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Videospiele Studie: Wer Shooter spielt verliert Gehirnzellen.

Foto: Activision Blizzard
Bei Spielern von First-Person-Shootern reduziert sich die graue Substanz im Gehirn. Dies könne das Risiko für Depressionen und Alzheimer erhöhen, so eine Studie.

Wissenschafter an der Universität von Montreal haben eine Studie veröffentlicht, die einen negativen Einfluss von Videospielen auf das menschliche Gehirn nahe legt. Demnach könne das häufige Spielen von First-Person-Shootern das Risiko für psychische Erkrankungen und Alzheimer erhöhen.

Für die Studie wurden 51 Männer und 46 Frauen, im Alter zwischen 18 und 30 Jahren, untersucht. Sie hatten keine Vorerkrankungen und keine Erfahrung mit Videospielen. Insgesamt wurden 90 Stunden gespielt. Eine Gruppe spielte Shooter wie Call of Duty, Killzone und Borderlands 2. Die andere spielte 3D-Plattformer, ua. Super Mario 64.

Zudem wurden die Spieler in zwei Arten von Lerntypen eingeteilt. Die einen nutzten bei Games primär das räumliche Gedächtnis. Die anderen reagieren eher auf Ereignisse, wodurch der Nucleus caudatus angesprochen wird. Dieser Teil des Gehirns ist für das Entwickeln von Gewohnheiten zuständig und Verhaltensarten von Menschen, die nicht ins Bewusstsein treten.

Ergebnisse

Laut der Studie gehören 85 Prozent der Spieler, die sechs oder mehr Stunden pro Woche spielen, zu diesem Lerntyp. Bei allen First-Person-Shooter-Spielern dieses Lerntyps zeigte sich ein „statistisch signifikanter“ Verlust von grauer Substanz im Hippocampus.

Der Grund dafür ist laut den Forschern, dass der Hippocampus und Nucleus caudatus nicht gleichermaßen stimuliert werden. Je mehr der Nucleus caudatus genutzt wird, desto weniger wird der Hippocampus verwendet, was zum Verlust der grauen Substanz, um damit Gehirnzellen, führt.

Laut den Autoren der Studie gilt der Hippocampus als Biomarker für psychische Krankheiten. Personen mit verringerter grauen Substanz seien in jungen Jahren anfälliger für post-traumatische Störungen und Depressionen. Bei älteren Personen erhöhe sich das Alzheimer-Risiko.

Gegenmittel

Bei der Gruppe die 3D-Plattformer gespielt hat, war eine Zunahme der grauen Substanz feststellbar – egal zu welchem Lerntyp sie gehören. Laut den Wissenschaftern wäre es möglich die 3D-Plattformer als eine Art Gegenmittel zu den Shootern einzusetzen. Man könne damit das Gehirn trainieren, die graue Substanz, die durch die Shooter geringer geworden ist, wieder nachwachsen zu lassen.

Die Wissenschafter merken gegenüber CBC jedoch an, dass die Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen sind. Es würde eine Langzeitstudie benötigen, um tatsächlich eine negative Auswirkung von Shootern auf die Psyche feststellen zu können. Im Falle des Alzheimer-Risikos müsste die Studie sogar über mehrere Jahrzehnte weitergeführt werden.

Die Autoren der Studie sehen primär Kinder als gefährdet, weil deren Gehirne noch in der Entwicklung sind. Zu häufiges Spielen von Shootern könne das Hirn dazu bringen, den Nucleus caudatus für Lernprozesse zu nutzen, statt den Hippocampus. Das würde wiederum die graue Substanz reduzieren und das Risiko für physische Krankheiten erhöhen.

Besseres Games-Design

Die Autoren der Studie schlagen nicht vor, Computerspiele generell zu verbieten. Sie wollen jetzt mit Spieleentwicklern reden, um herauszufinden, welche Aspekte im Games-Design für die Reduzierung der grauen Substanz verantwortlich sind. Wenn man das wisse, könne man die Spiele dementsprechend verbessern.

Eine Hypothese ist, dass GPS-Marker und andere Hilfsmarkierungen, um in einem Videospiel zum Ziel zu finden, schlecht sind. Der Spieler achte so nicht mehr auf die Umgebung, das räumliche Gedächtnis würde zu wenig beansprucht werden.

(futurezone) Erstellt am 09.08.2017, 19:34

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