Die Geheimdienste schätzen offenbar das Sammeln - sowohl von heiklen Informationen als auch von Kunstwerken

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Die geheimen Gemälde der CIA
06/25/2016

Die geheimen Gemälde der CIA

US-Nachrichtendienste halten nicht nur Staatsgeheimnisse unter Verschluss, sondern auch Kunstwerke.

von Peter Glaser

In den Hallen des CIA-Hauptsitzes in Langley im US-Bundesstaat Virginia hängen neunundzwanzig abstrakte Bilder von Künstlern der Washington Color School, einer Richtung der abstrakten Malerei, deren Vertreter sich in den 50er- und 60er-Jahren vor allem in Washington zusammenfanden. Zu ihren bekanntesten Vertretern gehören Mark Rothko und Helen Frankenthaler. Außer wenn man einer der vielen Mitarbeiter der CIA ist (die genaue Zahl der CIA-Mitarbeiter wird geheimgehalten), sind die Chancen, diese Bilder oder auch nur digitale Versionen von ihnen jemals zu sehen, sehr gering. Wie die in Portland lebende Künstlerin Johanna Barron erfahren musste, hält die CIA Informationen über ihre Kunstsammlung geheim.

Barron hatte eine Aufnahme der New Yorker Fotokünstlerin Taryn Simon mit zwei abstrakten Gemälden an der Wand eines Gangs in einem CIA-Gebäude gesehen. Sie wollte mehr über die Kunstsammlung der CIA wissen, aber auf deren Website gab es nur ein Infoschnipsel zu einem einzigen der Bilder, „Black Rhythm“ von Gene Davis. Barron reichte eine FOIA-Anfrage ein, in der Hoffnung, ein paar mehr Details und Bilder in Erfahrung bringen zu können. Der Freedom of Information Act, kurz FOIA, gibt jedem US-Bürger das Recht, Zugang zu Behördenmaterial zu verlangen. Trotz mehrerer FOIA-Anfragen lehnte die CIA es aber immer wieder ab, Barron Informationen über die sogenannte Melzac-Sammlung zu geben.

Faustkampf unter Galeristen

Die Kunstwerke waren dem Auslandsnachrichtendienst in den 80er-Jahren von einem republikanischen Sammler namens Vincent Melzac überlassen worden, der einst Leiter einer Kunstgalerie in Washington gewesen war. „Der hervorhebenswerteste Vorfall seiner Amtszeit“, vermerkt ein Nachruf aus dem Jahr 1975 in der Washington Post, „war ein Faustkampf, den er sich mit dem vormaligen Galerieleiter Gene Baro lieferte.“

Diese wilde Geschichte inspirierte Barron zu dem Projekt „Acres of Walls“, in dem sie Gemälde aus der Melzac-Sammlung auf Basis unermüdlich gesammelter Informationsfetzchen im Maßstab 1:16 nachzuschaffen versucht. „Es hat mir gefallen, dass die CIA nichts davon wusste“, sagt Barron. „Und es war auch eine Hommage an die Künstler. Ich fing an, die Maler der Washington Color School zu mögen.“ Mit ihren Bildern erkundet die Künstlerin, was sie den „reflexhaften Mangel an Transparenz bei Behörden“ nennt.

Reformbedürftige Informationsfreiheit

Neben der großformatigen Aufnahme von Taryn Simon erwies sich für Barron ein Enthüllungsbuch über die CIA als Informationsfundgrube. Da sie aber trotzdem nicht alle Informationen über die Kompositionen finden konnte, sind einige der nachgeschaffenen Bilder mit Absicht teilweise geschwärzt oder pixelig. Hinzu kommen die Andenken ihrer vergeblichen Versuche, mit der CIA zu kommunizieren, einschließlich der Ablehnungen ihrer FOIA-Anfragen.

„Es war frustrierend, dass sie meine Anfragen immer wieder verweigert haben“, beklagt Barron. „Es gab schon erhebliche Anstrengungen, den Freedom of Information Act zu reformieren. Ich denke, dass mein Projekt ein gutes Beispiel dafür ist, wie nötig das wäre.“

Die Lieblings-Penisfotos der NSA?

Die Lieblings-Penisfotos der NSA?

Für Verschwörungstheoretiker ist es ein gefundenes Fressen. Warum bleibt diese Kunstsammlung undercover? Gibt es dahinter Geheimtüren? Enthalten sie verschlüsselte Nachrichten der Illuminaten oder codierte Vergrößerungen der gesammelten Lieblings-Penisfotos der NSA? Sind es abstrakte Porträts außerirdischer, ihrer Menschenmasken beraubter Politiker? Die Welt wird es vielleicht nie erfahren.