Samsung-Handy

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Meinung

Ökopunkte fürs Smartphone

Das Potenzial des Eco-Ratings liegt darin, dass es Awareness beim Handykauf steigern kann und sich so manche Kund*in möglicherweise dadurch erstmals damit auseinandersetzt, dass das eigene Smartphone Auswirkungen auf Umwelt und Klima hat.

Schlankere Designs, schnellere Prozessoren, bessere Kameras, faltbare Displays, umfangreichere Funktionen – Smartphone-Hersteller liefern sich einen Wettkampf der technischen Innovationen. Smartphone-Nutzer*innen, die sowohl technik-affin als auch umweltbewusst sind, müssen bisher noch starke Kompromisse eingehen und sich entweder für das eine oder das andere entscheiden. Wie viel Hoffnung dürfen sie nun aus dem neuen Eco-Rating der großen Mobilfunker schöpfen?

Mehr als Greenwashing?

Dass Telefónica, Deutsche Telekom, Orange, Telia und Vodafone mit einem eigenen Eco-Rating die Umweltauswirkungen verschiedener Handys vergleichbar machen wollen zeigt, dass die Nachfrage und der Druck nach ökologisch verträglichen Smartphones offenbar so stark gewachsen sind, dass man sich damit auseinandersetzen muss. Das ist jedenfalls eine gute Nachricht, denn es zeugt vom gesteigerten Bewusstsein dafür, dass wir die Ressourcen dieses Planeten nicht unendlich ausschöpfen können und unsere CO2-Emissionen drastisch reduzieren müssen, wenn wir die Klimakrise abwenden wollen. Die nicht so gute Nachricht ist jedoch, dass dieses neu vorgestellte Eco-Rating Gefahr läuft, über Greenwashing nicht hinauszukommen.

Selbst entwickelt und freiwillig

Das Punkte-System bewertet Geräte nach den Kriterien Haltbarkeit, Reparierbarkeit, Recyclingfähigkeit, Klimaverträglichkeit und Ressourcenschonung. Laut Initiatoren basiert es Branchenkenntnissen und bewährten Umweltkennzeichnungs-Verfahren, diverse Standards sollen ihm zugrunde liegen und es seien auch bedarfsweise neue Parameter entwickelt worden. Zumindest in der Kommunikation über die Initiative lassen sich die sachlichen Bemühungen erkennen. Standards, Siegel und Bewertungen, die Branchen für sich selbst entwickeln und freiwillig auferlegen, ohne verpflichtende Kontrollinstanzen oder gesetzlich festgelegte Konsequenzen, gehen erfahrungsgemäß jedoch kaum über gute PR-Konzepte hinaus. Dem Verdacht müssen auch die Provider sich für ihr Eco-Rating definitiv stellen.

Ohne Fairphone

Nicht zuletzt die Tatsache, dass ausgerechnet Fairphone, der Öko-Pionier unter den Smartphones, nicht unter den 12 Kooperationspartnern zu finden ist, macht stutzig. Fairphone begründet dies unter anderem damit, dass das Öko-Rating nicht umfassend genug sei. So werden etwa die Programme zur sozialen Verantwortung wie den Bereichen der Arbeitsbedingungen ausgenommen und der Recyclingfähigkeit ein höherer Stellenwert gegeben als fairer produzierten Materialien. Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen machen seit vielen Jahren auf die zusammenhängende Ausbeutung von Natur und Arbeiter*innen in den Produktionsketten für Smartphones aufmerksam. Diesen Zusammenhängen wird im freiwilligen Rating der Mobilfunkanbieter keine Rechnung getragen.

Awareness ist gut, Gesetze sind besser

Das Potenzial des Eco-Ratings liegt darin, dass es Awareness beim Handykauf steigern kann und sich so manche Kund*in möglicherweise dadurch erstmals damit auseinandersetzt, dass das eigene Smartphone Auswirkungen auf Umwelt und Klima hat. Die große Gefahr liegt jedoch darin, dass die Unternehmen mit ihren eigenen, freiwilligen Öko-Wertungen umweltbewussten Konsument*innen die Kaufentscheidung für ihr Produkt erleichtern wollen, ohne jedoch die notwendige grundlegende Wende in ihrer Produktionsweise zu vollziehen. Dass das nicht passiert, können nur gesetzliche Verpflichtungen wie etwa ein Lieferkettengesetz garantieren.

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Tina Wirnsberger

Tina Wirnsberger ist Trainerin für nachhaltige Wirtschaft & Politik und Sozialpädagogin. Sie war bis Jänner 2019 Grüne Stadträtin für Umwelt und Frauen in Graz.

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