Meinung
01.11.2013

Technikerin mit Leidenschaft

Corinna Schwarz ist Absolventin der FH Technikum Wien. Warum sie sich für ein technisches Studium entschieden hat, erzählt sie in einem Gastkommentar.

Hätte mir jemand nach der Matura prophezeit, dass ich einmal Lautsprecher konstruieren und regelmäßig beruflich um die Welt fliegen würde, hätte ich nur ungläubig gelächelt. Insgeheim habe ich mir allerdings schon immer gewünscht einen technischen Beruf einzuschlagen. Bereits als Kind war ich sehr technikinteressiert, meine Geschenke zu Muttertagen oder anderen Anlässen wurden in Werkstätten und nicht in Bastelecken hergestellt. In der Schule fielen mir Fächer wie Mathematik, Geometrie und Zeichnen immer leicht. Als AHS-Schülerin hätte ich mir zwar mehr Vertiefung in diesen Bereichen gewünscht, bereue aber meine Entscheidung für die breiter gefächerte Ausbildung nicht.

Interesse Sport

Neben der Technik war meine zweite Leidenschaft der Sport, in meiner Kindheit war ich begeisterte Volleyballspielerin und investierte meine ganze Freizeit in dieses Training. Als in der siebten und achten Klasse die großen Fragezeichen nach der weiteren Ausbildung auftauchten, konnte ich mich nur auf die Gebiete Technik und Sport festlegen. Durch das Programm „Frauen in die Technik“ (FIT) erfuhr ich vom Bachelor-Studiengang „Sports Equipment Technology“ an der FH Technikum Wien. Weil ich befürchtete, die Aufnahmeprüfung an der FH nicht zu bestehen, hatte ich mich schon über Alternativen erkundigt: Architektur und Sportmanagement wären meine Notfallpläne gewesen.

Neue Herausforderung

Noch heute erinnere ich mich an den Moment, als ich die Nachricht über die fixe Studienplatzzusage erhielt. Zur Freude gesellte sich sofort auch eine gewisse Panik, ob ich der neuen Herausforderung auch wirklich gewachsen war. Meine Eltern, insbesondere mein Vater als Heimwerkerkönig und Hobbybastler, unterstützten aber meine Entscheidung für ein technisches Studium von Anfang an. Die ersten beiden Semester fielen mir noch schwer, aber ich wurde immer von meinen größtenteils männlichen Mitstudierenden unterstützt. Die Tatsache, dass ich eine Frau bin, war bei meinen Kollegen nie ein Thema. Dennoch sammelt man als Frau in einem größtenteils männlich besetzten Umfeld viele Erfahrungen und lernt mit der Zeit zu differenzieren, welche Bemerkungen spaßhaft gemeint sind und welche nicht. Dieses Wissen hilft auch im späteren Berufsleben mit gewissen Situationen besser umzugehen.

Master-Studium

Während meines Studiums an der FH Technikum Wien konnte ich in verschiedenen Projekten bereits früh die theoretischen Kenntnisse praktisch anwenden. Als ich im Zuge meiner Bachelorarbeit zum ersten Mal in einer Entwicklungsabteilung arbeitete, stand meine Entscheidung fest, auch das Master-Studium anzuhängen. Bei meiner Master Thesis erlebte ich am eigenen Leib die Hindernisse und Erfolgserlebnisse, die bei der Entwicklung eines Sportgerätes zwangsläufig auf einen zukommen. Obwohl ich im Laufe des Studiums neben breit gefächerter Theorie jede Menge Praxiserfahrung sammeln konnte, fühlte ich mich noch nicht bereit für das Berufsleben. Ich begann unmittelbar nach dem Studium mit der Jobsuche. Da ich aber nicht untätig auf eine Zusage warten wollte, begann ich mit einem Architekturstudium an der TU. Hier konnte ich meine kreative Ader ausleben und meine CAD-Kenntnisse (Computer Aided Design) weiter ausbauen. Es faszinierte mich, von mir entworfene Sachen später in der Realität zu sehen. Genau das war einer der Hauptgründe, warum ich mich schließlich für meinen jetzigen Job entschieden habe.

Ingenieurin für Miniaturlautsprecher

Heute arbeite ich bei Knowles Electronics und stelle Miniaturlautsprecher her. Ich arbeite eng mit der Produktion zusammen und es ist noch immer ein tolles Gefühl, ein selbst entworfenes Design in den Händen zu halten. Da wir wenig mit standardisierten Bauteilen arbeiten, kann ich vieles selbst gestalten und mich dabei auf kreative Art und Weise selbst verwirklichen. Plötzlich reale Projekte mit echten KundInnen zu haben, hat mich anfangs zwar eingeschüchtert, allerdings bin ich rasch mit meinen Aufgaben gewachsen. Besonders gefällt mir, dass ich bei meiner Arbeit eigene Entscheidungen treffen, dadurch Verantwortung übernehmen und gleichzeitig im Team Lösungen für Probleme finden kann. Neben der Produktentwicklung befasse ich mich viel mit Simulationen, um bereits vorab die Leistung und die Schwachstellen eines Lautsprechers abzuschätzen. Da wir nicht nur in Wien produzieren, sondern auch internationale Standorte und Lieferanten haben, führt mich mein Job quer durch die Welt, unter anderem nach China.

Sprung ins kalte Wasser

Anfangs hatte ich Bedenken, mich in einer rein männlichen Abteilung als Berufseinsteigerin mit einem in der Arbeitswelt damals noch wenig bekannten Studium durchsetzen zu können. Ich konnte mich jedoch schnell in die Gruppe eingliedern und beim nächsten neuen Kollegen beobachtete ich ähnliche Anzeichen von Nervosität. Ich glaube, dass der Start ins Berufsleben für jeden, egal ob Mann oder Frau, erst mal ein Sprung ins kalte Wasser ist. Ich kann daher jeder Frau nur raten, sich bei der Wahl von Studium und Beruf nicht von Ängsten oder Vorurteilen, sondern nur von ihren eigenen Wünschen und Interessen leiten zu lassen.

Corinna Schwarz, 28, maturierte an der Friesgasse im 15. Wiener Gemeindebezirk. Danach absolvierte sie den Bachelor- und Master-Studiengang Sports Equipment Technology an der FH Technikum Wien. Seit 2011 arbeitet Frau Schwarz bei Knowles Electronics Austria GmbH im Bereich Product Design und Simulations.