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Games
06/16/2019

The Gardens Between: Nostalgie-Puzzle für Herz und Hirn

Das Puzzle-Adventure überzeugt mit herrlicher Grafik, ruhigem Gameplay und vermag so manche Kindheitserinnerung zu wecken.

Gerade im Bereich mobilen Games ist es manchmal gar nicht so leicht, das richtige Spiel zu finden. Viele der Titel, die vor allem für Smartphones entwickelt werden, verfolgen bei Gameplay und Zeit einen recht ähnlichen Ansatz. Schnell müssen die Spiele sein und möglichst kurzfristig spielbar. Man möchte meinen, die Entwickler orientieren sich am hektischen Alltag.

Dabei sind es vor allem ruhigere Titel, die auch mal etwas umfassender und entschleunigter sind, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Statt hektischem Gameplay für den kurzfristigen Appetit bieten Titel wie „Old Man‘s Journey“, „Prune“ oder die „Monument Valley“-Serie etwas für die Zeit auf der Couch, wo schon mal eine halbe Stunde pro Sitzung in die Story investiert wird. Auch „The Gardens Between“ schlägt in diese Kerbe. Mit seiner gefühlvollen Szenerie und den lockeren Rästeln ist der Indie-Titel nicht nur fürs Hirn, sondern auch fürs Herz.

Emotionale Achterbahnfahrt

Die Story von „The Gardens Between“ handelt von den beiden Freunden Arina und Frendt. Nebeneinander wohnend, verbringen die Nachbarn viel Zeit im Haus des jeweils anderen und treffen sich oft in ihren Gärten, die dazwischen liegen. Gleich zu Beginn steigt das Spiel mit ordentlich Emotionen ein. Sichtlich enttäuscht sitzen die Protagonisten in ihrem selbstgebauten Baumhaus und schweigen sich an.

Wie das Klischee es nunmal möchte, gewittert es wie wild. Obwohl die Sequenz komplett ohne Dialog stattfindet, transportiert die Szenerie perfekt, was beide in diesem Moment fühlen. Der Umzug von Frendt und die daraus folgende Trennung der beiden Freunde verursachen ein schweres Herz. Die betrübte Stimmung hält an, bis ein Blitzschlag die spärliche Behausung der beiden Freunde trifft und die Zeit stillstehen lässt. Durch die Naturgewalt werden unsere Protagonisten in eine Art Paralleluniversum katapultiert, in dem sie die Geschichte ihrer Freundschaft rekapitulieren können.

Über insgesamt 19 verschiedene Inseln verteilt, können Arina und Frendt ihre Erinnerungen aus vielen verschiedenen Stücken zusammensetzten, um so die Spitze einer jeden Insel zu erklimmen. Dort soll dann ein Licht platziert werden, dass durch unseren Fortschritt zum Leuchten gebracht wird.

Beeindruckende Szenerie

Jede der Inseln ist allein optisch ein Erlebnis. Das Spiel kombiniert die Natur durchwegs mit vom Menschen geschaffenen Objekten, die ein Teil der Freundschaft waren oder noch immer sind. Ein rotes Sofa, hundertmal so groß wie ein Mensch, ein gigantischer Fernseher oder der gute alte Walkman verschmelzen hier mit den begrünten Hügeln der jeweiligen Inseln. Auch der Wechsel vom Tag in die verzauberte Nacht trägt viel zum besonderen Ambiente bei.

„The Gardens Between“ ist aber selbstverständlich nicht nur zum Ansehen gedacht. Auch die Rätsel, die es zu lösen gilt, werden Puzzle-Fans Freude bereiten. Das gesamte Konzept dreht sich hier um das Anhalten und Spulen der Zeit. Während wir entlang der schmalen Pfade auf den jeweiligen Inseln gehen, stoßen wir immer wieder auf Hindernisse. So kommen wir beispielsweise an einen Punkt, an dem es eine Schlucht zu überqueren gilt.

Diese Schlucht wird durch eine plötzliche Steinlawine für einige Sekunden gefüllt, bis sich das Geröll in die drunterliegenden Gewässer verabschiedet. Mit der Fähigkeit, die Zeit anzuhalten, können wir zum Moment einer möglichen Überquerung spulen und die Schwerkraft in der Parallelwelt austricksen.

Indirekte Steuerung

Bis auf wenige Ausnahmen ist die Arbeit mit der Zeit unsere einzige Möglichkeit, Arina und Frendt zu kontrollieren. Statt diese direkt zu steuern, können wir nach links swipen, um die Zeit zurückzuspulen. Ein Swipe nach rechts ermöglicht einen Zeitsprung vorwärts. Auf dem Marsch zur Spitze werden die beiden dabei immer wieder auf Objekte stoßen, die ihren Weg blockieren.

Durch Tippen auf den Bildschirm kann mit dem Objekt interagiert werden. Arina und Frendt sind jeweils mit unterschiedlichen Fähigkeiten ausgestattet, die zur Lösung der vielen Rätsel genutzt werden müssen. So kann Frednt etwa Glocken läuten und schwarze Löcher damit verschließen. Arina kann ihre Laterne mithilfe ihrer Fähigkeiten in höhere Lagen hüpfen lassen, während wir vorwärts spulen. Dieses Feature ist vor allem dann hilfreich, wenn die Laterne selbst im Weg ist.

Entspannt durch die Level

Dankenswerterweise ist nur selten sofort klar, wie welche Fähigkeit einzusetzen ist. Stattdessen setzt „The Gardens Between“ auf gemächliche Planung. An vielen Stellen muss im Verlaufe des Spieles zigmal die Zeit vor- und zurückgespult werden, um sämtliche Abläufe und Bewegungen zu erfassen. Zwar verhindert das keineswegs einen potenziellen Speedrun über die Inseln. Mit Ruhe und Bedacht lassen sich die vielen Veränderungen beim Zeitsprung aber deutlich besser analysieren, während zugleich die Stimmung des Games aufgesaugt werden kann.

Auch sonst bietet das Spiel kaum Raum für Hatz und Ärger. An keinem Punkt werden uns irgendwelche Tipps, Lösungsvorschläge oder Ansätze zum Weitermachen verraten. Gleichzeitig kommt in Ermangelung echter Sackgassen nie wirklich Frust auf. Meistens gilt es einfach die Veränderungen der Zeitsprünge zu beobachten. Manchmal muss auch herumprobiert werden, bis es Klick macht.

Keine der Herausforderungen ist sonderlich gemein oder vermeintlich unlösbar. Selbst wenn wir das Rätsel nicht auf der Stelle lösen können, findet sich fast immer ein kurzfristiger Ausweg, der neue Ansätze schafft und die Lösung ein Stückchen näher heranbringt.

Fazit

Ein Mobile-Game, dass am besten zu Hause genossen wird? Ja, auch das gibt es. „The Gardens Between“ lässt sich dank seiner nur fünf- bis zehnminütigen Level auch ganz gut unterwegs zocken. Die Faszination der bunten Welten und die schwellende Nostalgie lässt sich aber am besten in vertrauter, vorzugsweise ruhiger Umgebung genießen.

Eine umfassende Story und großartige Hintergründe zur Freundschaft von Arina und Frendt bietet das Spiel nicht. Stattdessen kratzt „The Gardens Between“ mit seiner Idylle und den viele Objekten, die etwa auch Teil meiner Kindheit waren, an den Erinnerungen seiner Spieler und weckt nostalgische Gefühle. Gefühle, die man sich nicht unbedingt von einem Puzzle-Adventure erwartet.

The Gardens Between ist um 5,49 Euro im App Store erhältlich. Das Spiel ist auch um 19,99 Euro für PC, Nintendo Switch sowie Xbox One und PS4 verfügbar.