Probe, ist dabei aber auch ungemein motivierend.

Ein Irrlicht ist nicht unbedingt etwas, dem man Vertrauen schenken sollte. Diese Wesen locken Sagen zufolge Menschen in finstere Sümpfe, wo diese dann auf der Suche nach dem Weg zurück sterben. Beruhigend, dass der Spieler im österreichischen Jump'n'Run Schein auf ein sprechendes Irrlicht angewiesen ist, um seinen Sohn in den Sümpfen zu finden. Das Irrlicht zeigt dabei neue Wege auf, die ansonsten verborgen bleiben. Doch die Frage bleibt: Wohin führt uns das Irrlicht?

Schein

Schein

Schein

Schein

Schein

Schein

Der Debüt-Titel von Zeppelin Studios, einem von vier Studenten der FH Technikum Wien gegründeten Spielestudio, sorgte bereits vor seiner Veröffentlichung für Furore. Ausgezeichnet mit zahlreichen Preisen, darunter auch der prestigeträchtige Microsoft Imagine Cup, begeisterte vor allem die clevere Spielidee mit den Irrlichtern. Offiziell erschienen ist Schein bereits am 14. Juli, ab sofort ist es auch auf Steam verfügbar. Die futurezone ist pünktlich zum Start auf der US-Plattform in die Spielwelt von Schein eingetaucht.

Einfache Mechanik, komplexes Spiel

Der Spieler findet sich sofort nach dem Start in den Sümpfen wieder. Kein Intro, keine Vorgeschichte mit Text, man steht einfach da. Der Vater, dessen Rolle man als Spieler übernimmt, ist zu Beginn ebenso verwirrt. Ein paar Schritte weiter findet er eine Laterne, in der sich ein sprechendes Irrlicht befindet. Aus den Gesprächen zwischen Irrlicht und Vater heraus wird die Geschichte des Spiels erzählt. Nun erfährt der Spieler: Der Sohn des Mannes ist in den Sümpfen verschwunden, er ist auf der Suche nach ihm. Das Irrlicht bietet ihm seine Hilfe an, denn ohne es würde er nicht weit kommen.

Das stimmt auch, denn plötzlich steht man vor einem scheinbar unüberwindbaren Hindernis. Das Irrlicht offenbart jedoch eine andere Welt, in der es plötzlich eine Plattform gibt, mit der man das Hindernis einfach überspringen kann. Das ist bereits die wichtigste Spielmechanik, denn abgesehen von Laufen und Springen kann der Spieler nichts. Die Rätsel sind zu Beginn relativ selbsterklärend, das ändert sich aber rasch. Mit dem Irrlicht offenbaren sich nicht nur Plattformen, bestimmte Mechanismen, um Türen zu öffnen oder Transportmittel in Bewegung zu setzen, werden so aktiviert. Klingt einfach, ist es aber nicht.

Die Sucht nach dem Frust

Ich gebe es ganz ehrlich zu: Hin und wieder musste ich auf ein Walkthrough-Video zurückgreifen, da die Rätsel hin und wieder sehr komplex werden. Selbst nach den Walkthrough-Videos hat man oft eher WTF- statt Aha-Momente. Dieser frustrierende Schwierigkeitsgrad führt dazu, dass man das Spiel einfach mal aufgibt, um den Kopf frei zu bekommen, ähnlich wie bei einem Puzzle-Spiel. Dazu lädt vor allem die faire Verteilung der Checkpoints ein, die tatsächlich stets nach einem schwierigen Hindernis platziert sind. Momente, in denen man gerade eine komplexe Passage überwinden musste und dann vor ein ähnlich schweres Hindernis gestellt wird, gab es nahezu nie. So kann man das Spiel Schritt für Schritt meistern und scheitert nicht am eigenen Frust.

Gegner stellen sich dem Spieler nicht entgegen, lediglich der Sumpf selbst. Dornenbüsche, Stacheln, Lava oder das Wasser führen zum sofortigen Tod des Spielers. Die einzigen Lebewesen in Schein sind Glühwürmchen, die in bestimmten Farben leuchten und zum Lösen von Rätseln herangezogen werden müssen. Oftmals muss man einen Sprung “auf gut Glück” machen, nur um dann gähnende Leere vorzufinden. Daran merkt man bereits, dass das Spiel zum Probieren einlädt, eine “Strafe” für den Tod gibt es nicht. Das Spiel steuert sich am Besten mit der Tastatur, mit dem Analog-Stick eines Xbox 360-Controllers fehlte oft die Präzision.

Der herausfordernde Schwierigkeit offenbart jedoch auch ein weiteres Problem. Meist kehrt man wegen dieser “Das muss doch irgendwie zu schaffen”-Mentalität zurück, die Geschichte rückte eher in den Hintergrund. Das liegt wohl auch daran, dass die Geschichte nur sehr langsam aufgebaut wird und eigentlich schon wieder vorbei ist, als sie Fahrt aufnimmt. Aus den Dialogen zwischen Vater und Irrlicht erfährt man, dass sein Sohn verschwunden ist und etwas “Unheimliches” in den Sümpfen lebt, doch Details sind lange Zeit rar.

Fröhlicher als gewollt

Der Cel Shading-Look steht dem Spiel hervorragend und wurde mit viel Liebe zum Detail angefertigt. Das merkt man vor allem beim Wechseln zwischen den insgesamt drei Irrlichter-Farben. Während der Vater in der “normalen” Welt alt, grau und sehr traurig aussieht, bringt das grüne Irrlicht wieder Leben zurück. Er wirkt vitaler und fröhlicher, zudem sind die Sümpfe schon nahezu comic-haft grün. Das blaue Licht bringt eine sehr kalte Welt zum Vorschein, mit dem roten Irrlicht werden hingegen Lava und glühende Steine enthüllt. Zudem hat der Vater plötzlich ein irres Grinsen im Gesicht.

Obwohl sich die meisten Objekte rasch wiederholen, fühlt sich nahezu jedes Rätsel einzigartig an. Der Hintergrund ist nicht statisch, sondern verändert sich im Laufe der Level, so richtig verloren fühlt man sich jedoch nicht. Die Sümpfe haben zwar etwas Bedrohliches an sich, man hasst sie allerdings vielmehr als sie zu fürchten. Ob das im Sinne der Entwickler ist, sei dahingestellt, die düstere Orchestermusik im Hintergrund deutet jedoch nicht darauf hin. Die Synchronsprecher der beiden Charaktere sind gut gewählt und klingen angenehm, sie wirken aber oft recht teilnahmslos, wenn sie eigentlich Furcht oder Hektik ausdrücken wollen.

Die Spieldauer hängt sehr stark vom Geschick des Spielers ab, im Durchschnitt wird man aber rund acht bis zehn Stunden mit der Kampagne beschäftigt sein. Einen hohen Wiederspielwert gibt es nicht, obwohl in den Levels verschiedene Gegenstände versteckt sind.

Fazit

Fans von fordernden Jump’n’Runs werden Schein lieben. Lediglich die etwas lange Einführung, die einen vergleichsweise niedrigen Schwierigkeitsgrad hat, bremst den Spielspaß zu Anfang etwas. Einsteiger werden wohl spätestens zur Mitte des Spiels frustriert aufgeben, denn viele Passagen erfordern eine ordentliche Portion Köpfchen und Geschick.

Aufholbedarf hat man lediglich bei der Story, die bis zum Schluss nicht so recht begeistern kann. Mit Schein gibt Zeppelin Studios aber ein Versprechen für die Zukunft ab und weckt Erinnerungen an das Wiener Studio Broken Rules, dessen Debüt-Titel “And Yet It Moves” ebenfalls als Studenten-Projekt begann und 2009 zu einem internationalen Erfolg wurde. Fans von Spielen wie Limbo, Braid oder Super Meat Boy sollten definitiv zugreifen, Schein ist ab 6,99 Euro für Windows verfügbar. Neben Steam ist es auch DRM-frei auf Plattformen wie GOG, Desura und Humble Store erhältlich.